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Wenn Mann und Frau sich das Leben teilen, ist das ja schon schwierig. Aber wenn Mann und Frau sich auch noch ein und denselben Körper teilen müssen, dann ist das Chaos perfekt!
Die liebeskranke Rosa wird per Hypnose in ein früheres Leben versetzt, in den Körper eines Mannes, der sich gerade duelliert. Wir schreiben das Jahr 1594, und der Mann heißt William Shakespeare. Rosa darf erst wieder zurück in die Gegenwart, wenn sie herausgefunden hat, was die wahre Liebe ist. Keine einfache Aufgabe: Sie muss sich als Mann im London des 16. Jahrhunderts nicht nur mit liebestollen Verehrerinnen rumschlagen, sondern auch mit Shakespeare selber, der nicht begeistert ist, dass eine Frau seinen Körper kontrolliert. Und während sich die beiden in ihrem gemeinsamen Körper kabbeln, entwickelt sich zwischen ihnen die merkwürdigste Love-Story der Weltgeschichte.

 

Ploetzlich Shakespeare 

Autor: David Safier
Verlag: Kindler
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3463405537
Seitenzahl: 315 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe


Die Grundidee der Handlung
Rosa hat das Gefühl, die Hauptfigur in einem dieser schrecklich romantischen Hollywood-Filme zu sein, kurz vorm großen Finale: ihr Traummann will eine andere heiraten, während sie sich verzweifelt in ihrer Wohnung betrinkt und ahnt, dass jetzt nur noch eine ganz große Geste helfen kann. Leider endet diese mit einer unfreiwilligen Zahnbehandlung und einer ziemlichen Demütigung. Da klingt das Angebot eines Hypnotiseurs, sie in ihr früheres Leben zurück zu versetzen, gar nicht so schlecht, denn so könnte sie endlich lernen, was wahre Liebe ist. So wirklich glauben kann sie dem Scharlatan ja nicht … was sich schnell ändert, als sie sich tatsächlich in einem früheren Leben wiederfindet, und zwar dem von Shakespeare!

Die Grundidee eine Zeitreise auf diese verrückte Art einzubinden, gefällt mir großartig. Etwas Vergleichbares hat man noch nicht gelesen und zum Glück gelingt David Safier die Umsetzung seiner Idee gewohnt meisterhaft. So erhält der Leser genau das, was er von einem neuen Safier-Roman erwartet: beste Unterhaltung umrahmt von einer verrückten Idee, auf die man nie gekommen wäre, die aber irgendwie doch hervorragend funktioniert.


Stil und Sprache
Die Handlung wird in der ersten Person Singular erzählt, in wechselnden Perspektiven jeweils von Shakespeare und Rosa. Da Shakespeares Perspektive durch Kursivstellung hervorgehoben wird, behält der Leser auch bei kurzen Wechseln der Sichtweise immer den Überblick. Besonders diese Wechsel, beziehungsweise der dadurch entstehende Dialog zwischen den beiden Protagonisten, trägt viel zum Charme des Romans bei. Die Verbindung der beiden Zeiten und Persönlichkeiten ist sehr gut gelungen. Auch wenn David Safiers Darstellung von Shakespeares Zeit sicher nicht (und auch ganz bewusst gewollt) an einen historischen Roman heranreicht, hat er sie doch lebensnah beschrieben und nutzt die Gegensätze zur heutigen Zeit geschickt für viele Slapstick-ähnliche Situationen. Allein für den großartigen Humor lohnt sich also das Lesen des Romans, aber auch die Handlung an sich kann überzeugen.
Dadurch, dass Shakespeare in einige Staatsaffären hinein gezogen wird, stolpert Rosa von einer spannenden Situation in die nächste. Zusätzlich sorgen die Suche nach der wahren Liebe und die damit verbundene emotionale Entwicklung zusätzlich für Spannung beim Leser. So ist „Plötzlich Shakespeare“ zwar zu keiner Zeit ein Roman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, aber doch faszinierend genug, dass man ihn schnell und gerne auch in einem Rutsch liest. Das Ende kommt schließlich nicht ganz unerwartet, aber sehr passend, ein bisschen kitschig und alles in allem vollkommen zufriedenstellend.

Der Schreibstil von David Safier ist zweifellos noch ein Highlight seines Romans. Er verleiht sowohl Rosa als auch Shakespeare eine passende Stimme und arbeitet sich mit sehr viel Wortwitz durch die Handlung. Seine Beschreibungen sind immer sehr lebhaft und plastisch, so dass man sich schnell im England des 16. Jahrhunderts zurechtfindet und meint, den Gestank und das Umfeld selbst zu erleben. Besonders gut gelungen ist dann anschließend auch der veränderte Blick auf unsere eigenen Zeit und ihre Eigenheiten.


Figuren
David Safier ist dafür bekannt, dass er sich meisterhaft in seine weiblichen Hauptfiguren hinein versetzen kann - und das gelingt ihm auch bei Rosa. Mit ihrer chaotischen, leicht dramatischen Art schließt man sie sofort ins Herz und folgt ihr gerne durch die Handlung. Dass sie im Laufe eben dieser reift und viel über sich selbst und das Leben lernt, ist authentisch gelungen und lässt den Leser zusätzlich die Daumen für ein Happy End drücken.

William Shakespeare ist zweifellos eine der bekanntesten Schriftsteller aller Zeiten und doch gelingt David Safier ein völlig neuer Blick auf ihn. Der Shakespeare seiner Geschichte ist noch kein großes Genie, sondern ein Mann, der sich in eine ziemliche Katastrophe manövriert hat und derart mit den Schatten seiner Vergangenheit kämpft, dass er noch Meilen von seinen berühmten Stücken entfernt ist. Trotzdem damit sicher nicht der historische Shakespeare einwandfrei getroffen wurde, überzeugt diese Version bei weitem mehr und macht den Reiz des Romans aus. Irgendwann meint man gar, dass es genau so gewesen sein muss, und möchte gleichzeitig am liebsten kurz in die Handlung springen, um ihn ganz fest zu umarmen.

Die Nebencharaktere sind vielfältig ausgearbeitet. Besonders die verzerrten historischen Figuren sind für einige Lacher und Überraschungen gut. Da wir einen Großteil der Handlung im alten England verbringen, lernt man sie auch näher kennen als die Figuren der heutigen Zeit. Und wieder ist die Beschreibung von David Safier dabei so lebhaft, dass man bald überzeugt ist, dass all die skurrilen Details sich vielleicht doch genau so zugetragen haben.


Aufmachung des Buches
Rezensiert wurde hier die gebundene Ausgabe von „Plötzlich Shakespeare“ aus dem Kindler Verlag, es gibt mittlerweile jedoch auch schon verschiedene Taschenbuchausgaben. Das Cover zeigt dabei jeweils das gleiche Motiv: Rosa, die sich im Spiegel ansehen will und stattdessen Shakespeare erblickt. Die Zeichnung gibt einen perfekten Ausblick auf den späteren Inhalt, passt zum Stil der anderen Safier-Bücher und überzeugt gerade durch ihre Schlichtheit.


Fazit
Die Handlung von „Plötzlich Shakespeare“ bietet Raum für so viele lustige, verrückte und faszinierende Ideen, dass man sich als Leser zu keiner Zeit langweilt. Gekrönt durch sympathische Charaktere und einen sehr angenehmen Schreibstil entsteht so ein großartiges Buch, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut unterhält.


4 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

Buchtrailer:

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