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Als der Ermittler Faris Iskander ein Video erhält, in dem ein Mann ans Kreuz geschlagen wird, ahnt er nicht, dass dies der Beginn eines wahren Albtraums ist. Denn ihm bleiben nur 40 Stunden, um das Opfer zu finden. Wenn er scheitert, wird der Täter überall in der Stadt Bomben zünden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt! Da findet Faris plötzlich eine Verbindung zu einem früheren Fall – und erkennt, dass der Täter ihm näher ist, als er es jemals für möglich gehalten hätte …

 

40 Stunden 

Autor: Kathrin Lange
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 01/2014
ISBN: 978-3-442-38129-6
Seitenzahl: 414 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Faris Iskander erhält einen Anruf, der ihm buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht. Ab dem Moment befindet er sich in einer emotionalen Achterbahn, die eine explosive Katastrophe nach der anderen für ihn bereithält. Ein unbekannter Bombenleger versetzt Berlin in Angst und Schrecken, und beschert Faris das zweifelhafte Vergnügen mit seiner Vorgesetzten, denn eigentlich ist er seit geraumer Zeit suspendiert. Doch so wenig es seiner Chefin auch passt, das Team der SERV ist auf Faris angewiesen, will der Unbekannte doch nur mit ihm sprechen. Für Faris und seine Kollegen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, haben sie doch nur 40 Stunden und keinen Hinweis darauf, wo sich die Bombe befindet. Stück für Stück wird Faris klar, was sich hier abspielt und wer der Verantwortliche für all die Toten ist – eine Erkenntnis, die ihm alles andere als schmeckt und für unglaublichen Zorn in ihm sorgt.

In teilweise sehr bedrückendem und nachdenklichem Tonfall hat Kathrin Lange 40 Stunden in Szene gesetzt.


Stil und Sprache
Die auktoriale Erzählperspektive bildet hier die Basis für drei Handlungsstränge, von denen zwei sich immer wieder kreuzen – ehe am Ende alle drei zusammen kommen. Kathrin Langes Schreib- und Wortstil ist hauptsächlich dezent, auch wenn die Sprache der einzelnen Figuren an so mancher Stelle sehr derb und direkt ist, was aber hervorragend zur Handlung passt.

Extreme Religiosität, von Fachleuten „evangelikal“ (also die Bibel wörtlich nehmen) genannt, bildet hier den Hintergrund für eine emotional sehr aufwühlende und packende Geschichte. Einzelne Bibelstellen spielen hier eine genauso große Rolle, wie die Figuren selbst. Manchmal rasche und dann wieder etwas längere Szenenwechsel erzeugen einen Spannungsbogen, der es ziemlich in sich hat. An Blut, Körperteilen und Schreckensmomenten wird dabei nicht gespart.

40 Stunden ist in drei Teile gegliedert, die immer einen gewissen Zeitabschnitt beschreiben. Je näher Faris und seine Kollegen der Lösung, und damit dem Ende des Thrillers kommen, desto kürzer und – im Grunde auch knapper – werden die einzelnen Kapitel. Kathrin Lange zeigt in diesem Thriller einen Einfallsreichtum – sowohl was Gegenstände als auch die Handlung selbst angeht -, der voller Wendungen steckt. Dabei gibt sie immer wieder kleine Hinweise, die so nach und nach für ein etwas perfides (im Hinblick auf das Ende des Thrillers gesehen) Gesamtbild sorgen, das es durchaus in sich hat und gekonnt mit der menschlichen Psyche spielt.


Figuren
Kathrin Langes Spezialität sind anscheinend Figuren wie du und ich. Tiefgründig, voller Überraschungen (guten wie schlechten) und herrlich dreidimensional – so präsentiert sie beide Seiten, also Gut und Böse, aber auch Haupt- und Nebenfiguren. Ihre Beschreibungen sind auf den Punkt und so entsteht ein kompaktes Bild der unterschiedlichen Eigenschaften. Auch wenn der Leser nur das Nötigste über die Figuren, allen voran Faris Iskander, erfährt, so reicht es doch aus, um sich ein überzeugendes Bild zu machen.

Faris Iskander, Kriminaloberkommissar und Ermittler bei der SERV, ist ein schwer gebeutelter Mann, der in diesem Thriller so einiges aushalten und ertragen muss. Man könnte meinen, hier einen gebrochenen Helden vor sich zu haben, wäre da nicht seine Leidenschaft und sein Instinkt. Mit diesen beiden Attributen geht er seiner Arbeit nach, die er oft nicht nur mit ungewöhnlichen Mitteln erledigt, sondern oftmals auch sehr hart an der Grenze des Erlaubten. Statt sich ins Bett zu legen und seine Kollegen schuften zu lassen, verlangt er seinem geschundenen und lädierten Körper bis zur Erschöpfung so einiges ab. Täglich mit den Vorurteilen seiner Umwelt, aufgrund seines arabischen Aussehens, konfrontiert, hat er es nicht immer leicht, seine Arbeit störungsfrei zu erledigen. Sein Privatleben liegt in Schutt und Asche und wird durch seinen Beruf nicht einfacher. Etwas, das dem Leser immer wieder, auf die eine oder andere Weise, gezeigt wird.

Niklas Hesse ist eine etwas grenzwertige Figur. Einerseits hat er ein paar doch recht aufschlussreiche Szenen, ziemlich zu Beginn des Thrillers, doch dann verschwindet er praktisch spurlos und wird von der Autorin auch mit keinem Wort mehr erwähnt. Seine Beschreibung klingt einerseits nach alterndem Rocker, andererseits aber auch nach einem Mann, der zwar die Ausbildung zum Polizisten gemacht hat, dann aber nicht wirklich auf der Straße den Berufsalltag erlebte, sondern eher zu einer Art Schreibtischhengst mutierte. Seine Rolle in diesem Thriller ist mit so mancher Überraschung für den Leser gespickt und beweist einmal mehr, dass Undurchschaubarkeit durchaus ihre Reize haben kann.


Aufmachung des Buches
Mir liegt der Titel als Klappenbroschur vor. Dieses ist optisch eher nüchtern gehalten und wirkt wie altes Pergamentpapier, das an den Rändern leicht angesengt und mit Blut beschmiert ist. Sieht man genauer hin, erkennt man, dass die abgebildete glänzende 40 einen Teil von Berlin zeigt – in unterschiedlichen Rottönen. Zwei Drähte vervollständigen die Aufmachung. Auf der Rückseite des Buches steht in wenigen Worten, wovon der Thriller handelt.


Fazit
Ein ungewöhnlicher und sehr intensiver Thriller, der für kurzweilige Unterhaltung sorgt und mit Spannung und technischer Raffinesse zu überzeugen weiß. Die Zweckentfremdung eines ganz besonderen Accessoires hat mich dabei besonders beeindruckt. Sehr lesenswert.


4 Sterne


Hinweise
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