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Der junge, grüblerisch veranlagte Erlendur Sveinsson hat vor kurzem seine Tätigkeit als Streifenpolizist in Reykjavik aufgenommen. In den Nachtschichten lernt er die dunklen Seiten der isländischen Hauptstadt kennen: betrunkene Autofahrer, häusliche Gewalt, Einbrüche, Drogenhandel. Ihn bewegt das Schicksal der Randfiguren in der Gesellschaft. An einem Wochenende wird ein Obdachloser in einem Tümpel am Stadtrand ertrunken aufgefunden, und eine junge Frau verschwindet spurlos. Beide Fälle lassen Erlendur keine Ruhe. Er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln ...

 

 

Originaltitel: Reykjavikur naetur
Autor: Arnaldur Indriðason
Übersetzer: Coletta Bürling
Sprecher:  Walter Kreye
Verlag: Lübbe Audio
Erschienen: 12/2014
ISBN: 978-3785750094
Spieldauer: 304 Minuten, 4 CDs; gekürzte Lesung


Die Grundidee der Handlung
Dieser Fall ist der Beginn der Karriere von Erlendur Sveinsson, der damals noch bei der Verkehrspolizei arbeitet. Besonders die Nachtdienste fallen dem jungen Polizisten nicht leicht, sieht er doch hier alle dunklen Facetten der Gesellschaft. So auch in dieser Samstagnacht, in der alles beginnt. Erlendur und seine Kollegen werden zu einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt gerufen. Als sie bei der Adresse ankommen, deutet nichts darauf hin, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Nachdem die Zentrale die Richtigkeit der Adresse bestätigt hat und als Erlendurs Kollegen den Einsatz bereits beenden wollen, verschafft sich der misstrauische Erlendur durch eine List Zutritt zum Haus. Dort findet er die schwer misshandelte Frau, gerade noch rechtzeitig, um ihr das Leben zu retten. Als Erlendur den Ehemann wenig später vor dem Polizeirevier auf ein Taxi warten sieht, kreisen seine Gedanken plötzlich um einen ganz anderen Fall. Auch dort war Erlendur am Tatort gewesen. Ein Obdachloser war in einem Torfstich ertrunken. Sein Schicksal schien bei der Polizei niemanden so recht zu berühren. Unfall oder Selbstmord lautete die Antwort, in jedem Fall nichts für die Polizei und schon gar nicht für ihn vom Verkehrsdezernat. Doch Erlendur kannte den Ertrunkenen "Hannibal" und er war ihm etwas schuldig, erst Recht nachdem dieser ihm, wenige Wochen vor seinem Tod erzählt hatte, dass sein Keller angezündet worden war. Damals hatte Erlendur ihm nicht geglaubt, und jetzt war er tot. Erlendur beginnt zu ermitteln und begegnet dabei denen, die das Schicksal hart traf und denen, die dunkle Geheimnisse verbergen.

Der erste Fall von Erlendur Sveinsson ist ein guter Start. Bereits hier legt Arnaldur Indriðason die Eigenschaften des Kommissars an, die ihn über die gesamte Serie auszeichnen. Hartnäckigkeit, Gründlichkeit, aber auch Einfühlungsvermögen und Solidarität mit den Randfiguren der Gesellschaft. Seine Solidarität mit dem ums Leben gekommenen Obdachlosen Hannibal wirkt glaubhaft und echt. Die Kontraste innerhalb der isländischen Gesellschaft werden vorsichtig, aber doch deutlich skizziert. Die Zusammenhänge zwischen den Fällen ergeben sich oft durch winzige Details und sind dennoch stets schlüssig. Die Familienprobleme werden deutlich und zum Teil auch in krassen, deutlichen Bildern oder Dialogen geschildert, die aber an keiner Stelle deplatziert oder übertrieben wirken. Alle handelnden Personen sind schlüssig und auch in ihrer Emotionalität überzeugend. Gelungen!


Darstellung des Hörbuchs
Walter Kreye und Arnaldur Indriðason werden immer mehr zu einem Team. Die Stimme des Sprechers ist sanft, weich und warmherzig. Genauso, wie der Autor zu seinen Figuren steht. Egal, wie niedrig die soziale Stellung der Figuren sein mag, egal, wie dunkel ihre Geheimnisse oder auch nur die Gerüchte um ihre Existenz sein mögen, eines nimmt Arnaldur Indriðason ihnen nie. Die Würde und ihre Menschlichkeit. Das setzt auch Herr Kreye in der Lesung um. Sie wirkt stets würdevoll und ehrlich menschlich. Dass der junge Erlendur mit Ehrgeiz und Elan auch mal Grenzen überschreitet, oder auch mal an persönliche Grenzen des Erträglichen stößt, auch das vermittelt Herr Kreye wunderbar. An einigen Stellen wirken die Sprechpausen leider etwas irritierend, die wenigen Tempowechsel sind aber perfekt gesetzt. Mehr als einmal sind es gerade die Ruhe und Gelassenheit in der Stimme des Sprechers, die die Spannung in der Geschichte und die Abgründe der menschlichen Seele für den Hörer fast greifbar machen.


Aufmachung des Hörbuchs
Das Hörbuch wird in einem Papp-Schuber zum Aufklappen geliefert. Das Cover zeigt auf einem türkisen Untergrund, der an einen Sternenhimmel erinnert, ein Foto der angestrahlten Kirche Hallgrímurs, Islands größter und bekanntester Kirche in Reykjavik. Klappt man den Schuber auf, so sieht man zunächst große, farbige Portraitfotos von Autor und Sprecher, die etwa achtzig Prozent der Fläche einnehmen. Darunter finden sich kurze biografische Textpassagen. Klappt man den Schuber zu voller Breite auf, so finden sich die vier CDs, die die Grundfarbe und Musterung des Covers aufgreifen. Sprecher- und Autorenname, sowie Titel, CD-Nummer und Verlag sind in Silber aufgedruckt. Unterhalb der CDs finden sich die erforderlichen Angaben zum vorliegenden Hörbuch, zu seiner Produktion und schließlich Hinweise auf zwei weitere Hörbücher des Verlags.


Fazit
Gute, solide Krimikost aus Island, souverän gelesen von Walter Kreye. Für Fans der Serie macht das Hörbuch Spaß, für Einsteiger ist es ebenso gut geeignet, weil es Kommissar Erlendur "erklärt".


4 Sterne


Hinweise
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Backlist:

Fall 6: Kälteschlaf
Fall 7: Frevelopfer
Fall 8: Abgründe
Fall 9: Eiseskälte
Fall 10: Duell

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