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Normandie, im Jahr 936: Als das Kloster Saint-Ambrose überfallen wird, finden alle Ordensfrauen den Tod. Einzig Mathilda, die vor vielen Jahren als Waisenkind im Kloster eine Heimat fand, und dem jungen Arvid, der dort ob seiner Verwundung gepflegt wurde, gelingt die Flucht. Doch die Angreifer verfolgen sie. Denn um ihrer beider Herkunft gibt es ein großes Geheimnis ... Julia Kröhn schreibt mit außergewöhnlicher Erzählstimme: dicht und atmosphärisch.

 

Kinder des Feuers 

Autor: Julia Kröhn
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 11. Januar 2013
ISBN: 978-3404167388
Seitenzahl: 496 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Normandie und Bretagne Mitte des 10. Jahrhunderts: Um die ständigen Überfälle der Normannen zu beenden, hat der fränkische König  im Jahr 911 ihrem Führer Rollo ein Stück Land überlassen, unter der Bedingung, dass er ihm den Lehnseid schwört und sich taufen lässt. 25 Jahre später kämpft dessen Sohn Wilhelm immer noch um die Befriedung dieses Gebietes und gegen die weiterhin heidnischen Bretonen, die von ihren alten Göttern nicht lassen wollen. Vor diesem sehr authentisch geschilderten historischen Hintergrund spielt sich das Schicksal des jungen Paares Mathilda und Arvid ab, deren geheimnisvolle Herkunft sie immer wieder in Gefahr bringt und zum Spielball der Mächtigen macht.


Stil und Sprache
„Kinder des Feuers“ ist die Fortsetzung von „Tochter des Nordens“, wo die Geschichte von Arvids Vorfahren erzählt wird, während nun Mathilda im Mittelpunkt steht. Es ist zwar nicht unbedingt notwendig, Buch 1 gelesen zu haben, aber Leser, die es kennen, haben einen deutlichen Wissensvorsprung, während sich den übrigen die Zusammenhänge um Arvids Abstammung in Buch 2 erst nach und nach erschließen.

Die Handlung besteht aus zwei Erzählsträngen. Der Leser begleitet die Hauptakteure Mathilda und Arvid - die manches gemeinsam erleben, aber zwischenzeitlich oft getrennt und auf der Suche nacheinander sind – zu den unterschiedlichsten Schauplätzen: Klöster, Burgen, Feldlager, aber auch in die Kate armer Leute oder die schon damals existierenden Städte Rouen, Fécamp und Bayeux.
Der kursiv gedruckte Teil befasst sich ausschließlich mit den Ereignissen um die Gruppe heimatloser Bretonen, die mit ihrer Anführerin Hawisa von Ort zu Ort ziehen. Sie schickt immer wieder ihren Vertrauten Hasculf aus, um Mathilda zu finden - wobei ihre Gründe lange im Dunkeln bleiben - sodass sich hierdurch die Verknüpfung zum Hauptteil ergibt.
Julia Kröhn ist eine glänzende Erzählerin. Über den Zeitraum von mehr als 1000 Jahren hinweg gelingt es ihr, die Menschen und Ereignisse für ihr Publikum so authentisch und lebendig darzustellen, dass man sich mitten im Geschehen glaubt. Dazu trägt auch die schöne, bildhafte Sprache bei, die der damaligen Epoche angepasst ist.

Einziger Kritikpunkt: Die Verfolgungen, denen Mathilda ausgesetzt ist, sind ein wenig zu zahlreich, wodurch sich mehrmals die gleichen Situationen – Gefangennahme und Flucht, bzw. Todesgefahr mit Rettung in buchstäblich „letzter Minute“ – ergeben, sodass man manchmal ein wenig das Gefühl hat, dass die Schilderungen sich wiederholen. Hier hätte eine gewisse Straffung gutgetan.


Figuren
Viele der handelnden Personen – u.a. der Frankenkönig Ludwig IV., der Normannenherzog Wilhelm „Langschwert“, sein Sohn Richard I. und dessen Mutter Sprota - haben wirklich gelebt. Das Wenige, was von ihnen bekannt ist, hat Julia Kröhn sehr geschickt mit den Abenteuern ihrer fiktiven Figuren verwoben und in ein gut recherchiertes historisches Umfeld eingebettet.

Mathilda und Arvid haben viele Gemeinsamkeiten: nicht nur das Rätsel um ihre Abstammung - das sie des Öfteren in Gefahr bringt – sondern auch die Jahre im Kloster, wobei sie das endgültige Gelübde als Nonne/Mönch noch nicht abgelegt haben. Als sie auf ihrer Flucht einander näherkommen, haben sie somit zwar noch keine „Sünde“ begangen, fühlen sich aber trotzdem schuldig, woraus zunächst eine jahrelange Trennung resultiert, die sie aber ihre Gefühle füreinander nicht vergessen lässt.
Die Autorin beschreibt diese Zerrissenheit ihrer Hauptfiguren sehr gut und glaubwürdig. An Mathilda gibt es nichts „emanzipiertes“, sie ist eine junge Frau ihrer Zeit und redet und handelt entsprechend. Dass sie letztendlich ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, geschieht aus ihrer tiefen Liebe zu Arvid heraus und ist für den Leser schlüssig und nachvollziehbar.


Aufmachung des Buches
Das Cover des Taschenbuches zeigt am rechten Rand die Figur einer jungen Frau in einem roten Kleid, dessen Schnitt und Verzierung sehr gut in die geschilderte Epoche passt. Auf dunkelgrünem Hintergrund ist der Name der Autorin und der Titel aufgeprägt. Einem Vers aus der „Edda“ folgt eine Vorbemerkung zur politischen Situation der Normandie um die Mitte des 10. Jahrhunderts, sowie eine Karte von Normandie und Bretagne aus dieser Zeit. Die zehn Kapitel der Haupthandlung sind numeriert und teilweise mit Ortsangaben oder Jahreszahlen übertitelt. Sie wechseln regelmässig mit einem zweiten Erzählstrang ab, der in kursiver Schrift erscheint.
Nach einem kurzen Epilog beschließt ein historisches Nachwort der Autorin das Buch.


Fazit
Vor 2 Monaten erst bin ich durch die Normandie und die Bretagne gereist und stand in Rouen an Wilhelm „Langschwerts“ Grabmal. Von daher habe ich das Buch mit besonderem Interesse gelesen. Tatsächlich findet man noch heute – sowohl in der ursprünglich-wilden Landschaft, als auch in den uralten Städten – viel von dem hier geschilderten wieder. 
Julia Kröhn hat in diesem Roman ein sehr interessantes Stück frühmittelalterlicher Geschichte wieder zum Leben erweckt.


4 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

Backlist:
Band 1: Tochter des Nordens

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