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MAKROKOSMOS HONIGBIENE

Für das bisherige Erfolgskonzept der Honigbiene gibt es seit 40 Millionen Jahren einen ausschlaggebenden Faktor: Teamarbeit. Das perfekte Zusammenspiel von 60 000 Individuen bringt ein Meisterwerk der Evolution hervor: Apis mellifera. Und doch haben wir es heute mit einem erdumspannenden Bienensterben zu tun, das unmittelbar mit unserem Überleben verknüpft ist. Denn statistisch ist jeder dritte Bissen, der uns zwischen die Zähne kommt, das Ergebnis einer Bestäubung durch Bienen. Blütenstaub ist kostbarer als Goldstaub ...
Warum die Bienen sterben – und das, obwohl kaum ein Organismus dem ewigen Leben näher gekommen zu sein scheint als der Superorganismus Apis mellifera – erklärt der Wissenschaftsjournalist Claus-Peter Lieckfeld ("More than Honey") in diesem Buch. Die überwältigend schönen und präzisen Bilder des renommierten Fotografenpaars Heidi und Hans-Jürgen Koch (World Press Photo Award, Deutscher Preis für Wissenschaftsfotographie, Dr.-Erich-Salomon-Preis u.a.) lassen den Betrachter abtauchen in die fantastische Realwelt des (Makro-)Kosmos Honigbiene. 

 

Makrokosmos Honigbiene 

Autor: Claus-Peter Lieckfeld
Verlag: Dölling u. Galitz Verlag
Erschienen: 1. November 2013
ISBN: 978-3862180578
Seitenzahl: 80 Seiten

 
Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
Ich falle mal gleich mit der Tür ins Haus: was dieses Buch so wertvoll macht sind seine exzellenten Bilder! Die Fotografen Heidi und Hans-Jürgen Koch erlauben allen Interessierten einen atemberaubenden Blick hinter die Kulissen des Bienenstaates; sie lüften dabei viele Geheimnisse, die selbst Imker noch überraschen können. Bisher hab ich nichts vergleichbares gesehen; alleine deshalb lohnt sich der Kauf dieses Buches. Die Fotos unterstützen allerdings nicht grundsätzlich den Text, sondern stehen häufig für sich selbst. Was kein Fehler ist, sondern eher eine Stärke, da man sich so viel mehr auf Apis mellifera einlassen und seiner Faszination Raum geben kann.

Der Autor stellt dem Leser einerseits den "Bien" (Gesamtheit eines Bienenstaates) vor, der ein sehr komplexer Organismus ist, und so wie er ihn beschreibt, eigentlich unsterblich. Er nimmt den Leser mit ins Innere dieses Organismus', erklärt, wie er funktioniert, und die Anatomie seiner Einzelwesen; ebenso welche speziellen Funktionen sie von Geburt bis zum Tod übernehmen. Darüber hinaus gewährt er noch einen kurzen Einblick in die aktuelle Forschung.
Lieckfeld liefert kein dröges Sachbuch ab, sondern schreibt locker und gut verständlich, auch für Laien, zuweilen muss man sogar schmunzeln, ob der Vergleiche, die er zieht. Auch die aktuelle Bedrohungssituation wird von ihm angesprochen und er kritisiert nicht nur die industrielle Landwirtschaft und ihre Akteure, sondern nimmt auch die Imker in die Pflicht, die mehr an Hochleistungsbienen interessiert waren, denn an widerstandsfähigen. Dennoch – die Informationen sind zu wenig in die Tiefe gehend, und wer sich bereits etwas in die Materie eingelesen hat, erfährt nichts Neues und der Wikipedia-Artikel täte es auch. Darüber hinaus überschätzt er meiner Meinung nach die Bedeutung der Honigbiene für die Natur allgemein. Sie sind sehr wichtig für die Landwirtschaft, aber das alleine berechtigt nicht dazu die Bestäubungsleistung, die Wildbienen, Käfer und (Nacht-)Falter erbringen herabzuwürdigen. Ohne sie würden Wildpflanzen nicht bestäubt und z.B. viele Vogelarten schlichtweg verhungern. Die Sorgen um die Honigbienen sind berechtigt, aber vor einer allzu großzügigen Einengung der Problematik (Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft) auf Apis mellifera sollte man sich hüten. Und obwohl der Autor hier den Finger in die Wunde der Bauern und Verbraucher legt, kann er sich auch selbst nicht von dem Gedanken lösen, die Honigbienen alleine als Nutztier anzusehen. Und so hinterlässt der Text ein zwiespältiges Gefühl – interessiert uns Menschen der "Bien" an sich, oder nur noch als Produkt der "Massentierhaltung"? 


Aufmachung des Buches
Die Broschur ist ungewöhnlich groß, hat aber nur wenige Seiten. Das Papier ist stabil und griffig. Das Cover lässt bereits einen ersten Blick auf die detailreiche Fotos zu – im oberen Teil sind Bienen vor dem Nesteingang zu sehen, im unteren eine Arbeiterin, die ihren Kopf in eine Zelle steckt, vielleicht zum Putzen derselben. Die Fotos, die man nicht genug loben kann, sind in unterschiedlichen Größen in den Text eingefügt – von eher kleinformatig bis hin zu doppelseitig ist alles dabei.


Fazit
Wer sich für Bienen interessiert, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Alleine die Fotos sind mehr als 5 Sterne wert, da der Text aber zu oberflächlich, einseitig und zum Teil populistisch ist, kann ich nicht mehr als (gemittelte) 4 Sterne vergeben.


4 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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