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Das ehemalige Fischerdorf Egirsholm wird von unerklärlichen Todesfällen heimgesucht. Menschen ertrinken unter ungeklärten Umständen – weit weg vom Wasser. Die Explosion einer Seemine erschüttert die Küste. Und ein dunkler Schatten huscht durch die Kanäle und Priele. Durch Zufall gerät Berufstaucher Jens Ahrens in einen Strudel aus Vertuschungen, Mythen und menschlichem Größenwahn. Etwas Bösartiges regt sich unter der Wasseroberfläche.

 

Aquarius 

Autor: Thomas Finn
Verlag: Piper
Erschienen: Oktober 2014
ISBN: 978-3492703376
Seitenzahl: 406 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Als die Seemine unerwartet hoch geht, denkt der Berufstaucher Jens eigentlich, dass seine letzte Stunde geschlagen hat. Stattdessen wacht er unvermittelt an einem einsamen Strand wieder auf – nur um von einer Fremden niedergeschlagen zu werden. Ein Ereignis jagt das nächste und plötzlich ist er mitten in einen uralten Mythos verstrickt, der seit Jahrhunderten Opfer fordert und nun auf den finalen Kampf zusteuert …

Thomas Finn hat mit „Aquarius“ einen fantastischen Thriller vorgelegt, der so nah an der Wirklichkeit gebaut ist, dass man meint, die düstere Nordsee geradezu spüren zu können. Gleichzeitig steckt sein Roman voller überraschender Wendungen, voller Mythos und Gefahr – also alles, was ein perfekter Urban Fantasy Thriller braucht, um großartiges Lesevergnügen zu garantieren.


Stil und Sprache
Mit Ausnahme von Prolog und Epilog folgen wir Jens Ahrens durch die Handlung, denn aus seiner Sicht wird diese in der dritten Person erzählt. Da der Berufstaucher durch puren Zufall in das Komplott an der Nordsee verwickelt wird, stolpert er mit dem Leser gemeinsam völlig unbedarft von einem Mythos in den nächsten. Erst mit ihm zusammen löst man die uralten Rätsel und kann doch bis zum finalen Kampf nicht alle Zusammenhänge durchschauen. Die Spannung wird dabei von der dramatischen Szene im Prolog bis zur Schlussszene beinahe gleichbleibend extrem hoch gehalten. Im nebligen Nordsee-Küstenland bleibt die bedrohliche Grundstimmung selbst bei den heiteren Szenen immer vorhanden und gerade, wenn die Hauptfiguren sich ein wenig entspannen, schleicht die nächste Gefahr sich meistens schon an. Dadurch kann man das Buch praktisch von Beginn an nicht mehr aus der Hand legen – großartig!

Die Lösung all der Rätsel wurde sehr glaubwürdig aufgebaut und auch das Einbauen der mythologisch–fantastischen Elemente ist Thomas Finn ausgezeichnet gelungen. Lediglich zwei der Bösen fand ich ein bisschen leicht zu enttarnen und zum Ende habe ich kurzfristig ein wenig den Überblick verloren, wer nun eigentlich mit wem bzw. gegen wen arbeitet. Aber das sind winzige Kritikpunkte im Vergleich zum herausragenden Gesamtplot, der mir einige hochspannende Lesestunden beschert hat. Zwischendurch fragt man sich allerdings doch manchmal, ob all die Leichen, die links und rechts den Weg von Jens Ahrens pflastern, eigentlich niemandem außer den direkt Beteiligten auffallen.

Der Schreibstil von Thomas Finn hat mir wieder sehr gut gefallen. Diesmal wählt er einen dem Thema angemessenen deutlich ernsteren Tonfall als in „Schwarze Tränen“ und ich war positiv überrascht, dass er diesen auch perfekt beherrscht. Insbesondere seine unglaublich atmosphärische Beschreibung der Gefahr durch das Wasser hat mich von Beginn an mitgerissen und trägt einen großen Teil zur Spannung des Buches bei. Auch die fantastischen Wesen fängt er genau zwischen grausam und schön ein, sodass man am Ende des Buches sowohl die Angst vor ihnen als auch die Faszination durch sie nachvollziehen kann.


Figuren
Jens Ahrens wurde als Kind von seinen Eltern an der Nordseeküste ausgesetzt und ist vom Meer seitdem nicht mehr losgekommen. Als Berufstaucher ist es sein Arbeitsumfeld und zugleich seine Leidenschaft, doch in “Aquarius“ lernt er es auf eine völlig neue Art kennen. Dabei kommt er ausgesprochen stark und sympathisch rüber. Dass er niemals aufgibt, imponiert von Beginn an und gleichzeitig wirkt er nie unbesiegbar genug, dass es langweilig werden würde. Bei all den Schlägen und Beinahe-Toden, die er einstecken muss, fragt man sich aber schon irgendwann, wie er das noch alles heil übersteht und trotzdem unvermindert weiter kämpft.

Meike, die Polizistin, die seine Nachforschungen unterstützt, hab ich von Beginn an ins Herz geschlossen. Ebenso wie Jens weiß sie einfach nicht, wann man vernünftigerweise aufgeben sollte und kämpft deswegen immer weiter und weiter. Dabei kommt sie nie verbissen rüber, sondern immer nur sympathisch-engagiert.

Bei den vielen Nebencharakteren bleibt lange unklar, wer auf wessen Seite steht und wie sie alle in den Fall verstrickt sind. Bei einigen errät man recht schnell, dass sie mehr verbergen als sie preis geben, bei anderen wird man im Laufe der Handlung überrascht und sieht erst rückblickend alle Hinweise.


Aufmachung des Buches
„Aquarius“ erschien als broschiertes Buch und hat ein wunderbar atmosphärisches Cover. Dieses ist in weiß und blau gehalten und zeigt neben dem Titel ein düsteres Wellenbild, auf dem nicht nur ein Leuchtturm, sondern auch eine gruselig gestaltete Frau, eventuell eines der düsteren Wasserwesen des Buches, zu sehen ist. Dieses Cover greift die Stimmung des Buches perfekt auf und gefällt mir wirklich ausgesprochen gut.


Fazit
Bei Thomas Finn erwarte ich grundsätzlich beste Unterhaltung und Hochspannung – und auch „Aquarius“ hat mich da absolut nicht enttäuscht. Diese Neuauflage der bekannten Sirenen-Sagen bietet die perfekte Verbindung aus alten Sagengestalten, interessanten Charakteren und einem atmosphärischen Schreibstil, der die neblige Stimmung an der Nordsee zu Hause aufs Sofa holt. Unbedingt lesen!


4 5 Sterne


Hinweise
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