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Neues Herz, neues Glück. Als Hannah Engelmann nach einer schweren Krankheit an die Côte d’Azur flieht, um ein neues Leben zu beginnen, rechnet sie nicht damit, dass sie ihr Herz verlieren wird. Sylvain Grenier ist ihr Traum von einem Mann. Sexy, selbstsicher, erfolgreich. Seine offen zur Schau gestellte Dominanz weckt Gefühle in ihr, die sie nicht kennt und von denen sie nicht genug bekommen kann.

Seit dem frühen Tod seiner Frau ist Sylvain nicht mehr der, als den die Hauptstadt der Parfümhandwerks, Grasse, ihn kennt. Böse Gerüchte kursieren über den Mann, dessen Gespür für Düfte legendär ist. Nicht länger in der Lage, sein Herz an eine Frau zu verschenken, bringt ihn die Begegnung mit Hannah aus dem mühsam aufrecht gehaltenen Gleichgewicht.

 

Lavendelkuesse 

Autor: Felicity La Forgia
Verlag: Sieben Verlag
Erschienen: 1. Februar 2015
ISBN: 978-3-864434-88-4
Seitenzahl: 324 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Hannah Engelmann war die letzten vier Jahre durch ihre fragile Gesundheit dazu gezwungen, das Leben von außen zu betrachten. Nun hat sie sich von ihren behütenden Eltern gelöst, ist voller Begeisterung an die Côte d’Azur gezogen und hat einen Job angenommen, um endlich ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Im Zuge ihrer Arbeit begegnet sie dem Parfümier Sylvain Grenier, der nach einer katastrophalen Ehe nicht mehr an einer langfristigen Beziehung interessiert ist. Allerdings fasziniert ihn die zarte Frau. Da Hannah ebenfalls Interesse an ihm signalisiert, beginnt er sie - trotzdem er von ihrem empfindlichen Gesundheitszustand erfährt - zu umwerben. Doch die Vergangenheit der beiden kann man nicht so einfach ausschalten, da sie immer ein Teil der Gegenwart sein wird. Nun stellt sich die Frage, wie sehr sich die beiden von der Vergangenheit die Gegenwart diktieren lassen und ob sie über ihren Schatten springen können.

Es kommt selten vor, dass in einem erotischen Roman zumindest eine der Hauptfiguren sehr realistisch dargestellte gesundheitliche Probleme hat und weder körperlich noch emotional perfekt ist. Da die Protagonisten nicht als Mr. Ken und Mrs. Barbie mit Pseudoproblemen dargestellt werden sondern als reale, sympathische Figuren, die man gerne ein Stück auf ihrem Weg begleitet, liest sich die Geschichte sehr intensiv und besonders. Und gerade dieser Umstand lässt das Buch aus der Masse der Erotikromane hervortreten.


Stil und Sprache
Das Buch ist in der dritten Person aus der Sicht des allwissenden Erzählers geschrieben, wobei die Szenen durchaus einmal Hannah- und einmal eher Sylvain-lastig sein können. Die Sprache ist einfach und dem Genre entsprechend leicht zu lesen, der Erzählstil ist sehr gefühlvoll und bildhaft. Der Leser gewinnt nach und nach einen immer besseren Einblick in das Umfeld der Protagonisten sowie ihren Wünschen und „Altlasten“ und kann sich ein gutes Bild von der ganzen Lage machen. Die Entscheidungen der Protagonisten in den nachfolgenden Situationen sind so wesentlich besser zu verstehen. Auch die Beschreibung der Schauplätze ist gut gelungen und sie wurden plastisch und damit leicht vorstellbar beschrieben.

Da es in der Geschichte ja um das Kennenlernen und spätere Zusammenspiel von Hannah und Sylvain geht, wurden natürlich vorrangig die Charaktere der beiden Protagonisten sorgfältig und detailliert ausgearbeitet. Die Beiden wirken dadurch in ihren Handlungen und Überlegungen sehr authentisch und glaubwürdig. Seltsam überzogene Reaktionen der Hauptpersonen wird man in dem Buch dankenswerterweise nicht finden, stattdessen wurde dem Gefühlsleben beider Figuren viel Platz gelassen. Kurzweilig und gefühlsintensiv beleuchtet die Geschichte die herausfordernde Situation der Protagonisten sowie ihres Umfeldes.

Der Leser bekommt einen kurzen Einblick in die interessante Arbeit der männlichen Hauptperson und erfährt auch, warum gerade in der Branche der Düfte die richtige "Nase" Goldes wert ist. Bei der weiblichen Hauptperson liegt das Augenmerk eher auf ihrem Gesundheitszustand als  auf ihrer Arbeit im Immobilienbereich. Durch Hannah erfährt man so einige grundlegende Dinge, die Herztransplantationspatienten betreffen. Wissenswertes, über das man sich als gesunder Mensch nicht den Kopf zerbricht, wie z. B. dass Transplantationspatienten keine rohen Lebensmittel essen sollten, alles Fleisch gut durchgegart werden muss und auch, wie gut man auf die Signale seines Körpers achten sollte, denn ein - für den gesunden Menschen vergleichsweise - harmloser Virus oder eine Verkühlung könnte für diese Menschen lebensgefährlich sein.

Das Buch lebt von der Gefühlen der Protagonisten in den jeweiligen Situationen, in die sie sich bewusst begeben oder in die sie durch Zufall geraten. Ihr gleichzeitiger Kampf gegen den inneren "Schweinehund", das Ringen zwischen Kopf oder Herz, wenn die äußeren Umstände ihr Leben unerwarteterweise kräftig durchrütteln, wird gut und bildhaft dargestellt. Auch die erotischen Szenen werden mit viel Niveau beschrieben und wirken - so wie der ganze Roman - niemals plump oder derb, sondern im Gegenteil gut durchdacht und mit viel Fingerspitzengefühl und Leidenschaft dargestellt. Die Spannung ist von Anfang an da und hält bis zum Schluss durch, wobei auch hier gegen Ende der Geschichte die Handlung noch einmal einen dramatischen Höhepunkt erlebt. Die Szenen sind gut angelegt und der "rote Faden" führt gut erkennbar durch die Geschichte. Die Rückblenden bzw. Erinnerungen sind kurz und liefern auschließlich Ínformationen, die notwendig für die Geschichte sind.

Dieses Buch könnte man als Liebesroman mit niveauvoller Erotik, oder als liebevoll geschriebenen Erotikroman mit viel Gefühl bezeichnen, der LeserInnen von Frauen-, Liebes und auch Erotikromanen begeistern kann. Vor allem die besondere Situation der beiden Protagonisten und ihr Umgang damit sowie die ausgewogene Kombination von Liebe und Erotik hebt das Buch deutlich von dem „Einheitsbrei“ vieler Geschichten dieser Genre ab.


Figuren
Hannah Engelmann ist eine sensible, lebenshungrige junge Frau, die alles, was sie aus gesundheitlichen Gründen bisher im Leben verpasst hat, endlich aufholen will. Sie mag es durchaus, in gewissen Situationen unter der Führung eines Mannes umsorgt und verwöhnt zu werden, weiß aber gleichzeitig auch sehr genau, was sie will und vor allem, was sie nicht will. Die weibliche Hauptperson wirkt einerseits – wegen ihrer empfindlichen Gesundheit – sehr zerbrechlich, andererseits aber durch ihre positive Ausstrahlung und ihre Entschlossenheit extrem stark. Sie erlebt im Lauf der Handlung Höhen und Tiefen, wächst an ihrern Erfahrungen und lernt, dass sie wegen ihrer empfindlichen Gesundheit nicht weniger geschätzt und geliebt wird.

Sylvain Grenier hat durch seine vergangene Ehe mit Satine einen gehörigen Dämpfer erhalten, was Beziehungen betrifft und möchte sich eigentlich nicht mehr fest binden. Als er Hannah kennenlernt, bringt sie sein eingefahrenes Weltbild gehörig durcheinander. Auch er ist alles andere als perfekt, er akzeptiert zwar sein Bedürfnis, in einer Beziehung zu bestimmen, wo es lang geht, hadert aber gleichzeitig mit seiner dominanten Neigung. Dieses fast permanente unterschwellige Ringen mit sich selbst - der Kampf zwischen Herz und Kopf - macht einen wichtigen Teil der Geschichte aus, erklärt einige von Sylvains Handlungen und ermöglicht es ihm gleichzeitig, sich im Lauf des Buches weiterzuentwickeln.  

Bastien Grenier gibt seinem Bruder Sylvain und vor allem seiner dominanten Ader offen die Schuld am Tod von Satine und setzt ihn damit unter Druck. Satine Grenier ist die tragische „Graue Eminenz“ im Buch, die nicht nur durch ihre Verhalten während ihrer Ehe mit Sylvain, auch noch aus der Vergangenheit das Leben der Grenierbrüder beeinflusst.

Die sympathischen Figuren sind motiviert und mit verständlichen, nachvollziehbaren Gründen für ihr Handeln ausgestattet. Dadurch wirken sie dreidimensional und besonders glaubwürdig.


Aufmachung des Buches
Das Coverbild des broschierten Buches passt gut zum Genre und der Rückseitentext gibt einen kurzen Einblick in den Inhalt, kann ihm jedoch nicht ganz gerecht werden. Das Buch ist in 17 durchnummerierte Kapitel unterteilt, die ihrerseits wiederum in kürzere Abschnitte gegliedert sind. Ein Epilog rundet die Geschichte gut ab. Auf der letzten Seite findet sich eine knappe Kurzvita der beiden Autorinnen, die unter dem Pseudonym „Felicity La Forgia“ schreiben.


Fazit
Ein absolut empfehlenswerter, erotisch-gefühlvoller Liebesroman, der sich durch die gut nachvollziehbare Story und vor allem durch die sympathischen, „unperfekten“ Protagonisten von der Massenware abhebt.

 

4 5 Sterne


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