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Murielle Rosseau 

Murielle Rousseau leitet gemeinsam mit Ulrike Plessow die Agentur für Pressearbeit BUCH CONTACT. Darüber hinaus verfasst Sie Kochbücher, wie das im Herbst letzten Jahres erschienene „La cuisine verte“. TV-Zuschauern ist sie bekannt aus der Sendung „Kaffee oder Tee“ des SWR. Zudem lehrt Frau Rousseau an den Universitäten Mannheim und Freiburg. Heute möchte ich sie zu ihrer Tätigkeit bei BUCH CONTACT befragen.


Liebe Frau Rousseau, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus: Wie würden Sie die Arbeit einer Agentur für Pressearbeit beschreiben?

Wir verstehen uns als Kontaktschmiede. Unsere Kontakte sind unser Kapital. Wir halten fortlaufend und persönlich Kontakt zu den Medien und betreuen die PR zu einzelnen Verlagstiteln oder kompletten Verlagsprogrammen, zu manchen Inhalten von Kulturinstitutionen, zu Ausstellungen von Museen, zu Buchpreisen oder zu kompletten Internationalen Buchmessen wie die London Book Fair, die Peking Cookbook Fair oder ähnliche. Wir betreuen also die PR nicht nur für Bücher, sondern für alle im Buchsortiment vertretenen Produkte und betreiben eben Kultur- und Veranstaltungs-PR im weitesten Sinne. Unser Sprachraum ist meist deutschsprachig (also neben Deutschland auch Schweiz und Österreich), doch mittlerweile werden wir auch viel gebucht für internationale Projekte. Wir sind übers Jahr verteilt in Paris, London, Peking und anderswo.


Wie kamen Sie dazu BUCH CONTACT zu gründen? Wurde es Ihnen quasi in die Wiege gelegt?

Gegründet habe ich BUCH CONTACT vor ca. 20 Jahren. Die Idee hatte ich, als ich noch – nach dem Studium der Lettres modernes, der Germanistik, Romanistik und Linguistik - angestellt in einem Verlag war und für die Presse & Öffentlichkeitsarbeit zuständig war. Diese Art der Dienstleistung gab es damals noch nicht – ich hatte mein „Feld“ gefunden. Der Start meiner Agentur, alleine und noch in Hamburg, war erfolgreich. Nun habe ich seit einer Weile eine Agentur-Partnerin, Ulrike Plessow, und BUCH CONTACT besteht außer uns beiden aus unserem Team, das sich engagiert für die Belange unserer Kunden und dies von unseren beiden Büros in Freiburg und in Berlin aus.


Welche Voraussetzungen muss man für Ihre Tätigkeit mitbringen? Gibt es eine vorgeschriebene Ausbildung, z.B. ein Studium? Haben auch QuereinsteigerInnen eine Chance?

Es gibt zwar mittlerweile PR-Studiengänge und -Schulen, das ist aber nicht unbedingt notwendig. Ein abgeschlossenes geisteswissenschaftliches Studium ist genügend. Es gibt auch Absolventen der Kulturmanagementlehrgänge, die einsteigen. Praktika in der Branche und im Bereich der Medien sind wichtige Voraussetzung. Ansonsten benötigt man gute kommunikative Fähigkeiten, eine aufgeschlossenes Wesen, Flexibilität, Reiselust und sprachliches Talent.


Ihr Angebot ist ziemlich umfangreich, und so ist es kein Wunder, dass Sie das nicht alles alleine stemmen können. Was macht Ihnen an Ihrer Tätigkeit am meisten Spaß und was mögen Sie weniger?

Spaß macht der Kontakt mit den Menschen hinter unseren Aufträgen, also den Lektoren, Autoren, Fotografen, mit den Museumsleuten, den Kuratoren, Illustratoren, Journalisten, Köchen (bei den Kochbüchern) usw. Die Kreativität, die wir oft benötigen, ist ein ebenfalls wichtiger Spaß-Faktor. All die verwalterischen Tätigkeiten, die ich sonst erledigen muss für die Führung der Agentur, sind weniger mein „Plaisir“. Aber das muss sein, dies teile ich mit meiner Agenturpartnerin und als Unternehmerin trägt man viel Verantwortung.


Sie haben den Buchmarkt ja immer im Auge und müssen schnell auf Trends reagieren; auch wenn es etwas abgedroschen klingt: Wie schätzen Sie die Entwicklung am eBook-Markt im Allgemeinen ein? Chance oder Totengräber des Buches wie man es kennt?

Das ist definitiv eine Chance. Und so wie das Fernsehen das Kino nicht getötet hat, die Hörbücher nicht die Bücher, wird es beim ebook auch nicht anders sein. Es verschiebt sich das Nutzungsverhalten, ja. In der Branche muss man flexibel darauf reagieren. Wir haben schon lange Strategien für die PR entwickelt, um auch diesem geänderten Verhalten gerecht zu werden.


Self-Publishing war ein großes Thema auf der letztjährigen Buchmesse in Frankfurt. Handelt es sich dabei nur um einen vorübergehenden Trend oder wird es sich neben den Verlagen etablieren?

Der Trend setzt sich fort – auch hier verlagert sich Einiges. An den USA beobachtet man die Entwicklung schon seit langem. Die Erfolgsstories von dort werden hier aber noch eine Weile auf sich warten lassen. Die „old european“ Länder sind traditionell im Buchbereich langsamer, konservativer, und so werden wir noch eine lange Weile ein Nebeneinander haben. Uns stört diese Entwicklung keineswegs, denn PR braucht man immer.


An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch ein paar eher private Fragen stellen. Finden Sie überhaupt noch die Zeit ein Buch zu lesen? Wenn ja, welches wäre das zur Zeit?

Ich lese immer viele Bücher parallel und schnell, oft noch im Manuskript-Stadium. Ich muss mich rasch in die Materien einarbeiten und es stapeln sich die Fahnen bei mir zu Hause. Doch nebenbei lese ich immer auch ein Buch privat – ich möchte unbedingt auch den privaten Lesegenuss pflegen. Momentan lese ich „Stoner“ und vertiefe mich in unzählige Kochbücher. Letztere sind eine meiner Leidenschaften – ich habe schon vier Kochbücher über die französische Küche geschrieben und schreibe gerade das nächste.


Haben Sie Lieblingsbücher - gerne auch eines aus Ihrer Kinderzeit?

Ich bin in Frankreich groß geworden, da waren die Klassiker unserer ständigen Begleiter. Ich liebe die Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts.


Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.

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