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Luxus für das Volk

In 9 Kapiteln stellt Karl-Wilhelm Weeber, ausgewiesener Experte für die römische Alltags- und Kulturgeschichte, die vielfältigen Spielformen der öffentlichen Prachtentfaltung im alten Rom vor. Rund 90 Abbildungen illustrieren diese ebenso anschauliche wie unterhaltsame Luxus-Geschichte. Damit knüpft Karl-Wilhelm Weeber an den erfolgreichen Band Luxus im alten Rom. Die Schwelgerei, das süße Gift ... an.

 

Luxus im alten Rom Die oeffentliche Pracht  Autor: Karl-Wilhelm Weeber
Verlag: Primus Verlag
Erschienen: 1. Oktober 2006
ISBN: 9783896782960
Seitenzahl: 192 Seiten


Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
Vom privaten zum öffentlichen Luxus – die Übergänge sind zuweilen fließend. Die Ausstattung der privaten Grabmäler (Band 1) findet im öffentlichen Raum statt und die Straßen müssen zumindest außerhalb der Städte von den Anliegern gesäubert und in Stand gehalten werden. Anders verhält es sich, wenn aus einem einstmals egalitären Bereich luxuria für die Oberschicht wird, wie Weeber an den Prachtlatrinen erläutert. Umgekehrt gehts aber auch – öffentliche Säulenhallen (z.B. Porticus Liviae), dem Flanieren und dem Kunstgenuss gewidmet, ermöglichen nun allen Römern, was ehemals auf den privaten Raum beschränkt war. An diesen Beispielen zeigt sich, dass eine klare Teilung in privat und öffentlich nicht immer möglich ist, dennoch überzeugt Weebers Gliederung der Kapitel:

  • publica magnificentia – Prachtentfaltung als Herrschaftskonzept
  • ludi – Spiele mit Wahnsinnsaufwand
  • spectacula – Prunkstätten der Massenunterhaltung
  • aquaeductus – Wunderwerke des Wasserbaus
  • thermae – Badepaläste für das Volk
  • latrinae – Prachttoiletten für edlere Bedürfnisse
  • ambulationes – Einladung zum Flanieren
  • marmora – Repräsentation in Stein
  • viae publicae – Lebensadern des Reiches

Während die private Prachtentfaltung stets kritisch gesehen wurde, vornehmlich von Angehörigen der römischen Oberschicht, gehörte es zum guten Ton, dass man sich als Sponsor in der Öffentlichkeit betätigte; der Erwartungsdruck von Seiten der Bevölkerung war hoch, die Konkurrenz der reichen Spender untereinander nicht minder. Weeber erklärt anschaulich, welche Funktion der öffentlichen Prachtentfaltung zukam und wie man damals dachte; "Brot und Spiele" wirkte in beide Richtungen. Möglichkeiten zum "Sponsoring" gab es viele – vom Straßenbau über die Wasserversorgung bis hin zum Tempelbau und der Veranstaltung von Circusspielen. Da durfte der Spender ganz seinen Neigungen nachgehen. Vieles davon ist heute noch sichtbar und funktionstüchtig: Der Trevi-Brunnen erhielt von römischer Zeit bis heute sein Wasser über den Aquädukt Aqua Virgo (Anmerkung: Stand 2006, in 2007 gabs einen Bauschaden). Das Pantheon oder das Kolosseum beeindrucken noch heute die Besucher, ganz so wie damals die Einwohner Roms. Diese konnten sich so, egal welchem Stand sie angehörten, als "Teil des mächtigsten Volkes der Welt" (Seite 136) empfinden. Wie wichtig die öffentliche Wohltätigkeit für den Zusammenhalt der Gesellschaft war, erkennt man auch daran, dass die Provinzstädte dem öffentlichen Luxus Roms nacheiferten - und sich nicht selten übernahmen. Manches scheint sich seit damals nicht geändert zu haben, jeder Kleinstadt ihre Therme.

Ganz wie in Band 1 gelingt es Weeber den Inhalt sachlich, kompetent und doch locker vorzutragen. Er bleibt dabei stets nah an den Quellen, wobei er eine Vorliebe für antike und moderne Satiriker nicht verleugnen kann; in einem der vielen separaten Kästen zitiert er z.B. aus "Das Leben des Brian". Die zahlreichen Fotos unterstützen wieder den Text, da sie aber in erster Linie Funktionsbauten abbilden, laden sie nur vereinzelt zum Betrachten ein. Zusammenfassend kann man feststellen, dass er seiner Zielgruppe (interessierte Laien) auch in diesem Band gerecht wird.


Aufmachung des Buches

Dieser Band ist dieses Mal orange eingebunden, mit einem Schutzumschlag, bei dessen Cover ebenfalls die Farbe Orange dominiert. Wieder ist die Ausstattung hochwertig: Fadenheftung, glattes, stabiles Papier. Leider gibt es einige Druckfehler, die aber den Lesefluss nicht hemmen. Der Anhang enthält die Anmerkungen, Literaturverzeichnis, das Abkürzungsverzeichnis und den Bildnachweis. Schade, dass auf ein Register verzichtet wurde.


Fazit
Eine überzeugende Darstellung, wie Rom durch Pracht- und Funktionsbauten im öffentlichen Raum seine Macht demonstrierte.


4 Sterne


Hinweise
Buch ist nur noch im Antiquariat oder bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erhältlich.

Backlist:
Band 1: Luxus im alten Rom: Die Schwelgerei, das süße Gift ... (Karl-Wilhelm Weeber)

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