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Nach zwei gescheiterten Ehen steht Antonia, Schriftstellerin und renommierte Biografin, schon wieder am Ende einer Beziehung. "Das war's dann, Antonia. Ich zieh aus", sagte Jean-Luc und war weg. Antonia fällt aus allen Wolken. Sie waren doch glücklich! Glaubte sie. Oder war das Glück mit ihm nur ihre eigene Erfindung? Hatte sie das Glück überschätzt?
"...Das Glück bin ich, hatte Sarah mit ihrem triumphalen Lächeln während ihrer vorletzten Amerika-Tournee in Texas behauptet. Und damals hatte sie bloß noch ein Bein. Wie Antonia sie bewundert hatte, diese Sarah Marie Henriette, wie sie laut Geburtsurkunde hieß, die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit, die ihr Leben wie ein Kunstwerk selbst geschaffen hatte, sich selbst gemacht hat ..."

Gerade jetzt, wo Antonia die Biografie der Sarah Bernhardt, der großen französischen Schauspielerin des 19. Jahrhunderts, fertig stellen soll, ist sie wie gelähmt, findet keinen Zugang mehr zu diesem glamourösen Leben. Sie hat andere Sorgen. Was ist schief gelaufen in ihrem Liebesleben? Und wo ist Jean-Luc? Ihre verzweifelte Suche nach ihm führt sie quer durch Paris, aber auch wieder zurück zu ihrer Arbeit, und am Ende zu sich selbst.

Zwei Frauen, zwei fesselnde Biografien beleuchtet Renate Möhrmann in ihrem spannenden Roman. Meisterhaft verknüpft sie die Geschichte einer modernen Frau von heute mit dem ereignisreichen Leben des ersten Weltstars der Theatergeschichte, Sarah Bernhardt.

 

  Autor: Renate Möhrmann
Verlag: Schenk Verlag
Erschienen: 2007
ISBN: 978-3-939337-40-9
Seitenzahl: 312 Seiten 


Die Grundidee der Handlung
Die Autorin Renate Möhrmann verwebt in ihrem zweiten Roman die Lebensgeschichte der Schauspielerin Sarah Bernhardt mit der Geschichte von Antonia, ihrer Biographin. Die in Paris lebende deutsche Schriftstellerin Antonia, vor kurzem überstürzt von ihrem französischen Lebensgefährten sitzen gelassen, findet zunächst keinen Zugang zu dem ruhelosen Leben der Theaterdiva. Allmählich allerdings beginnt sie das Leben der Sarah Bernhardt genauer zu durchleuchten und lernt sie somit kennen, ja am Ende sogar bewundern. Je mehr Antonia Einblick in Sarahs bewegtes Leben hat, desto mehr löst sich auch die seit der Trennung von Jean-Luc bestehende Schreibblockade. Neben der Recherche und ihrer Arbeit an der Biographie gilt es für Antonia, auch ein ganz privates Geheimnis zu lüften. Wo steckt Jean-Luc und warum ist er einfach gegangen, ohne Erklärung? Hilfe bei der Suche nach Jean-Luc und dem wahren Grund erhält sie von Léon, den sie bei der Recherche im Stadtarchiv kennenlernt.
Neben dieser Rahmenhandlung wird die Biographie der Theater-Schauspielerin Sarah Bernhardt erzählt, die 1874 ihren großen Durchbruch feiert. Der Leser erlebt den Aufstieg dieser ungewöhnlichen und starken Frau, die sich in einer Welt behauptet, in der Frauen noch nicht viel zu sagen hatten und der Schauspielerei überdies noch ein ruchhafter Beigeschmack anhaftete.


Stil und Sprache
Der Beginn des Romans hat mich als Leser nicht sofort gefesselt. Zu langatmig wird Antonias Liebesleben dargestellt, samt aller bisher erlittenen Enttäuschungen. So wird ausführlich das Pro und Contra der vergangenen beiden Ehen beschrieben, ohne dass dies im weiteren Verlauf der Geschichte von bedeutender Rolle wäre. Diese Beschreibungen nehmen etwas von der Spannung.
Renate Möhrmann gelingt es nicht von Anfang an, den Leser mit in die Geschichte zu ziehen. Dies liegt vor allem daran, dass die Hauptfigur Antonia am Anfang zu blass ist. Daneben muss man sich zunächst an die Erzählsprünge zwischen der Geschichte der Antonia und der Biographie Sarahs, sowie Antonias Reflexionen darauf, gewöhnen. Später, wenn sich dieser Gewöhnungseffekt eingestellt hat, ist die Verknüpfung dieser beiden Geschichten eine durchaus gelungene Erzählidee.

Das Leben der Schauspielerin Sarah Bernhardt ist von Renate Möhrmann wunderbar erzählt. Hier merkt man auf jeden Fall, dass die Autorin Erfahrung darin hat, biographisches spannend darzustellen und dass sie in der Geschichte des Theaters zu Hause ist. Wundervoll wird beschrieben, wie die Bernhardt trotz ihres hohen Alters die Kritiker zu begeistern weiß, wie sie mit Löwenkräften gegen das Altern ankämpft und sich auch noch in Zeiten der Krankheit ihren Stolz und ein teilweise aufmüpfiges Temperament erhält. Die Geschichte der vielleicht größten französischen Schauspielerin der Jahrhundertwende ist fesselnd und packend geschrieben und zieht den Leser sofort in ihren Bann. Für die verhaltene Anfangsphase des Romans wird der Leser hier reichlich entschädigt.

Die Sprache der Autorin ist einfach und schnörkellos. Renate Möhrmann zielt nicht darauf ab, dem Leser anspruchs- und kunstvolle Sätze zu präsentieren. Sie nutzt die Sprache, um die Geschichte dieser beiden Frauen zu erzählen, in einem lockeren und angenehmen Ton.


Figuren
Durch die oben angegebene zu ausführliche Beschreibung Antonias Liebeschaos gelingt nicht sofort der Bezug zu dieser Protagonistin. Mit dem Verlauf des Romans steigert sich allerdings die Ausarbeitung der Hauptfigur und eine Identifizierung wird dadurch möglich. Gelungen ist zum Beispiel die Szene, in der die kleine Antonia von zu Hause ausbüchst und sich einige Tage ganz alleine in einer Höhle durchschlägt, bis sie von der Polizei aufgegriffen wird. Die Motive sind eindeutig heraus gestellt und einfühlsam beschrieben. Man kann sich mit dem Kind identifizieren.
Schade ist, dass die Dialoge von Antonia manchmal zu gestelzt wirken. Die Figur der Sarah Bernhardt wirkt dagegen überzeugend und authentisch. Die Sprache der Bernhardt erinnert an die Sprache der Jahrhundertwende. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass der Wechsel der Sprache von Antonia, der modernen Frau im Hier und Jetzt, und der historischen Figur der Sarah noch mehr hätte voneinander abgegrenzt werden können.


Aufmachung des Buches
Der Roman ist im Hardcover mit Schutzumschlag erschienen. Das Cover ist ansprechend gestaltet, zweifarbig schwarz-hellrot und zeigt einen typischen Pariser Bistrotisch auf einem Balkon. Als Schatten ist ein Foto der Schauspielerin Sarah Bernhardt in das rote Cover eingedruckt. Einziges Manko dieser geschmackvollen Aufmachung: durch den ebenfalls rot-schwarz gestreiften Hintergrund des Klappentextes und einer Kursivschrift in relativ kleinen weißen Buchstaben, ist der Klappentext etwas schwer zu lesen.

Besonders gefallen hat mir die Aufmachung der Buchseiten. Jedem Kapitelanfang ist ein Zitat vorangestellt, das in kursiver Schriftart vom Text abgegrenzt ist. Der Anfangsbuchstabe eines jeden Kapitels ist verziert, ebenso befindet sich am Ende jedes Kapitels ein Ornament. Auch die Buchseiten sind von einer kleinen Verzierung umrahmt.


Fazit
Für alle, die gerne Biographien lesen, aber zwischendurch einmal Lust auf etwas anderes haben, ist dieses Buch empfehlenswert. Der "biographische" Anteil des Buches ist sehr gut gelungen, der "fiktive" Teil hat nicht hundertprozentig meine Erwartungen erfüllt. Dennoch ist der Roman von Renate Möhrmann ein unterhaltsames und gleich doppeltes Frauenportrait.
Als Gesamtergebnis gebe ich 3,5 Sterne - durchschnittlich guter Unterhaltungsroman mit Tendenz nach oben.


3 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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