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Kurzvita von Alan V. Parker
Alan V. Parker wurde im kanadischen Montreal geboren und arbeitete nach seinem Studium am California College of ARts (San Francisco) lange Zeit erfolgreich in der Werbebranche. Heute lebt Parker mit seiner Frau in der Nähe von Heidelberg. Sein Debütroman „Die Telefonnummer von Gott“ erscheint exklusiv bei Kindle ebooks. Parkers zweiter Roman mit dem Titel „Das Lager“ ist für den Sommer 2013 angekündigt.

 

Die Telefonnummer von Gott 

Autor: Alan V. Parker
Verlag: Sabine Vydra, Fata Morgana
Erschienen: 4. März 2013
ISBN: 978-1482665116
Seitenzahl: 226 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Als eine der größten Automobilfirmen der Welt zwanzigtausend Tonnen seltener Erden von einer Gruppe Tschetschenen angeboten bekommt, will der chinesische Geheimdienst, der von dem Geschäft Wind bekommt, die Lieferung unbedingt verhindern. Der sadistische Oberst Wu soll dafür sorgen, dass das Geschäft nicht zustande kommt und der französische Anwalt Lenormaud, der mit der Firma den Deal abwickeln soll, stirbt. Gleichzeitig macht sich von Nordkorea aus ein U-Boot mit einer Neutronenbombe an Bord nach Amerika auf den Weg, um dem verhassten Feind eine schwere Schlappe beizubringen.

Die Idee ist interessant und brandaktuell, allerdings wäre die gewählte, knappe  Umsetzung für die Vorlage zu einem Drehbuch vermutlich besser geeignet gewesen.


Stil und Sprache
Das Buch beginnt mit einem Prolog, in dem der sadistische Gegenspieler bei der „Arbeit“ gezeigt wird. Im ersten Kapitel wird das Geschäft mit den seltenen Erden eingefädelt, das wie die alle folgenden durchnummeriert und als Überschrift mit dem aktuellen Ort versehen ist. Das ist bei dieser Story besonders  wichtig, da man sonst bald den Überblick verlieren würde. Die einzelnen Kapitel sind extrem kurz, nüchtern, fast distanziert gehalten und lesen sich eher wie rasante Szenenbeschreibungen als wie eine fließende, ineinander greifende Geschichte. Der Autor wechselt nahezu in jedem Abschnitt die Schauplätze und zusätzlich auch ab und zu die Zeit in Form einer Rückblende, bei denen es aber eine Weile dauert, bis man erkennt, dass es sich dabei zum Beispiel um einen Blick in die Kindheit eines Antagonisten handelt. In den wie  „Schnappschüsse“ wirkenden Kapiteln, die meist in Form einer sehr kurzen, jedoch wirklich interessanten Szenenbeschreibung meistens in Verbindung mit einem Dialog gehalten sind, schreiten die Vorkommnisse schnell voran. Das sorgt einerseits für ein enormes Tempo, macht es andererseits aber unmöglich, sowohl die Figuren als auch die Story fundiert, glaubhaft und gut verständlich zu entwickeln. Durch die vielen, schnell aufeinander folgenden Sequenzen wirkt das Manuskript eher wie ein geschriebener Film oder eine bildhafte Geschichte, der aber oft der weiche Übergang von einem Bild zum anderen fehlt und die außerdem nicht immer ganz nachvollziehbar aneinandergefügt ist.

Durch die extreme Kürze von „Die Telefonnummer von Gott“ können bedauerlicherweise weder besondere Feinheiten noch gut getimte Wendpunkte herausgearbeitet werden. Die Spannung im Buch ist nicht durchgehend hoch und hängt immer von der jeweiligen Situation ab, da jede Sequenz „plötzlich einfach da ist“ und sich nicht aus einer sich entwickelnden Handlung ergibt. Aus diesem Grund ist weder Platz für spannende Wendepunkte in der Geschichte noch haben die Figuren die Chance, sich weiterzuentwickeln, verständliche Gefühle zu zeigen oder auch immer gut nachvollziehbar zu agieren.

Da die Idee an sich wirklich spannend ist, wäre es sinnvoll gewesen, etwas mehr auf eine sorgfältige Entwicklung der Story zu achten. Das hätte der Länge der Geschichte bestimmt gutgetan, denn dann hätte die Handlung vielleicht auch den Raum einnehmen können, der für so ein umfangreiches Thema notwendig gewesen wäre. Auch die große Brisanz der Lage und die unterschiedlichen Motivationen der Protagonisten und ihrer Gegenspieler wären so weit besser zum Tragen gekommen, als in dieser extrem kurzen Version, die dadurch auch ziemlich distanziert wirkt.


Figuren
Das Hauptaugenmerk des Autors liegt definitiv auf den beiden Antagonisten Oberst Wu, dem U-Boot Kommandant Dogba und dem Anwalt Lenormaud. Auch Lenormauds „Schutzengel“ Crowley wurde aufgrund ihrer Zusammenarbeit mehr Raum gelassen.

Einige Nebencharaktere sowie ein Charakter, dessen Sinn und Nutzen für die Geschichte ich nicht ganz zuordnen konnte, werden ebenfalls kurz beschrieben. Da es jedoch die Kürze des Buches und die puzzleartige Handlung nicht möglich machen, die Charaktere gut aufzubauen und sie mit gut verständlichen Handlungen und Motiven zu versehen, wirken sie weder sonderlich interessant noch extrem sympathisch. Deshalb ist es kaum möglich, sich als Leser mit einem von ihnen zu identifizieren. Sie werden ohne Vorbereitung in die unterschiedlichen Situationen „hineingeworfen“ und müssen irgendwie reagieren. Da sich die vorgestellten Figuren nicht immer rational bzw. charaktergemäß verhalten, bleiben sie oft blass und es ist manchmal schwierig, die Motive einiger Protagonisten nachzuvollziehen.


Aufmachung des Buches
Der Umschlag des Paperpackbuches ist in weiß gehalten und mit einem roten Zeichensiegel am rechten unteren Rand versehen. Der Buchtitel ist aus einem Dialog des Buches entnommen und passt nur bedingt zum Inhalt. Auf der Buchrückseite findet sich anstatt eines kurzen Blickes in den Inhalt eine Kurzvita des Autors. Die Schrift ist ungewöhnlich groß gehalten, etwas das zwar das Lesen erleichtert, aber über die tatsächliche Länge des Buches hinwegtäuscht. Alle Kapitel sind mit einer Ortsüberschrift versehen, sehr kurz gehalten und teilweise noch einmal durch eine Leerzeile unterteilt.


Fazit
Das Buch ist definitiv Geschmackssache. Da es sich durch die knappe Umsetzung  nur auf das Wesentliche konzentriert, wäre es als Vorlage für ein Drehbuch bestimmt sehr gut geeignet, als Thriller ist es für das umfangreiche Thema jedoch viel zu kurz geraten. Leser, die auf eine gut konstruierte Handlung und fein ausgearbeiteten Figuren nicht viel Wert legen, jedoch eine spannende Abfolge von Situationen im Zeitraffer lesen möchten, werden mit diesem Buch bestimmt viel Freude haben. Thrillerfreunde, die es genießen, wenn sich eine Handlung entfaltet und die Figuren motiviert, lebendig und gut nachvollziehbar handeln, werden von diesem Buch möglicherweise enttäuscht sein.


2 5 Sterne


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