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Ich heiße Dixie Jones.
Mein sehnlichster Wunsch ist es, dass
meine Eltern für immer zusammenbleiben.
Mein Vater und meine Mutter an meiner Seite …
Zwei Schatten auf dem Boden, die sich vor mir
ausstrecken und in deren Schutz
ich verschwinde …

Wenn da nur nicht
diese verfluchte Tasche wäre …
Das verfluchte Geld, das mein Vater geraubt hatte.
Sein letzter und bester Banküberfall, hatte er meiner
Mutter weisgemacht. Sie hat ihm geglaubt …
An ein neues Leben, weit weg von der Vergangenheit,
von dem Elend, das sie erfahren hatten ...
Geld verleitet zum Träumen, das ist bekannt.

 

Dixie_Road 

Originaltitel: Dixie Road - L'Intègrale
Autor: Jean Dufaux
Übersetzer: Tanja Krämling
Illustration: Hugues Labiano
Verlag: Splitter
Erschienen: September 2011
ISBN: 978-3-86869-333-1
Seitenzahl: 208 Seiten
Altersgruppe: ab 15-16 Jahren (Empfehlung des Rezensenten)

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Die Grundidee der Handlung
Dieses Roadmovie ist in den amerikanischen Südstaaten der 1930er Jahre angesiedelt und wird aus Sicht der 14-jährigen Dixie erzählt. Sie lebt mit ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen, der Vater ist ein Kleinkrimineller und Rumtreiber, mehr unterwegs als zu Hause. Während ihre Mutter mitten hinein in die Streikunruhen der aufrührerischen Plantagenarbeiter gezogen wird, erscheint der Vater mit einer Tasche voller Geldscheine auf der Bildfläche. Von nun an sind die ruhigen Tage von Dixies Familie gezählt, denn eine wilde Hetzjagd quer durch's Land beginnt. Alle möglichen Verfolger haben es aus den verschiedensten Gründen auf die drei abgesehen und mit der Zeit gesellen sich immer neue dazu.

Kriminalität, Sozialkritik (Arm gegen Reich, Rassendiskriminierung) und Familiendrama vereinen sich in vier Kapiteln, die ursprünglich in Frankreich als Einzelbände herausgegeben wurden, zu einem dichten, gehaltvollen Drama, wie man es – abgesehen von Graphic Novels – eher selten im Comicbereich antrifft. Auf der anderen Seite sitzen mir persönlich die Waffen und Fäuste in Dixie Road ein wenig zu locker, so dass Unmengen an Verletzten und Toten die Wege der Jones‘ pflastern. Aber noch mehr ist es die Gleichgültigkeit der Figuren gegenüber dem Töten, die für mich im Widerspruch zum ernsten, tiefgründigen Erzählton steht.


Beurteilung der Zeichnung / Textdarstellung
Labianos Zeichnungen im klassischen frankobelgischen Stil sind einfach nur perfekt. Egal wie oft ich sie mir ansehe, hier findet sich kein Haar in der Suppe. Die Personen stehen bei ihm zwar klar im Zentrum und sind häufig panelausfüllend, trotzdem vernachlässigt er das Setting und die Hintergründe nicht. Es macht auch keinen Unterschied, ob er die Dinge nahe heran zoomt und dann stark plastisch werden lässt, beinahe zum Greifen, oder ob er weitläufige Perspektiven zeichnet. Die Ausarbeitung ist gleich gut und akribisch. Besonders auffallend ist dies bei großen Menschenansammlungen, wo jeder Einzelne bis in die Tiefen sauber gezeichnet ist. Beim Setting und der Ausstattung wie Kleidung, Autos, Gebäuden und Landschaften wirkt ebenfalls alles sehr natürlich und authentisch. Was Nacktdarstellungen und Gewalt angeht, erwarten einen weder Blutorgien noch Pornografie. Die Bilder sind real und deutlich, halten nichts zurück, wahren aber immer die richtige Balance.

Das einzige Manko war für mich die unheimlich große Anzahl an Nebenfiguren. Viele haben nur Miniauftritte und lenken einen von den wirklich wichtigen, häufiger in Erscheinung tretenden Nebenpersonen ab. Erst beim zweiten Durchlesen machte sich der Wiedererkennungseffekt bemerkbar, so dass ich einigermaßen Herr der Lage wurde und die Spreu vom Weizen trennen konnte.

Farblich präsentiert sich der Comic überwiegend klassisch in hellen, aber nie blassen Tönen, haarscharf passend zum lichtdurchfluteten, sonnigen Wetter der Südstaaten. In einzelnen Passagen weicht man jedoch absichtlich von diesem Muster ab, um eine unwirkliche oder unheimliche Stimmung heraufzubeschwören mit kräftigen, satten Farbtönen in dunklem Rot, Violett und Blau. An diesen Stellen fühlt man sich in amerikanische Comics versetzt.

Zum Verschlingen ist Dixie Road denkbar ungeeignet, dafür halten einen die vollgestopften Textblasen viel zu stark auf. Aber nur so lassen sich Aussagekraft und Tragweite der Geschichte überhaupt erst erfassen. In der Darstellungsweise gibt es nichts Neues: ovale Sprech- und eckige Erzählblasen, gezackte Form für Ausrufe und ein einheitliches Schriftbild in Groß- und Kleinschrift. Soundwords sind äußerst rar, und wenn sie mal in Erscheinung treten, dann recht unauffällig.


Aufmachung des Comics
Der Comic gehört zur Books-Reihe des Splitter Verlages, was bedeutet: Gebunden mit Schutzumschlag im kleineren Graphic Novel-Format (25 x 17,3 cm) und eine sehr hochwertige Verarbeitung, was Bindung, Papier und Druck angeht. Alle vier Kapitel haben ein eigenes illustriertes Deckblatt und im Anschluss an die Geschichte befindet sich noch ein alternatives, nicht verwendetes Covermotiv für den dritten Teil. Der Anhang besteht aus einem Nachwort des Autors Jean Dufaux aus dem Jahre 2004 und neun Skizzenseiten.

Auf dem Cover ist Erzählerin Dixie zu sehen. Sie wirkt schon sehr fraulich und deutlich älter als ihre 14 Jahre vermuten lassen. Hinter ihr steht ihr Vater zwei Pistolen in Händen haltend und einem davon brausenden Auto hinterher schauend. Ich kann mich nicht erinnern, dass diese Szene Teil der Handlung gewesen wäre; vermutlich wurde die Zeichnung eigens fürs Titelbild erstellt. Die Buchrückseite ist ähnlich illustriert. Wieder eine Straße, nur steht diesmal Dixies Mutter mit dem Rücken zum Betrachter am Wegesrand und blickt in die Ferne.


Fazit
Mit dem sozialkritischen Familiendrama und Roadmovie aus dem tiefsten Süden der USA während der Rezessionszeit in den 1930er Jahren hatte Altmeister Jean Dufaux viel vor – vielleicht zu viel. In seiner inhaltlichen Dichte und der unüberschaubar großen Personenschar kam mir Dixie Road fast schon überfrachtet vor. Das Beste sind die Zeichnungen in allerfeinster handwerklicher Qualität, an denen es absolut nichts auszusetzen gibt.

 
3 5 Sterne


Hinweise
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