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Als die Hexen brannten …

1613. Überall in Deutschland lodern die Scheiterhaufen. Der Hexenwahn greift um sich und hält auch Einzug in der Eifelherrschaft Neuerburg, nahe Trier. Die junge Claudia von Leuchtenberg kämpft vergeblich dagegen, dass ihr Oheim als Landesvater die Verfolgungen unterstützt.
Hilflos muss sie mit ansehen, wie Unschuldige sterben und sich gewissenlose Richter und Henker schamlos am Gut der Verurteilten bereichern.
Erst als Claudias Jugendfreundin Barbara verhaftet und der Hexerei angeklagt wird, ersinnt sie einen waghalsigen Plan, um das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

 

Hexenliebe 


Autor: Marita Spang
Verlag: Knaur TB
Erschienen: 2. Juni 2014
ISBN: 978-3426514313
Seitenzahl: 630 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Anfang des 17. Jahrhunderts brannten in fast ganz Deutschland die Scheiterhaufen. Das Schicksal, als Hexe oder Zauberer denunziert zu werden, konnte jeden treffen. Am Beispiel der kleinen Eifelherrschaft Neuerburg erzählt Marita Spang eindrucksvoll und spannend eins der dunkelsten Kapitel der Geschichte.

Stil und Sprache
Die Autorin lässt ihre - fiktive - Hauptfigur Claudia von Leuchtenberg vor dem sehr gut recherchierten Hintergrund der Hexenverfolgungen in der Gegend um Trier Anfang des 17. Jahrhunderts agieren. Sie ist das Bindeglied zwischen den geschilderten Ereignissen, die sich an ständig wechselnden Schauplätzen und aus der Sicht verschiedener Personen abspielen, sodass der Leser immer nah am Geschehen ist. Detailliert und authentisch erfährt man daher nicht nur etwas vom Leben des Landesherrn und seiner Familie auf der Neuerburg, sondern durch Claudias Freundschaft mit der Tochter des Bürgermeisters auch sehr viel über die Bewohner der gleichnamigen Stadt – sowohl die reichen Bürger, die im Wohlstand lebten, als auch die armen Leute, die in Schmutz und Not ihr Dasein fristen mussten und besonders offen für Aberglauben waren. Sie fanden oft eine Genugtuung darin, sich für ihr Elend zu „rächen“, und - aus Neid, Habgier, Unwissenheit, aber auch aus Angst - Andere dafür verantwortlich zu machen, indem sie sie als Hexen/Zauberer „besagten“. Nicht vergessen darf man dabei, dass ein Denunziant einen Anteil am Vermögen eines Verurteilten erhielt, an dem sich jedoch in erster Linie Obrigkeit und Kirche bereicherten.
Die Sprache ist sehr bildhaft und plastisch. Schonungslos, aber ohne Effekthascherei berichtet Marita Spang über die Methoden der Hexenjäger, über Verhöre, Folter und Hinrichtung. Jedes „Geständnis“ zog weitere Prozesse nach sich, denn Sinn der „peinlichen Befragung“ war in erster Linie, neue Verdächtige ausfindig zu machen. Die fiktive Geschichte fügt sich glaubwürdig in den historischen Hintergrund ein. Der Spannungsbogen liegt von Anfang an sehr hoch und steigert sich am Ende sogar noch einmal.
Die Beschreibung des kleinen Eifelstädtchens ist durch die Abbildung am Anfang sehr gut vorstellbar. Man meint beinahe, selbst durch die Gässchen und Tore zu gehen und fühlt sich gleichsam in die geschilderte Örtlichkeit hineinversetzt.

Figuren
Marita Spang hat alle ihre Akteure sehr lebendig und vielschichtig gestaltet. Sie beschreibt ihre Charaktereigenschaften, ihre Stärken und Schwächen sehr einfühlsam. Claudia von Leuchtenberg ist eine junge Adlige, frei von Vorurteilen und mit gesundem Menschenverstand. Ihre Freundschaft zu der bürgerlichen Barbara ist ehrlich und aufrichtig, auch wenn sie auf eine harte Probe gestellt wird. Claudia hat schon in früher Kindheit ihre Eltern verloren und fühlt sich von ihrer vornehmen Verwandschaft nur geduldet, daher ist es erklärlich, dass es sie zu Menschen hinzieht, die ihr freundlich entgegenkommen, wie der Stadtpfarrer und Barbaras Amme. Als der Hexenwahn in Neuerburg beginnt, der auch auf der Burg schreckliche Auswirkungen zeigt und ihre Freunde betrifft, riskiert sie alles, um zu helfen, denn als Angehörige des Landesherrn genießt sie einen gewissen Schutz, den sie auszunutzen versucht. Sie lässt sich selbst von herben Rückschlägen nicht beirren. Diese treffen auch den Leser schmerzlich und völlig unerwartet, aber gerade das erhöht die Glaubwürdigkeit der Handlung.
In Sebastian de la Val, dem Sohn des Amtmanns, hat sie einen Mitstreiter. Er ist mit Barbara verlobt, aber er liebt seine Braut nicht, denn die Ehe wurde von den beiden Vätern ausgehandelt. Trotzdem will er verhindern, dass sie als Hexe auf dem Scheiterhaufen sterben muss und wirkt bei Claudias Plan mit.
Auch die Nebenfiguren - ob historisch oder fiktiv - sind sehr gut und nachvollziehbar dargestellt. Die landgräfliche Familie, die Väter von Barbara und Sebastian - liebevoll der eine, streng der andere - die Geistlichkeit, Bürger, Soldaten, Handwerker und boshafte oder verängstigte Frauen, sie alle sind Kinder ihrer Zeit und agieren so, wie es Anfang des 17. Jahrhunderts unter den beschriebenen Umständen gewesen sein könnte. Lediglich, dass das Verbrechen auf der Burg letztendlich ungesühnt bleibt, lässt den Leser etwas unzufrieden zurück.

Aufmachung des Buches
Das Taschenbuch zeigt rechts auf dem Cover eine junge Frau in der Tracht der geschilderten Epoche vor dunklem Hintergrund. Das Motiv ist eine Fotomontage aus den beiden Gemälden: „Alice“ - von Henry Tanworth (1828-1903) und „Portrait of a Noble Woman“ – von Paula Monje (1849-1919). Links ist schemenhaft die Silhouette des Neuerburger Pfarrhauses mit seinem markanten Turm erkennbar. Darüber steht in rot der Name der Autorin und - in erhabenen, goldenen Lettern aufgeprägt - der Titel. Auf der ersten Buchseite ist eine alte Stadtansicht von Neuerburg – von Norbert Klinkhammer um 1630 – abgebildet. Es folgen zwei Zitate aus dem „Hexenhammer“ des Heinrich Kramer-„Institoris“ und der „Cautio Criminalis“ des Paters Friedrich von Spee - der Erste ein Befürworter, der Zweite ein Gegner der Hexenverfolgung - und ein ausführliches Personenverzeichnis, in dem die historischen Figuren mit einem * bezeichnet sind. Zwischen dem Prolog von 1589 und dem Epilog von 1615 gliedert sich die Haupthandlung in 4 Teile mit 34 datierten Kapiteln, die den Zeitraum von Juni 1612 bis April 1613 umfassen.
Ein Nachwort der Autorin zu den historischen Fakten, eine Danksagung, sowie ein umfangreiches Glossar und ein Quellenverzeichnis beschließen das Buch.

Fazit
Der Titel „Hexenliebe“ ist nicht eben glücklich gewählt, da er viel zu romantisch und positiv klingt. Dem Ernst des Themas wird er nicht gerecht, da wäre etwas unheilvolles – wie z.B. „Hexenwahn“ o.ä. – zutreffender gewesen. Ansonsten ist es der Autorin aber sehr gut gelungen, Fakten und Fiktion zu einem stimmigen, glaubhaften Abbild der frühen Neuzeit zu verbinden

4 5 Sterne

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