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Peter Grant muss aufs Land. Wenn das mal gutgeht …

Obwohl Peter Grant sich schon unwohl fühlt, wenn er Londons Skyline auch nur eine paar Kilometer hinter sich lässt, wird er jetzt in die tiefste Provinz geschickt. Dort sind zwei Kinder unter möglicherweise magischen Umständen verschwunden. Weshalb unser Londoner Bobby und Zauberlehrling notgedrungen sein angestammtes Biotop für unbestimmte Zeit verlassen muss … Mit der Flusstochter Beverly Brooks zur Unterstützung begibt er sich mutig nach Westen, hinein ins ländliche England.

 

Fingerhut Sommer 

Originaltitel: Foxglove Summer
Autor: Ben Aaronovitch
Übersetzer: Christine Blum
Verlag: dtv
Erschienen: August 2015
ISBN: 978-3-423-21602-9
Seitenzahl: 414 Seiten


Die Grundidee der Handlung
Viel würde man der Zusammenfassung des Verlags nicht hinzufügen können, ohne der Geschichte vorweg zu greifen, daher belasse ich es bei der Inhaltsbeschreibung  von dtv. Der fünfte Band von Ben Aaronovitchs Kombination aus Magie und Polizeiarbeit ist in zwei Teile gegliedert: während der erste unmagisch und realitätsnah erzählt ist, kehrt der zweite zu dem Stil Aaronovitchs zurück, den der Leser kennen und lieben gelernt hat. Unterhaltsam sind sie beide und bilden erneut ein packendes Abenteuer für Peter Grant.


Stil und Sprache
Die Geschichte des fünften Bandes startet offen und setzt die Geschehnisse aus „Der böse Ort“ fast fließend fort. Vollständig aus der Sicht von Peter Grant erzählt, werden besonders im ersten Teil des Buches intensiv die polizeilichen Abläufe und Ermittlungsarbeiten bei Fällen vermisster Kinder beschrieben, zugleich arbeitet der Autor die Unterschiede zwischen der großstädtischen und ländlichen Polizeiarbeit aus. Grant steigt in diese Ermittlungen mit ein. Wie man es von Ben Aaronovitch kennt, sind die Handlungen schwungvoll und unterhaltsam erzählt, viel Action und offene Spannung wird zunächst jedoch nicht geboten. Vielmehr gibt es eine Art subtiler Bedrohungslage für die vermissten Mädchen, ohne dass die Hintergründe erkennbar wären.

Den bissig unterhaltsamen, britischen Humor, dem man in den ersten vier Bänden immer wieder begegnete, vermisst man hier im ersten Teil des Buches, der Grundtenor ist ernster geworden. Dies kann sowohl auf die Ereignisse zum Ende von Band 4, als auch auf das Thema – vermisste Kinder – zurückgeführt werden. Warum Ben Aaronovitchs Stil hier abweicht, ergibt sich für den Leser schließlich, und als der Knoten platzt, nimmt die typische Form des Autors wieder Fahrt auf, ebenso der „abstruse Scheiß“, dem sich Peter Grant und Beverly Brooks stellen müssen. Zugleich zieht die Spannung ordentlich an, was für knackige Action sorgt. Das Ende ist packend, faszinierend und doch nicht so richtig abgeschlossen, denn es bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet – die werden wohl erst im nächsten Abenteuer mit Peter Grant wieder aufgegriffen.

Neben seinem Faible für architektonische Details stellt Aaronovitch immer wieder die britische Landregion um bzw. in Herefordshire dar – im Gegensatz zu seinen Beschreibungen von Szenen, die in London spielen, ist es hier für Ortsunkundige deutlich schwieriger nachzuvollziehen, wie sich die vielen Dörfchen, Täler, Flüsse und andere topografischen Details geografisch anordnen. Da ist die Karte auf dem Buchcover keine schlechte Hilfe, auch wenn nicht alle Spielorte gut zu finden sind.


Figuren
Lesley May, die Peter Grant zum Ende von Band 4 angegriffen und verraten hat, spielt dieses mal nur eine untergeordnete, aber nicht weniger nebulöse Nebenrolle. Ähnlich mysteriöse Rollen spielen Hugh Oswald, ein ehemaliger Praktizierender und nun alter Mann, sowie seine Enkelin Melissa. Sehr viel intensiver – gleich in mehrerer Hinsicht – tritt Beverly Brooks, die Göttin eines der Londoner Flüsse, auf. Sie unterstützt Peter nicht nur auf einzigartige Weise in seinen Ermittlungen, sondern beide kommen sich auch endlich näher. Noch zu erwähnen ist Dominic Croft, ein Polizist des ländlichen Leominster, der zusammen mit Peter Grant ermittelt und dabei häufig in Erscheinung tritt.

Alle Hauptfiguren, ihre persönlichen Hintergründe und Empfindungen hat Ben Aaronovitch hervorragend ausgearbeitet, die Nebenfiguren sind ihrer Rolle angepasst und werden mal stärker charakterisiert oder bleiben - passend für Statisten - blasser.


Aufmachung des Buches
Die Gestaltung des Taschenbuches orientiert sich an den vorhergehenden Bänden, weicht aber mit der Darstellung der Karte – Herefordshire statt London – entsprechend ab. Verschiedene Symbole, am auffallendsten die Silhouette einer Fingerhut-Pflanze, mischen sich in die Karte ein. Der Buchtitel sowie der Namensschriftzug des Autors sind nach außen geprägt und mit Spotlack veredelt.


Fazit
Ein neues Abenteuer für Peter Grant, das ihn vor neue magische Herausforderungen stellt, aber auch zahlreiche Wendungen bereit hält. Ein wenig unbefriedigend ist das recht offene Ende, zugleich macht es sehr neugierig auf Band 6.


4 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de oder deinem Buchhändler vor Ort

Backlist:
Band 1: Die Flüsse von London
Band 2: Schwarzer Mond über Soho
Band 3: Ein Wispern unter Baker Street
Band 4: Der böse Ort

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