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Ein großer historischer Roman über eine Frau, die für ihre Zeit Unerhörtes wagte.

Das Römisch-Deutsche Reich im Jahr 1324. Die junge Gräfin Loretta von Starkenburg-Sponheim übernimmt nach dem frühen Tod ihres Gatten die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn. In dem Kurfürsten Balduin von Trier findet sie einen mächtigen Verbündeten gegen ihre zahlreichen Feinde und nach einer unglücklichen Ehe Erfüllung in ihrer geheimen Liebe.
Auf dem Höhepunkt ihres Glücks entschließt sich Loretta, eine Burg zu erbauen, unerhört für eine Frau ihrer Zeit. Ihr Plan verändert alles …

Exzellent recherchiert und mitreißend erzählt zeichnet die HOMER–Preisträgerin Marita Spang das Leben einer faszinierenden Frau nach, die im deutschen Mittelalter ihresgleichen sucht.

 

Die Frauenburg 

Autor: Marita Spang
Verlag: Knaur E-Book
Erschienen: 1. Dezember 2016
ISBN: 978-3-426-44120-6
Seitenzahl: 656 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Loretta, Gräfin von Salm (* 1300; † 1346) wurde als Fünfzehnjährige mit Heinrich (im Buch: Martin) von Starkenburg-Sponheim verheiratet, brachte 3 Söhne zur Welt und blieb bereits 1323 als Witwe zurück. Als auch ihr Schwiegervater ein Jahr später starb, übernahm sie für ihren ältesten Sohn die Regentschaft. Zu einer Zeit, als Frauen nicht viel galten und selbst stets unter der Vormundschaft eines männlichen Familienmitgliedes – Vater, Bruder oder Ehemann – standen, ein erstaunlicher, beinahe beispielloser Vorgang.
Wie Gräfin Loretta mit Klugheit und Mut ihre schwierige Aufgabe meistert und sich gegen ihre männlichen Widersacher durchsetzt, schildert die Autorin spannend und authentisch in diesem Roman über eine bemerkenswerte Frau.


Stil und Sprache
Marita Spang ist in Trier aufgewachsen und lebt heute bei Bad Kreuznach. Die Schauplätze ihres Buches an Mosel und Nahe sind ihr also gut bekannt. Die verschiedenen Burgen gibt es heute noch - wenn auch teilweise nur als Ruinen – aber es gelingt der Autorin wunderbar, sie für ihr Publikum wieder mit Leben zu erfüllen. Man fühlt sich tatsächlich in das frühe 14. Jahrhundert zurück versetzt und erfährt sehr viel über die Sitten und Gebräuche der Menschen von damals, sowohl des Adels, als auch der einfachen Bürger und der leibeigenen Bauern, über den Klerus oder die Schikanen, denen die Juden ausgesetzt waren. Die einzelnen Schicksale werden sehr bildhaft und eindringlich beschrieben. Der Leser erlebt sie als Beobachter von außen überwiegend aus der Sicht von Loretta und Balduin und begleitet Letzteren sogar an der Seite seines kaiserlichen Bruders – Heinrich VII. - auf dessen Feldzug nach Italien.
Durch Loretta - aber auch am Beispiel ihrer Mutter und Schwiegermutter - bekommt man einen guten Einblick in die vielfältigen Aufgaben einer Burgherrin und die Abhängigkeit der Frauen jener Zeit. Erst dadurch erschließt sich richtig, wie ungewöhnlich ihre Regentschaft tatsächlich war und welcher Anfeindungen seitens der Männer sie sich erwehren musste. 
Dabei hält sich Marita Spang sehr nahe an die bekannten historischen Ereignisse und verbindet sie mit den fiktiven Elementen sehr überzeugend zu einem überaus harmonischen und stimmigen Ganzen. Auch die schöne altertümliche Sprache, vor allem die ausdrucksstarken Dialoge, tun ein Übriges, um die Erzählung glaubwürdig und interessant zu machen.


Figuren
Die meisten Figuren des Buches sind historisch und ihre Handlungen teilweise sehr gut dokumentiert. Wegen der vielen gleichlautenden Vornamen hat die Autorin einige Namen verändert und diese im Verzeichnis in Klammern gesetzt.

Loretta von Starkenburg-Sponheim hat tatsächlich gelebt und ihre Geschichte hat sich im Großen und Ganzen so zugetragen, wie sie hier dargestellt wird. Ihr Wirken als Regentin ihres Sohnes sowie ihr mutiges und geschicktes Vorgehen gegen ihre Gegner sind verbürgt, aber Manches bleibt doch im Dunkeln. Dass eine Frau über eine Grafschaft herrschte, dass sie dabei auch noch erfolgreich war und sogar eine Burg baute, war zu dieser Zeit etwas ganz Unerhörtes.
Man fragt sich wirklich, wie so etwas überhaupt möglich war. Marita Spang ist es gelungen, darauf eine befriedigende Antwort zu geben. Die Entscheidung, die Lorettas Schwiegervater diesbezüglich trifft, klingt einleuchtend und nachvollziehbar und könnte durchaus so gewesen sein.
Die Autorin lässt den Leser aber nicht nur an den spannenden äußeren Ereignissen, sondern auch unmittelbar an Lorettas Empfindungen teilhaben, indem sie deren  Gedanken, Zweifel und Emotionen sehr sensibel und glaubwürdig in Worte fasst - die im Buch kursiv gedruckt hervorgehoben sind – und dadurch Mitgefühl, Verständnis und Bewunderung für sie erweckt. Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt sie Lorettas Entwicklung zu einer starken und unabhängigen Frau.  Als sie sich von Balduin betrogen sieht, ist sie zwar enttäuscht, aber sie reagiert nicht hilflos, sondern mit Mut und Verstand und schlägt ihn letztendlich mit seinen eigenen Waffen.
Balduin von Luxemburg – Kurfürst und Erzbischof von Trier – war zu seiner Zeit ein mächtiger Mann, der tatsächlich ständig versucht hat, seinen Einflussbereich zu erweitern. Dass er dabei sogar dazu griff, seinen Gegnern mit der Strafe der Exkommunikation zu drohen, zeugt von seiner Skrupellosigkeit, war aber damals ein oft gebrauchtes Druckmittel des Klerus, seine weltlichen Machtansprüche durchzusetzen. Priester waren zwar an den Zölibat gebunden, aber auch daran hielt sich von den hohen Herren kaum jemand. Also ist eine Liebesbeziehung des Erzbischofs, wie Marita Spang sie hier schildert, durchaus glaubhaft und vorstellbar.
Auch alle weiteren Charaktere sind sehr treffend und liebevoll gestaltet. Besonders überzeugend wirkt dabei, dass die Figuren sich immer im Einklang mit der geschilderten Zeit und der jeweiligen Situation gemäß verhalten. Es sind lebendige Menschen mit Stärken und Schwächen, für die der Leser Interesse, Teilnahme oder auch Abneigung entwickeln kann.


Aufmachung des Buches
Das Cover zeigt auf dunkelrotem Untergrund eine junge Frau in kostbarer Kleidung. Hinter ihr sind zwei Rundtürme und ein Stück der Wehrmauer von Burg Frauenburg zu erkennen, die dem Buch den Namen gegeben hat. Darüber prangen in großen Goldlettern der Titel und etwas kleiner in roten Buchstaben der Name der Autorin.
Auf eine Inhaltsübersicht folgen zwei Karten, die die beiden Sponheimer Grafschaften und das Kurfürstentum Trier, sowie deren Lage im Deutschen Reich und die Nähe zum Königreich Böhmen und dem Herzogtum Luxemburg verdeutlichen. Im Verzeichnis der handlungstragenden Figuren sind historische Personen mit einem * gekennzeichnet.
Zwischen dem Prolog von 1308 und dem Epilog von 1330 liegen 6 Teile mit 38 Kapiteln, die mit Datum und Ortsnamen versehen sind.
Ein Nachwort über „Wahrheit und Fiktion“ der Handlung, eine Quellenangabe und ein Glossar beschliessen das Buch.


Fazit
Die schönsten Geschichten schreibt das Leben. Man muss sie allerdings erst einmal finden und sie dann auch so zu Papier bringen, dass sich die Leser dafür interessieren und begeistern können.
Marita Spang verfügt über ein außergewöhnliches Erzähltalent,  mit dem sie auch in ihrem dritten historischen Roman  wieder voll und ganz überzeugt.
„Die Frauenburg“ gehört für mich zu den besten Büchern des Jahres 2016 - darum unbedingt lesen !


5 Sterne


Hinweise
„Die Frauenburg“ ist zunächst leider nur als eBook erhältlich. Das Taschenbuch soll zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen.

Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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