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Flora hat den Mann fürs Leben schon längst gefunden. Seit acht Jahren ist sie glücklich mit Fin zusammen. Doch dann, an einem Sonntag im Oktober, verschwindet er plötzlich spurlos. Flora ist am Boden zerstört, aber das Leben geht weiter, und nach drei Jahren ist sie bereit, sich wieder auf eine neue Beziehung einzulassen. Umso schockierter ist sie, als Fin ihr plötzlich im Supermarkt gegenübersteht. Verzweifelt versucht er Flora zurückzugewinnen, behauptet, er sei ein neuer Mensch. Doch hat ihre Liebe wirklich eine zweite Chance?

 

An einem Sonntag im Oktober 

Originaltitel: When you walked back into my life
Autor: Hilary Boyd
Übersetzer: Sonja Hauser
Verlag: Goldmann
Erschienen: 15.09.2014
ISBN: 978-3442481002
Seitenzahl: 352 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Flora ist Ende 30 und wünscht sich ein Kind von ihrem langjährigen Partner Fin, der aber bei der so gesetzten Pistole auf der Brust an einem Sonntag die Flucht in seine heiß geliebten Berge ergreift und drei Jahre ohne ein Wort der Erklärung untertaucht. Diese Ungewissheit stürzt die gelernte Krankenschwester in ein tiefes Loch aus schwermütigen Gedanken, das sie nur mühsam mit der Hilfe ihrer Schwester Prue verlassen kann. Als sie gerade für ihren Schützling, die pflegebedürftige Dorothea, Einkäufe erledigt, trifft sie dort ausgerechnet Fin, der nach einem schweren Sturz im Gelände bei den Londoner Ärzten Dauerpatient ist. Er wünscht sich nichts sehnlicher als einen Neuanfang und schwört, dass ihn der Schicksalsschlag geläutert hat, doch Flora bleibt verhalten und Prue bestärkt sie in den Zweifeln. Wie lang kann Flora seinem Charme widerstehen und hätte ihre Liebe eine zweite Chance überhaupt verdient? Die biologische Uhr für ein Baby ist jedenfalls fast abgelaufen ...

Hilary Boyd hat für meinen Geschmack hier keine romantische Liebesgeschichte zu Papier gebracht, sondern zwei Menschen in ihrer Midlife-Crisis beschrieben, die vollkommen unterschiedliche Erwartungen an eine Beziehung haben, aber dennoch nicht voneinander lassen wollen und somit eine ziemlich gedrückte Atmosphäre übermitteln.


Stil und Sprache
Der Schreibstil ist dagegen locker und optimal für ein paar schöne Lesestunden im Lieblingssessel. Streckenweise sind mir gehäuft Aufzählungen mit dem Bindewort „und“ aufgefallen, die man sicherlich eleganter verfassen könnte, aber zum fairen Bewerten müsste der Originaltext zum Vergleich gewählt werden. Etwas gestelzt wurde es zum Schluss zudem bei den Dialogen von Flora und Dorotheas Arzt, der eine Art Seelentröster für sie darstellt, insgesamt aber recht blass blieb. Das sind aber zwei Ausnahmen, die vielleicht etwas streng aus dem sonst guten Kontext von Boyds Erzählstil gezogen wurden.

Die gestreuten Hinweise auf die folgenden Abläufe in Floras Leben sind für mein Empfinden gleichwohl nicht subtil genug, sodass ich schon viel zu früh erahnen konnte, was die Autorin uns mit einer eigentlich harmlosen Randbemerkung sagen wollte – zum Leidwesen der Spannung. Dass es auch anders geht, beweist die Britin bei dem Nebenstrang um die schwächer werdende Dotty, die nicht nur eine offenkundige Abneigung gegen eine Nachtpflegerin ausbrütet, sondern auch noch von ihrem Neffen auf hinterhältige Art betrogen wird. Das Mitfiebern fiel mir hier eindeutig leichter, als beim Fokus rund um das erneute Aufflackern von Floras Gefühlen für Fin. Richtig ernst nehmen, konnte ich die beiden sowieso nicht, weil Hilary Boyd ihnen wenigstens gefühlt keinerlei Chancen zum Gelingen einräumt. Man merkt als Leser einfach, dass es nicht auf ein Happy End zwischen den komplett verschiedenen Figuren hinauslaufen wird, umso ärgerlicher war ich, als dann tatsächlich noch ein kleines Wunder geschieht, was zu dem Zeitpunkt jedoch mehr einem Drama gleicht und die endgültige Talfahrt anzettelt.

Ein paar Beschreibungen der Natur, beispielsweise von Schottland, wo es Fin und Flora für einen Kurzurlaub hinzieht, wären nette Lückenfüller gewesen, da buntes Laub und die sich verändernde Natur in Vorbereitung auf den Winterschlaf Potenzial für Metaphern bieten.


Figuren
Flora wäre im Grunde eine ziemlich angenehme Protagonistin gewesen, weil sie recht unkompliziert ist und sich im Leben mit verhältnismäßig wenig Geld begnügt, solange ausreichend Luft und Liebe zur Verfügung steht. Genau dort liegt aber auch der Knackpunkt bei ihrem Charakter, weil sie dadurch eine extreme Abhängigkeit zu ihrem Partner aufbaut und das eigene Bauchgefühl für ihre Bedürfnisse ausschaltet, was sie sehr blauäugig und unmündig wirken lässt. Natürlich wäre mir eine taffe Feministin nicht unbedingt lieber gewesen, aber Flora lässt sich beinahe von allen herumschubsen und macht dazu noch ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter – die positive Attitüde ist damals anscheinend im Oktober vom Wind fortgetragen und durch wahnsinnige Angst vor der Einsamkeit ersetzt worden.
Fin dagegen strotzt vor Tatendrang und tankt, bemuttert von Flora, nach seinem Tiefpunkt in Form des heftigen Unfalls wieder Energie um wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen, die er doch vorgeblich ablegt hat. Warum sollte ein Mann sich allerdings ändern, wenn er nach dreijährigem Abtauchen wieder relativ problemlos aufgenommen wird? Sein Lotterdasein bei Flora in der Wohnung ist also nur eine logische Konsequenz aus ihrem fehlenden Durchsetzungsvermögen, dabei erinnert Fin in dieser Position an ein verzogenes Einzelkind, was einfach nicht bei seiner Übermutter ausziehen möchte, weil es so bequem ist und keineswegs an ein Liebespaar.

Floras Schwester Prue ist eine Weile wie die menschgewordene Gutherzigkeit, da sie Flora für einen symbolischen Mietpreis im Souterrain wohnen lässt und alle schädlichen Einflüsse von ihr fernhält. Im weiteren Verlauf bröckelt diese uneigennützige Hilfsbereitschaft und lässt ein kleines Biest zum Vorschein kommen.

Die stärkste Frau in dem Roman ist eindeutig die 93-jährige Dorothea, die von Flora gepflegt und ab und zu zwar von Demenzattacken gebeutelt wird, aber in klaren Momenten dafür umso schärfer die Ereignisse durchschauen kann und wirklich wundervoll charakterisiert wurde.


Aufmachung des Buches
Das Cover ist für einen Roman, der hauptsächlich im Oktober spielt wunderschön gezeichnet und stimmt auf einen gemütlichen Spaziergang in der dritten Jahreszeit ein. Obwohl zum Gemütszustand der Protagonistin eher ein matschiger und grauer Blätterhaufen passender wäre. Die jeweiligen Kapitel sind durchnummeriert und zusätzlich noch mit dem Datum im Handlungsverlauf versehen.

Fazit
Als Leser merkt man leider schon früh, dass die Autorin Flora und Fin keine Chance geben möchte, wodurch die Freude über das kleine Wunder arg gedrückt wird und die Laune einen depressiven Abwärtstrend einschlägt, bis sie am Schluss noch knapp die Kurve bekommt.


3 5 Sterne


Hinweise
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