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Ohne Abschied zu nehmen, ist Kommissar Erlendur in die Ostfjorde gereist, dorthin, wo er seine Kindheit verbracht und seinen kleinen Bruder im Schneesturm verloren hat. Jahrzehnte zuvor hatten sich in dieser Gegend dramatische Szenen abgespielt: Ein Trupp englischer Soldaten geriet auf einem Höhenpfad in ein tödliches Unwetter. In derselben Nacht verschwand eine junge Frau, deren Leiche aber nie gefunden wurde. Das Schicksal dieser Frau zieht Erlendur in seinen Bann: Er will unbedingt herausfinden, was sich damals zugetragen hat - so schmerzhaft es für ihn auch sein mag, Ereignisse aus dieser Zeit ans Licht zu bringen ...

 

Eiseskaelte HB 

Originaltitel: Furdustrandir
Autor: Arnaldur Indridason
Übersetzer: Coletta Bürling
Sprecher: Walter Kreye
Verlag: Lübbe Audio
Erschienen: 11/12
ISBN: 978-3-7857-4691-2
Spieldauer: 305 Minuten, 4 CDs; gekürzte Lesung


Die Grundidee der Handlung
Die Ostfjorde Islands sind eine unberührte, aber ebenso unberechenbare Gegend, gerade, was das Wetter angeht. Niemand weiß das besser als Kommissar Erlendur selbst, hat er doch als Kind seinen jüngeren Bruder in einem Schneesturm verloren. Schlimmer noch: Da der Bruder nie gefunden wurde und an Erlendurs Hand ging, als er verschwand, lassen ihn die Ereignisse von damals nicht los. Also reist Erlendur auf den verlassenen Hof seiner Eltern, von dem er nicht einmal weiß, wem er heute gehört, und begibt sich auf die Suche. Vieles hat sich hier verändert und auch hier scheinen internationale Industrieunternehmen in die Ruhe eindringen zu wollen. Dann begegnet er dem Fuchsjäger Boás. Der inzwischen fast 70-jährige Mann erzählt ihm, dass er damals bei der Suche nach Erlendurs Bruder dabei gewesen war, kann aber kein Licht ins Dunkel bringen. Stattdessen erzählt er Erlendur eine weitere Geschichte um verschollene Menschen. Ein Trupp englischer Soldaten war 1942 in ein Unwetter geraten und in derselben Nacht verschwand eine junge Frau, die im Gegensatz zu den Soldaten weder lebendig noch tot gefunden wurde. Erlendur begibt sich auf  Spurensuche im Fall der vermissten Frau und schon bald stößt er auf erste Widersprüche in der weitverbreiteten Version, die Frau sei damals zu Fuß auf dem Weg zu ihren Eltern gewesen. Erlendur ist fasziniert und stößt bei seinen Nachforschungen auf ein dunkles Geheimnis, das zwei Freunde und ihre Familien gleichermaßen verbindet und entzweit...

"Eiseskälte" folgt in vielen Teilen der Tradition Indridasons. Der schwer lesbare, aber unnachgiebige Kommissar Erlendur ermittelt mit teils unkonventionellen Methoden in einem Fall, den andere vermutlich längst geschlossen hätten. Auch die präzisen Beschreibungen der isländischen Landschaft und die offene, aber stets liebevolle Darstellung ihrer Bewohner ziehen sich durch alle Bände der Reihe und machen einen Teil ihres Charmes aus. Dennoch ist der neue "Erlendur-Band" anders. Dieses Mal kommen wir dem Kommissar so nah wie nie. Wir erfahren viel über seine Kindheit, seine Eltern und auch die Geschichte um seinen vermissten Bruder, die einen der roten Fäden der Serie bildet, wird nun endlich einmal ganz erzählt. Gelungen ist durchaus auch Indridasons Idee, einen zweiten "Vermisstenfall" als Ausgangspunkt für Erlendurs Eifer bei den Ermittlungen zu wählen. Manchmal erweckt Erlendur dabei fast den Anschein als versuche er, bei dieser Frau etwas wieder gut zu machen, was er im "Fall" seines Bruders nicht konnte. Schade ist, dass die Verbindungen zwischen dem Fall der jungen Frau und der Spur seines Bruders immer eine Spur zu zufällig und damit nicht immer überzeugend wirken. Ob und inwieweit dies den Kürzungen der Hörbuchfassung geschuldet ist, kann ich nicht sagen.


Darstellung des Hörbuchs
Das Hörbuch ist bereits das vierte dieser Reihe, das von Walter Kreye gelesen wird. Seine Stimme ist angenehm weich und sanft, es wirkt so, als könne sie die Ruhe Islands einfangen. Der Sprecher verzichtet bewusst auf große Veränderungen der Stimme, lediglich besondere Charakteristika wie Alter, Lallen in Folge von Trunkenheit oder leiser werdende Stimmen als Folge von Beklemmung greift der Sprecher auf. Das macht er ausgezeichnet. Gerade bei einer langen Passage, die von einem deutlich angetrunkenen Mann erzählt wird, hätte die Gefahr des Überzeichnens bestanden. Nicht hier: Herr Kreye dosiert die Stimmeigenschaften perfekt. Die etwas lockere Zunge und das Lallen ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Eine weitere große Stärke entwickelt der Sprecher beim Transport der Emotionalität der Lesung. Das Spektrum reicht hier von intensivster Beklemmung angesichts der zu schildernden Ereignisse bis hin zu unverhohlener und kaum gezügelter Wut angesichts des so tiefen Eindringens in die Privatsphäre. Der Sprecher schafft es, all das glaubwürdig zu transportieren, ohne das die Lesung unverständlich oder übertrieben wirkt. Kompliment!


Aufmachung des Hörbuchs
Das Cover zeigt schnee- bzw. eisbedeckten Boden, auf dem ein einzelner roter Fausthandschuh für eine rechte Hand zu sehen ist. Zentriert unmittelbar darüber ist der Buchtitel platziert, ebenfalls in rot, wobei es hier in beide Richtungen einen Farbverlauf gibt, der den Anfang bzw. das Ende des Titels dunkler darstellt und den Mittelteil in einem leuchtenden Rot, das an blutrot erinnert, zeigt. Im Inneren des Hörbuchs findet man zunächst eine Biographie des Autors und des Sprechers mit auffallenden, aber angenehm großen Farbfotos der Personen. Klappt man das Hörbuch weiter auf, so findet man unterhalb der ersten CD alle Angaben zum vorliegenden Hörbuch, unter der zweiten ein isländisches Gedicht und unter den verbleibenden zwei CDs Hinweise auf weitere Werke des Autors. Wenn man die letzten beiden CDs herausnimmt, so bekommt man den Klappentext des Werkes zu lesen, auf das unterhalb verwiesen wird, hoher Wiedererkennungswert mit den letzten Teilen der Serie.


Fazit

Nachdem zumindest ein Teil der Serie doch deutliche Schwächen hatte, zeigt die Kurve nun wieder nach oben. Schade nur, dass es Erlendurs letzter Fall gewesen sein soll. Trotzdem ein Hörvergnügen.


4 Sterne


Hinweise
Dieses Hörbuch kaufen bei: amazon.de

Backlist:
Teil 6: Kältezone
Teil 7: Frostnacht
Teil 8: Kälteschlaf
Teil 9: Frevelopfer
Teil 10: Abgründe

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