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Ein Sturm zieht über England herauf: Der Kampf um die Krone beginnt

England 1437: König Henry VI. ist krank und unfähig zu regieren, das Königshaus gerät ins Wanken. Zudem droht ein Konflikt mit Frankreich, der England in eine Katastrophe reißen könnte. Die Vermählung Henrys mit der französischen Adeligen Margaret von Anjou soll die Macht des Reiches sichern. Doch das Bündnis mit den verhassten Franzosen ruft bei der Bevölkerung Empörung hervor. Richard, Duke von York, nutzt den Hass gegen den König und seine willensstarke Gemahlin zu seinen Zwecken – die Rosenkriege beginnen …

 

Die Rosenkriege Sturmvogel 

Originaltitel: Wars of the Roses - Stormbird
Autor: Conn Iggulden
Übersetzer: Christine Naegele
Verlag: Heyne Verlag
Erschienen: 11. August 2014
ISBN: 978-3453417960
Seitenzahl: 608 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
England und Frankreich Mitte des 15. Jahrhunderts: Der „Hundertjährige Krieg“ hat dem Inselreich unter seinem charismatischen König Henry V. mehrere Provinzen auf dem Festland eingebracht. Dort haben sich englische Siedler eine Existenz aufgebaut und betrachten das Land mittlerweile als ihr Eigentum. Leider stirbt der König unerwartet früh und hinterlässt die Krone seinem erst wenige Monate alten Sohn, der als Henry VI. viele Jahre unter der Vormundschaft seiner Onkel steht und seinem tatkräftigen Vater in keinster Weise gleicht. Zudem macht ihn eine phasenweise – von seinem französischen Grossvater Karl VI. ererbte – Geisteskrankheit oft über größere Zeiträume hin regierungsunfähig. Um einen langjährigen Waffenstillstand mit Frankreich zu erreichen, heiratet er Margaret von Anjou und gibt dafür die englischen Kolonien Anjou und Maine an deren Vater zurück. Die dort ansässigen Engländer müssen das Land verlassen und wehren sich erbittert. Auch in England selbst reagiert das Volk mit wütenden Aufständen, denen der schwache König nichts entgegen setzen kann.
Aus dieser Situation heraus entstand der Konflikt zwischen dem noch regierenden Haus Lancaster und dem Haus York, dessen Führer Richard Plantagenet selbst einen Thronanspruch hatte und – mit Hinweis auf die Regierungsunfähigkeit des Königs - einforderte.

Conn Iggulden versucht, in diesem ersten Teil seiner geplanten Serie die Vorgeschichte des fast 30jährigen Bürgerkrieges, der unter dem Namen „Rosenkrieg“ – rot für Lancaster, weiss für York – in die englischen Annalen einging, zu schildern. Ohne Zweifel hat er sehr viel recherchiert, was auch aus dem ausführlichen Nachwort hervorgeht. Leider überfrachtet er die Erzählung aber mit einer übergroßen Menge an – meiner Meinung nach - überflüssigen Informationen und Nebenschauplätzen, die den Spannungsbogen immer wieder abflachen lassen und den Leser eher ermüden und ärgern, als sein Interesse aufrecht zu halten.


Stil und Sprache
Dieses Buch ist über weite Strecken nicht ganz einfach zu lesen. Personen und Örtlichkeiten wechseln ständig, häufig mitten im Text, d.h. ohne deutliche Absätze und ganz willkürlich. Obwohl es numerierte Kapitel gibt, ist kein wirklicher roter Faden erkennbar. Immer wieder wird ein Erzählstrang zu Gunsten eines anderen abgebrochen und später fortgesetzt – oder auch nicht – wobei der Leser leicht die Orientierung verliert und manchmal nicht so recht weiß, ob er sich gerade in England oder in Frankreich befindet.
So betritt auf Seite 209 die junge Margaret die Kirche von Titchfield zu ihrer Trauung und plötzlich wird auf den nächsten 6 Seiten über einen Trupp französischer Plünderer in Anjou berichtet. Dessen Anführer hat sich sämtliche Zähne im Oberkiefer ziehen lassen, was dem Autor so erwähnenswert erscheint, dass er ganze 16 Zeilen darauf verschwendet, ehe auf Seite 215 die Braut weiter Richtung Altar voranschreiten darf. Auch bei anderen Gelegenheiten hält sich Conn Iggulden sehr oft bei der Schilderung von Kleinigkeiten auf, es gibt häufige Wiederholungen, die den Lesefluß hemmen und etliche Längen aufkommen lassen. Die genaue Beschreibung der Vorgehensweise beim Bogenschießen ist beim ersten Mal sicher interessant, im weiteren Verlauf kann aber darauf gut verzichtet werden. Dies trifft auch für die sehr ausführlichen Kampf- , Plünderungs- und Folterszenen zu, die Mancher so detailliert sicher gar nicht lesen möchte. Einige davon klingen sehr nach purer Effekthascherei, während andere in ihrer Darstellung nicht ganz nachvollziehbar sind. So mutet es schon etwas merkwürdig an, wenn dem Herzog von Suffolk mitten in der Schlacht das Pferd unterm Leib erschossen wird und er dann im dichtesten Kampfgetümmel – Zitat S. 342: „.. geduldig wartete, bis ihm ein Reservepferd gebracht wurde“.
Auch dass man zwei Soldaten ganz allein die „peinliche Befragung“ eines Herzogs überlässt – S. 408 – diese ihn letztendlich ein Geständnis unterschreiben lassen und selbiges dann zu ihren Auftraggebern bringen, klingt sehr unglaubwürdig. Die Anklage lautete auf „Hochverrat“ und war ein Staatsgeheimnis, in das man ganz sicher nicht solche einfachen Männer eingeweiht hätte.

Wirklich interessant wird das Buch eigentlich nur in den privaten Szenen um König Henry und seine Frau. Man erfährt etwas über ihren familiären Hintergrund, ihr gemeinsames Leben und Henry´s Krankheit und obwohl es sich dabei in den Dialogen natürlich um fiktive Elemente handelt, könnte es sich so oder ähnlich abgespielt haben. Die Sprache ist der jeweiligen Situation angemessen, d.h. unter dem einfachen Volk wird viel geflucht und es geht recht deftig-derb zu, während sich König und Adel doch einer etwas gewählteren Ausdrucksweise bedienen.

Figuren
Viele der geschilderten Personen haben tatsächlich gelebt und ihre Handlungen sind historisch verbürgt. Henry VI. war in den Augen seiner Zeitgenossen ein schwacher König, hauptsächlich wohl auf Grund seiner Krankheit, aber auch, weil er sehr fromm war und den Frieden dem Krieg vorzog. Dass er damit alles, was sein Vater erreicht hatte, auf´s Spiel setzte und letztendlich verlor, nahm er in Kauf. Wahrscheinlich konnte er es auch nicht recht überblicken und seine Ratgeber nutzten das für ihre Zwecke aus.
Seine Frau Margaret von Anjou versuchte vergeblich, ihm und damit auch sich, die Herrschaft zu erhalten. Als Französin war sie beim englischen Volk verhasst. Man lastete ihr den Verlust der Kolonien an, da sie der „Preis“ für ihre Ehe waren, was man aber eigentlich nicht ihr zum Vorwurf machen kann.
Conn Iggulden beschreibt das letzte Königspaar aus dem Hause Lancaster recht glaubwürdig und hält sich weitgehend an die von ihnen bekannten Fakten. Auch von den meisten anderen historischen Figuren kann man das noch einigermaßen begründet sagen, wenn auch bei Richard von York und seiner Frau mit Abstrichen, denn der Autor stellt sie allzu sehr als „böse“ dar.

Überhaupt nicht fassbar ist für mich dagegen die fiktive Figur des Derry Brewer. Wie er als einfacher Soldat – als der er zusammen mit Thomas Woodchurch unter Henry V. gekämpft hat – überhaupt in die Nähe des Königs kam, geschweige denn zu seinem „Meisterspion“ und Vertrauten aufsteigen konnte, wird nirgends richtig erklärt. Dass er sich den Vertrag mit Frankreich ausgedacht hat, den König manipuliert und so mit den mächtigsten Männern des Reiches umspringt, wie er es mit dem Herzog von York tut – S.91/92 – ist wenig glaubhaft. Man möchte mit seinem Freund Thomas fragen – Zitat S. 189: „Wer zum Teufel bist du eigentlich ?“
Dessen Geschichte ist anfangs noch einigermaßen nachvollziehbar. Durch den Ehevertrag des Königs hat er seinen Hof in Maine verloren und setzt sich dagegen zur Wehr. Allerdings nimmt das – genauso wie der Aufstand des Jack Cade in England – einen übermäßig breiten Raum ein und wird mit der Zeit recht langatmig. Das eigentliche Thema – das man dem Titel nach erwartet – nämlich die „Rosenkriege“ wird praktisch nur im Nachwort erwähnt. Zudem ruft die Grausamkeit dieser beiden Männer, die ihr eigenes Schicksal durch Mord und Plünderung an völlig unbeteiligten Menschen -denen es auch nicht besser geht als ihnen - „rächen“, beim Leser eher Abscheu, als Verständnis hervor.

Aufmachung des Buches
Das Taschenbuch zeigt auf goldenem Hintergrund den Namen des Autors und darunter den Titel, aus dessen Buchstaben die Zweige eines Rosenstrauches herauswachsen, der eine rote und eine weiße Rose trägt. In den ausklappbaren Buchdeckeln findet sich vorn eine farbige Tafel der „königlichen Linien von England“ und hinten eine Karte der britischen Insel und einem Teil des französischen Festlandes. Zwei weitere Landkarten, ein Stadtplan von London und 4 Stammbäume der mächtigsten Adelsfamilien bilden den Anfang des Buches.
Nach dem Prolog von 1377 beginnt die eigentliche Handlung 66 Jahre später. Sie gliedert sich in 3 Teile mit 32 numerierten Kapiteln und einem kurzen Epilog.
Das Personenverzeichnis ist alphabetisch und daher etwas unübersichtlich, eine Kennzeichnung der historischen Figuren wäre hilfreich gewesen. Allerdings geht der Autor in seinen Anmerkungen auf die wichtigsten von ihnen recht ausführlich ein.
Eine kurze Danksagung beschließt das Buch, dessen gute Ausstattung wirklich hervorzuheben ist.

Fazit
Die „Rosenkriege“ sind eins der interessantesten Kapitel der englischen Geschichte und von daher schon häufig in Romanen, aber auch Sachbüchern verarbeitet worden. Ich habe sehr viel zu diesem Thema gelesen und wage zu behaupten, dass ich mich in dieser Epoche recht gut auskenne. Leider
 haben sich die hohen Erwartungen, die ich auf Grund des interessanten Klappentextes an das Buch hatte, nicht erfüllt. Es ist dem Autor nicht gelungen, seine Geschichte wirklich authentisch, spannend und nachvollziehbar zu gestalten. Mich persönlich konnte er nicht überzeugen.


2 Sterne


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