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Klar sind Juden gerissen, meint Lena Gorelik, sonst hätten sie nicht überlebt. Sie gehört der neuen Generation von Juden in Deutschland an, die sich über ihre Zukunft, nicht über ihre Vergangenheit definieren wollen. Dazu passt, dass sie gerade Mutter geworden ist: In ihrem neuen Buch zeigt sie ihrem Sohn, wie man entspannt mit den üblichen Klischees umgeht. Sie erklärt ihm, warum er auf seine große Nase stolz sein kann und wie er es auf die Liste der zehn coolsten Juden der Welt schafft.

 

Lieber Mischa 

Autor: Lena Gorelik
Verlag: Graf
Erschienen: März 2011
ISBN: 978-3862200122
Seitenzahl: 185 Seiten


Die Idee, Stil und Sprache
Lena Gorelik wendet sich in der Anthologie „Lieber Mischa“ nicht an einen fremden Leser, sondern schreibt für ihren Sohn. Mit verschiedenen Anekdoten, Essays, Aufzählungen und Artikeln versucht sie ihm das jüdische (oder auch mal nicht allzu jüdische) Leben, in das er hinein geboren wurde, näher zu bringen und soweit möglich zu erklären. Dabei bindet sie nicht nur viele Informationen über das Judentum und seine heutigen Ausprägungen generell mit ein, sondern greift auf sehr humorvolle Art diverse Klischees mit auf. Lustig und leicht schildert sie diese Stereotypen und entlarvt damit – ohne erhobenen Zeigefinger in Richtung des Lesers – wie viele Denkweisen wir eigentlich noch von früheren Zeiten mit uns herumtragen, wo diese teilweise herkommen und dass sie oft genug rein gar nichts mit der Realität zu tun haben. So entschuldigt sie sich zum Beispiel bei ihrem Sohn, dass sie – trotzdem ja angeblich alle Juden reich sind – leider nicht zu viel Geld am Ende des Monats übrig haben, sondern eher mal zu wenig. Dass sie dabei zu keiner Zeit in eine bloße Anklage verfällt, sondern immer im lustig-leichten Tonfall bleibt, trägt einen großen Teil zur Lesbarkeit ihres Buches bei. Inhaltlich greift sie die unterschiedlichsten Themen auf, von ihrer Zeit in Israel bis zu den typischen jüdischen Müttern, und geht auch durchaus auf die schwere Vergangenheit der jüdischen Religionsgemeinschaft ein. Es wird jedoch schnell deutlich, dass sie diese nicht als definierend für sich selbst betrachtet, sondern lediglich als ein Thema, was den Umgang innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und mit der jüdischen Gemeinschaft beeinflusst. Grundsätzlich sind die gewählten Themen im Buch abwechslungsreich und für den Leser von der ersten bis zur letzten Seite interessant und durchaus unterhaltsam. Lediglich einige Wiederholungen fallen negativ auf, weil manche Klischees gefühlt in jedem Kapitel wieder aufgegriffen werden, aber die überliest man dann irgendwann einfach.

Der Schreibstil Lena Goreliks überzeugt während des gesamten Buches. Sie spielt mit den Worten ebenso wie sie auf ironisch-sarkastische Weise mit den Klischees über ihre Religion spielt. Ihre Sprache ist klar und kommt mit wenigen Fachbegriffen aus. Die wenigen, zumeist religiösen, erklärt sie direkt im Anschluss auf verständliche und oft witzige Art. Alles in allem lässt sich „Lieber Mischa“ von der ersten bis zur letzten sehr gut und abwechslungsreich lesen.

Ein besonderes Highlight sind die Kommentare, die in Form von Randnotizen den eigentlichen Text ergänzen. Diese sind meistens von noch mehr Ironie geprägt und lockern den Text wunderbar auf. Das gesamte Buch wird dadurch dynamischer, lediglich die manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbare Zuordnung der Randnotizen zu einzelnen Stellen im Text war ein wenig störend, weil dadurch der Lesefluss unterbrochen wurde.


Aufmachung des Buches
Das Cover der gebundenen Ausgabe von Lena Goreliks Buch wird auf jeden Fall nicht so einfach übersehen, denn trotz seiner recht schlichten zweifarbigen Gestaltung fällt es durch die wirren Linien sofort ins Auge. Der handschriftliche Stil vom Titel passt zur Grundidee der Sammlung – die sich ja von einer Mutter an ihren Sohn richtet. Wirklich hübsch finde ich das Cover nicht, aber doch irgendwie passend. Im Buchinneren fällt zuerst die Trennung in den eigentlichen Text und die Randnotizen auf, was gut gelungen ist und als kleines Extra in der ansonsten unauffälligen Gestaltung fungiert.


Fazit
„Lieber Mischa“ ist eine amüsante Sammlung von Texten über das jüdische Leben in der heutigen Zeit und sicher nicht nur für Lena Goreliks Sohn sehr interessant. Vor allem der locker-leichte, immer leicht ironische Tonfall der Autorin macht das Buch zu einer sehr angenehmen Lektüre und sorgt durchgängig für gute Unterhaltung.


3 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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