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Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit. Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert. Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten. Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft ..

 

Der Hexenschoeffe 

Autor: Petra Schier
Verlag: rororo
Erschienen: 1. Oktober 2014
ISBN: 978-3499268007
Seitenzahl: 512 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Im 17. Jahrhundert tobte in Deutschland nicht nur der große Krieg, sondern es brannten auch aller Orten die Scheiterhaufen. Persönliche Tragödien, wie Armut, Seuchen und Missernten wurden nicht mehr als „normale“ Ereignisse angesehen, sondern dem bösen Einfluss von Hexen und Zauberern zugeschrieben. In der einfachen Bevölkerung waren Angst und Aberglauben besonders verbreitet, und in Kirche und Obrigkeit gab es Menschen, die dies gezielt schürten, um sich am Besitz der Verurteilten zu bereichern. Es war gefährlich, offen gegen den Hexenwahn aufzutreten, zu leicht geriet man selbst in Verdacht und in Gefahr, verhaftet zu werden.

Petra Schier erzählt interessant und spannend die wahre Geschichte des Rheinbacher Kaufmanns und Schöffen Hermann Löher, dem es gelang, sich und die Seinen vor dem Scheiterhaufen zu retten und der im Exil mit seiner Schrift: „Hochnöthige Unterthanige Wemütige Klage der Frommen Unschüldigen“ das Vorgehen der „Hexenkommissare“ anprangerte und seine Überzeugung von der Unschuld der vielen Opfer zum Ausdruck brachte.


Stil und Sprache
Das Buch lässt sich flüssig lesen, aber „leicht“ ist es stellenweise wahrhaftig nicht. Der Zeit und dem Thema geschuldet, kann die Sprache oft nicht anders, als brutal und grausam sein. Schonungslos, aber ohne Effekthascherei führt Petra Schier dem Leser die unfassbaren Methoden der Hexenjäger vor Augen und beschreibt Verhöre, Folter und Hinrichtungen so eindrücklich und plastisch, dass man sich oftmals am liebsten schaudernd abwenden möchte und es mitunter sehr schwer fällt, überhaupt weiter zu lesen. Alle diese Schilderungen beruhen ja auf vielfach dokumentierten Tatsachen und man kann sich nur immer wieder fragen, wie Menschen ihren Mitmenschen so etwas antun konnten. 
Da ist es zwischendurch wirklich wohltuend, auch einmal etwas über das normale Leben der Menschen dieser Epoche zu lesen - die glückliche Ehe der Löhers, ihr Haushalt, die Arbeit eines Kaufmanns und die Ausbildung seiner Söhne - auch Feste und Vergnügen kommen nicht zu kurz, wobei das Brauchtum eine große Rolle spielt und zunächst etwas „befremdlich“ auf den Leser wirkt. Daher ist es gut, dass die Autorin diesem Punkt einen erklärenden Abschnitt im Anhang widmet.


Figuren
Petra Schier zeichnet alle ihre Figuren sehr prägnant und glaubwürdig. Hermann Löher ist ein liebevoller Ehemann und Vater und ein angesehener Bürger. Unter den Opfern der Hexenverfolgung des Jahres 1631 waren Familienmitglieder und Freunde, Menschen, die er gut kannte und von deren Unschuld er überzeugt ist. Nun kommt es wieder zu Verhaftungen und Folter und er muss als Schöffe des Gerichts dabei sein und soll sich mit dem Vorgehen einverstanden erklären. Aus Angst um Frau und Kinder schweigt er zunächst, aber sein Gewissen lässt ihm keine Ruhe. Diese Zerrissenheit stellt die Autorin sehr gut dar, der Leser kann sich wirklich in Löhers Gedanken und Gefühle hineinversetzen und sich mit ihm identifizieren. 

Auch der „Hexenjäger“ Jan Möden ist ausserordentlich gut beschrieben. Er ist kein religiöser Fanatiker sondern ein eiskalt planender, seinen finanziellen Vorteil abwägender Mensch. Er „verdient“ ja praktisch an jedem Opfer und macht den armen Delinquenten Versprechungen, legt ihnen sogar Namen in den Mund und jedes „Geständnis“ zieht weitere Verhaftungen nach sich, denn Sinn der „peinlichen Befragung“ war in erster Linie, neue Verdächtige ausfindig zu machen, deren Vermögen dann eingezogen werden konnte. Mödens völlige Gleichgültigkeit gegenüber der Angst und den Schmerzen seiner Mitmenschen lassen den Leser umso mehr mit diesen mitfühlen und mitleiden. Viele von ihnen sind historisch belegt und in Listen von damals namentlich erwähnt, andere stehen stellvertretend für die anonymen Männer und Frauen, die durch den Hexenwahn einen grausamen Tod erlitten.


Aufmachung des Buches
Das Cover des Taschenbuches zeigt vor einer geschäftigen Stadtszene ein Paar, das in ein Schriftstück vertieft ist. Dies, wie auch Schmuck und Kleidung der Beiden legen nahe, dass es sich um gut situierte, gebildete Leute handelt. Das Buch beinhaltet drei weitere Abbildungen und zwar am Anfang eine Rekonstruktion der Stadt Rheinbach nach Ansichten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sowie am Schluß ein Bildnis des Hermann Löher und einen Kupferstich aus seiner „Klageschrift“.

Jedes Kapitel wird durch ein Zitat aus diesem Werk – in Originalsprache – eingeleitet. Dem Prolog von 1676 folgt ein Kapitel aus dem Jahr 1631 und 22 weitere, die einen Zeitraum von 4 Monaten im Jahre 1636 umfassen, ehe der Epilog von 1676 die Handlung abschließt. Ein Abschnitt über das Rheinbacher Brauchtum, sowie ein ausführliches Nachwort der Autorin zur Entstehung des Buches und über die historischen Personen runden die gute Ausstattung ab.


Fazit
„Der Hexenschöffe“ ist ein Roman, basierend auf wahren Begebenheiten und daher gleichzeitig auch ein sehr authentisches, bedrückendes Abbild des 17. Jahrhunderts, das durch den langen Krieg und die grausamen Hexenverfolgungen eins der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte ist


5 Sterne


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