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Infinity Drake ist (fast) 13
und klein für sein Alter.
Sehr klein.
Infinity ist nur 9 Millimeter groß.
Zusammen mit einem dreiköpfigen Sondereinsatzteam und einem Apache-Kampfhubschrauber wurde er kleingeschrumpft, um die Welt vor der größten Katastrophe der Geschichte zu retten. Denn so merkwürdig es auch sein mag:
Nur ein winzigkleiner Held kann diese riesige Aufgabe lösen! 

 

Infinity Drake Scarlettis Soehne 

Originaltitel: Infinity Drake: The Sons of Scarlatti
Autor: John McNally
Übersetzer: Christian Dreller
Verlag: Loewe  Verlag
Erschienen: 14. Januar 2015
ISBN: 978-3785580646
Seitenzahl: 448 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Infinity, kurz Finn, und sein Onkel Al nutzen einen Urlaub der Mutter/Oma, um mal eben (während der Schulzeit) ein bisschen in den Pyrenäen auszuspannen. Doch soweit kommen sie nicht, denn Al wird gebraucht; weltweiter Katastrophenalarm: Ein Scarlatti wurde freigesetzt. Dieser ist ein 75 mm großes, wespenähnliches Insekt, dessen Giftdrüsen einen tödlichen Pockenvirus-Stamm enthalten. Sollte ihm die Vermehrung gelingen, dann wäre er in der Lage, fast die gesamte Menschheit binnen Wochen auszurotten. Ehe man nun Surrey, wo sich der Scarlatti nun befindet, mit einer Atombombe plattmacht (damit soll das Insekt und seine Brut ausgelöscht werden) versucht man zunächst, der Gefahr mittels dem "Projekt Boldklub" zu begegnen – man schrumpft ein Einsatzteam auf 12 mm Größe und lässt es auf den Scarlatti los. Finn "schließt" sich dem Team unfreiwillig an.

Eine Mischung aus "James-Bond-Märchen" und „Liebling, ich hab die Kinder geschrumpft“,  die ich für gelungen halte, trotz der nun folgenden Kritik: Die Idee, die hinter dem Buch steht, ist nicht neu – Kinder retten die Welt – neu ist hier nur, dass sie dabei mit Erwachsenen zusammenarbeiten. Aber nicht irgendwelchen Erwachsenen, nein! Allesamt Genies oder Hochleister auf ihren Gebieten. Mit Ausnahme der Regierungschefs der Welt, denen muss man erklären, wie ein Wasserstoff-Atom aufgebaut ist. Sollte Frau Merkel als Physikerin eigentlich wissen. Aber wer weiß, vielleicht hat sie ja gerade an dem Tag gefehlt? Auch wenn dieses Beispiel etwas platt erscheint, die ganze Geschichte leidet darunter, dass Fakten genannt werden, die aber dann, je nachdem, sehr großzügig ausgelegt (wenn man freundlich sein will) oder sehr schlampig umgesetzt (wenn man eher kritisch eingestellt ist) werden. Vieles wird einfach nicht richtig zu Ende gedacht. Um nicht zu spoilern, fällt es mir schwer, ein gutes Beispiel zu bringen, daher gehe ich auf das Pockenvirus selbst ein. Dem Wikipedia-Artikel kann man folgendes entnehmen: "Pocken können direkt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion beim Husten übertragen werden. Daneben kann die Ansteckung auch durch Einatmen von Staub erfolgen, der z. B. beim Ausschütteln von Kleidung oder Decken von Pockenkranken entsteht." Warum schnell von Mensch zu Mensch, wenns auch umständlich über den Scarlatti geht? 


Stil und Sprache
Sprachlich gibt es nichts zu meckern. Das Buch lässt sich flott weglesen. Die Dialoge stimmen, manchmal sind sie gewürzt mit etwas Ironie oder Humor. Der Autor verschränkt etliche Handlungsstränge ineinander, so dass man als Leser immer viel mehr weiß als die handelnden Figuren; erzählt wird hauptsächlich aus Sicht von Finn, Commander King, dem Scarlatti und Kaparis. Die letzten beiden Handlungsstränge werden durch Fettdruck (Scarlatti) und Kursivdruck (Kaparis) deutlich gemacht. Es fällt auf, dass sich der Autor auch Comic-Elementen à la "Krach, Bumm, Würg" bedient. Zunächst gefiel mir dies, aber auf Dauer langweilt es dann doch. Auch schießt McNally, um die Erzählung dynamisch zu gestalten, ab und zu übers Ziel hinaus: Eine Maus, die einen Regenwurm frisst, wird als ihren „Blutdurst stillend“ (Seite 253) bezeichnet. Gut fand ich, dass der Autor ansonsten sehr schön herausarbeitet, was es heißt, plötzlich nur noch 12 mm groß zu sein, so dass bereits „rote Ameisen“ als Bedrohung wahrgenommen werden müssen.

Nach zunächst bedächtigem Auftakt, indem viel unnötig erklärt wird, nimmt die Geschichte Fahrt auf und ist so spannend und action-geladen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Als Erwachsener darf man sich aber an den Ungereimtheiten (s.o.) nicht stören, sonst wird das Lesen zur Qual. Die Schwenks zu den verschiedenen Handlungssträngen erlauben zwar ein gewisses Atemschöpfen, wenns gerade beim Einsatzteam hoch hergeht, aber andererseits könnten sie für jüngere Leser die Spannung auch ins Unermessliche steigern. Nicht so geeignet für das Lesen unter der Bettdecke. Nach dem Showdown folgt dann lobenswerterweise noch ein Kapitel, das die Geschichte ruhig ausklingen lässt. 


Figuren
Alle Figuren, sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren, sind erstaunlich gut ausgearbeitet. Allerdings nicht völlig klischeefrei, z.B. ist Oma sehr, sehr fürsorglich und überbehütend und der Schurke Kaparis natürlich verrückt, aber andere Klischees werden vermieden. Finn ist höchstbegabt und sportlich fit. Meist schließt in Jugendbüchern das eine ja das andere aus. Wobei der Autor es mit der körperlichen Fitness etwas übertreibt, der Zwölfjährige kann locker mit den trainierten Elitesoldaten mithalten. Finn und seinen Onkel Al mag man sofort, obwohl oder gerade weil Letzterer für seinen Neffen eher einen Kumpel darstellt als einen Ersatzvater. Dessen Verantwortungsbewusstsein ist noch nicht so ausgeprägt, wie es man es bei einem 35-jährigen eigentlich erwarten könnte. Im Gegensatz dazu steht Delta (24 Jahre alt), Pilotin und Mitglied des Einsatzteams, die sich sehr für ihre jüngere Schwester verantwortlich fühlt, vielleicht zu sehr. Diese Eltern-Kind-Thematik mit ihrer schlichten Aussage – Eltern lieben ihre Kinder, so dass sie alles (!) für sie tun würden – zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Auch die Scarlattis, es gibt zwei davon, den Alpha- und den Beta-Scarlatti, agieren passend zu dieser Aussage. Sie tun tatsächlich alles für ihre Brut. Hergestellt als Bio-Waffe in Zeiten des Kalten Krieges gehorchen sie in erster Linie ihrem Instinkt, sich zu vermehren und den Schwarm (die Brut) zu beschützen. Am Beta-Scarlatti wird aber deutlich, dass dieser über eine gewisse Intelligenz verfügt, und man erkennt, was für eine missbrauchte und somit tragische Kreatur er ist. Verantwortlich hierfür zeichnet aber diesmal nicht der Schurke der Geschichte, sondern die sogenannten "Guten". Diesen Hintergrund erkennt man aber erst, wenn man etwas Abstand zur Geschichte bekommt. Solange man atemlos durch die Erzählung jagt, fällt einem dieses unterschwellige Thema (Was darf Wissenschaft?) nicht auf. Fragt sich, ob die Zielgruppe dazu in der Lage ist. 


Aufmachung des Buches
Bei dem gebundenen, Faden geheftetem Buch gibt es nur zwei Farben – Schwarz und Gelb - entsprechend der Wespen-Ähnlichkeit des Scarlattis. Gelb-Schwarz signalisiert immer Gefahr und das Cover des Schutzumschlags unterstreicht dies noch. Der übergroße Scarlatti scheint gerade zustechen zu wollen. Eine Schattenfigur in Heldenpose steht auf den Buchstaben des Titels, im Hintergrund ein Blitz, der in einer Explosion endet. Der Titel selbst wird ebenfalls von feinen Blitzlinien durchzogen – dynamischer und dramatischer gehts kaum noch. Der "Schattenheld" schmückt auch jede 2. Seite unten. Hier finden sich auch diverse Fußnoten, die man aber nicht unbedingt lesen muss, um dem Inhalt folgen zu können. Des Öfteren wirken sie sogar deplatziert; in einem Nachwort hätten sie einen angemesseneren Platz gefunden, ebenso wie die langwierigen physikalischen und technischen Erklärungen zu Beginn der Geschichte. Und an dieser Stelle hätte der Autor auch erklären können, welche dichterischen Freiheiten er sich genommen hat; das Buch wäre runder geworden.


Fazit
Super spannend und action-reich, aber man muss schon sein Hirn ausschalten, um das Buch wirklich genießen zu können.


4 Sterne


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