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Wo eine Harke ist, ist auch ein Weg oder: Alles im grünen Bereich

Wer träumt nicht vom eigenen kleinen Garten Eden? Wladimir Kaminer fand ihn in einem Dorf vor den Toren Berlins.
Ihren Schrebergarten hatte seine Familie aufgeben müssen, da man ihre Freude an spontaner Vegetation nicht recht teilen wollte. Nun liegt ihr Paradies in Glücklitz – mit einem Häuschen am See, dem angeblich nördlichsten Weinberg der Welt und mit eigenwilligen Einwohnern, die bald mit den neuen Nachbarn Freundschaft schließen. Für Wladimir Kaminer entpuppt sich das Dorfleben als Abenteuer samt Torpedokäfern und Rettichbeeten, der Organisation einer "Russendisko" in der Dorfscheune, verschwiegenen Fischen, einem Wetter wie im Bermudadreieck – und natürlich jeder Menge Geschichten... 

 

Diesseits von Eden 

Autor: Wladimir Kaminer
Verlag: Manhattan Verlag
Erschienen: 12. August 2013
ISBN: 978-3442547173
Seitenzahl: 256 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe

 
Die Idee, Stil und Sprache
Nach dem Verlust des Schrebergartens aus "Mein Leben im Schrebergarten" musste ein neuer Garten her, damit Kaminer und seine Familie weiterhin ihrer Leidenschaft frönen können. Dieser wird in einem brandenburger Dorf namens Glücklitz gefunden. Da das Grundstück an einem See liegt, ergreift eine neue Leidenschaft von Kaminer Besitz: Das Angeln. Während seine Frau gärtnert, geht der Autor angeln und beschreibt seine Erlebnisse dabei. In diesem Buch scheint es daher einen neuen roten Faden zu geben, aber schnell merkt man, dass Kaminers eigentliches Thema der Garten Eden ist, wie es ja auch schon im Titel anklingt. Philosophisch nachdenklich konstatiert er, dass der eigentliche Garten Eden uns noch immer umgibt, wir aber den Blick darauf verloren haben.
In seinen Geschichten, die immer jeweils ein Kapitel umfassen und solch schöne Titel tragen wie „Die Nachsicht der brandenburgischen Barsche“, sucht und findet er immer wieder Beweise für seine These.
Die Erzählungen haben zum Teil anekdotischen, humoristischen Charakter, dokumentieren aber zum Beispiel auch den Bevölkerungsschwund in den brandenburgischen Dörfern. Wie bereits in seinen anderen Büchern kommentiert der Autor auch wieder die politische und gesellschaftliche Situation im heutigen Russland, dabei kritisiert er sowohl Putin, als auch die orthodoxe Kirche. War der Autor in seinen vorhergehenden Büchern in erster Linie analysierender Beobachter, so kommt hier sehr deutlich seine Sorge um die Menschen seines ehemaligen Heimatlandes zum Tragen. Deren Fatalismus würde Kaminer bei persönlichen Begegnungen gerne aufbrechen, was ihm aber nicht gelingt, zu tief steckt dieser  wohl in den Menschen drin.
Gewohnt humorvoll, wortgewandt und wortspielerisch erzählt er von seinen Erlebnissen im Hier und Jetzt und der ehemaligen Sowjetunion, und seine Meinung steht wie immer oft genug zwischen den Zeilen. Ungewohnt ist, dass er seine Ansichten zum heutigen Russland so unverblümt direkt äußert. Ein manchmal trauriges Buch in dem der Menschenfreund Kaminer sein Loblied auf die Freiheit und den Garten Eden singt.


Aufmachung des Buches
Das in hellem Grün eingebundene Buch verfügt über einen Schutzumschlag, dessen Cover den Autor mit geschultertem Spaten inmitten einer üppigen Vegetation zeigt. Seinen nach oben gerichteten Blick könnte man am ehesten als nachdenklich-schmunzelnd bezeichnen. Witzig finde ich, dass die Rückseite des Umschlags Kaminer in der gleichen Haltung von hinten abbildet. Das Inhaltsverzeichnis hilft einzelne Kapitel wie z.B. "Der geheime Handschuh" oder "Forellenpuff" schnell wiederzufinden. 


Fazit
Ein warmherziges, humorvolles und nachdenkliches Buch; Kaminers Bestes. 


5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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