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Hallo Frau Campbell, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview mit Leser-Welt nehmen.

Das möchte ich gern zurückgeben. Vielen Dank für Ihr Interesse am Sieben Verlag.


Ihr Verlag ging 2007 an den Start. Welche Beweggründe veranlassten Sie einen eigenen Verlag zu gründen?

Als Autorin war die Arbeit mit Texten schon immer meine Passion, und zusätzlich faszinierte mich das Wirken hinter den Kulissen. Es hat etwas sehr Befriedigendes seine „Kinder“ in die Welt zu entlassen und zu sehen, wie sie sich dort schlagen. Jedes Buch in unserem Verlag ist auch wieder ein Stück weit mein Baby.
Ich wollte selbständig tätig sein und da lag es nahe, aus der Passion einen Beruf zu machen.

 


Wieviel Enthusiasmus und Idealismus braucht es, um einen Verlag aufzubauen?

Ohne Enthusiasmus ist jedes Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Man muss voll hinter dem stehen, was man tut und darin aufgehen. Tut man etwas halbherzig, kann auch nur etwas Halbherziges herauskommen. Idealismus braucht man, um sich gegen die vielen Skeptiker abzuschirmen, die einem ständig sagen wollen was geht und was nicht. Das wirkt blockierend und man tritt auf der Stelle. Das heißt nicht, dass man gegen vernünftige Ratschläge branchenerfahrener Leute immun sein sollte. Blinder Idealismus führt in eine Sackgasse. Aber man darf sich seine Ideen nicht schon vor deren eigentlicher Geburt madig reden lassen.


Einen neuen Verlag entsprechend zu platzieren und auf sich aufmerksam zu machen ist nicht leicht. Wie schwer war es, in der Verlagswelt ein paar Fußspuren zu hinterlassen?

Wenn man das als schwere Aufgabe ansieht, hat man schon verloren. Man muss spielerisch an die Sache herangehen, sich langsam vortasten, ausprobieren was ankommt und was nicht. Flexibel sein. Spuren hinterlässt man dann, wenn die Titel beim Leser ankommen, sich herumsprechen. Die Mundpropaganda, die Weiterempfehlung, ist die einzig wirkungsvolle Methode. Man kann ein Vermögen für Werbung ausgeben wenn man möchte. Das bedeutet aber nicht, dass die Bücher sich deshalb besser verkaufen. Der Leser entscheidet, und sonst niemand.


Mit wievielen Mitarbeitern haben Sie angefangen und wieviele hat Ihr Verlag inzwischen?

Ich habe ganz allein angefangen, mit der arbeitstechnischen und seelisch und moralischen Rückendeckung meines Mannes. Inzwischen habe ich eine feste Lektorin und ein paar freie Mitarbeiter, die mich bei meinen Projekten tatkräftig unterstützen.


In Ihrem Verlag sind Autoren, die sich nicht eindeutig in ein Genre einordnen lassen, vertreten. Sind Sie ein Nischen-Verlag?

Wir haben versucht, Romane zu veröffentlichen, die sich keinem Genre zuordnen lassen, mussten dann aber feststellen, dass die Konkurrenz durch die Großverlage einfach zu hoch ist und diese Bücher praktisch auf dem Markt untergehen. Deshalb spezialisieren wir uns nun auf die Nische Phantastische Literatur. Die Online-Zielgruppe ist für dieses Genre besonders hoch, weil diese Werke eben nicht in jeder Buchhandlung zu finden sind. Mit steigenden Verkaufszahlen steigt dann auch die Nachfrage nach unseren Titeln in den Buchhandlungen, die sich diese dann auch in den Laden legen. Die Titel müssen sich zuerst im Internet beweisen, bevor die Buchhandlungen Interesse zeigen.


Wieviele Manuskripte erreichen Sie täglich und wieviele schaffen es, von Ihnen verlegt zu werden?

Die Manuskripte kommen meist Stoßweise rein, so dass ich keine Aussage über tägliche Einsendungen machen kann. Uns erreichen monatlich durchschnittlich um die zwanzig Anfragen. Verlegt werden im Schnitt 12 Titel im Jahr. Davon sind einige bereits Fortsetzungen von Serien, die man davon abziehen müsste.


Das Angebot ist sehr breit gefächert, sogar ein Sachbuch steht jetzt auf der Liste. Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl für eine Veröffentlichung?

Wir nehmen jetzt verstärkt phantastische Titel rein, außer dem Bereich Sachbuch, den wir weiter ausbauen möchten. Es muss ein Thema sein, das von allgemeinem Interesse ist, oder von dem einer bestimmten definierbaren Zielgruppe, wie bei dem Schreibratgeber für Autoren. Kurz gesagt, wir müssen Marktchancen erkennen können, besonders auf den Online-Markt bezogen.


Wie ist der weitere Werdegang eines angenommenen Manuskripts bis hin zum fertigen Buch?

Das Manuskript geht ins Lektorat, wo es zunächst inhaltlich geprüft wird. In enger Zusammenarbeit mit dem Autor versuchen wir, schreibhandwerklich sowie dramaturgisch das Beste aus dem Werk zu machen. Danach geht es ans Korrekturlesen. Nach Prüfung der Druckfahnen, Covererstellung, kann das Werk an den Start gehen.


Wie sieht die weitere Zusammenarbeit mit dem Autor aus?

Unsere Autoren sind alle selbst aktiv, besonders im Internet, um ihre Werke bekannt zu machen. Wir verschicken Rezensionsexemplare für den Autor und an feste Partner, die unsere Neuerscheinungen regelmäßig erhalten. Wir vermitteln Interviews für die Autoren, machen sie auf Netzwerke aufmerksam, die sie nutzen können.


Sie selbst schreiben unter dem Pseudonym Joy Fraser und kennen den Autorenalltag. Inwieweit helfen Ihnen Ihre Erfahrungen als Autorin in Ihrem Verlag?

Ich glaube, dass es mir dahingehend hilft, die Sorgen und Nöte, Ängste und Befürchtungen junger Autoren zu kennen und zu verstehen. Ich weiß, was ihnen wichtig ist, was nicht immer konform geht mit den Interessen eines Verlags. Ich versuche einen Mittelweg zu finden, der für beide Seiten annehmbar ist. So besprechen wir die Cover immer mit den Autoren. Auch wenn am Ende wir entscheiden, versuchen wir doch, die Vorstellungen der Autoren mit einfließen zu lassen.


Wie sehen Sie in den schwierigen Zeiten die Zukunft für den Sieben Verlag?

Es gibt keine Zeit, in der die Menschen diese nicht als schwierig bezeichneten. Und gelesen wird immer. Gerade in wirtschaftlichen Krisen suchen die Menschen nach Ablenkung, und wenn sie schon kein Geld haben für Reisen, dann doch meistens zumindest für ein Buch. Wir werden weiterhin versuchen, dicht an den Trends dranzubleiben und den Lesern diese Ablenkung zu verschaffen.


Möchten Sie angehenden Schriftstellern noch einen Rat mit auf den Weg geben?

Schreiben lernen! Das Handwerk studieren. Nur, weil man mit einem Hammer und einem Nagel umgehen kann, ist man noch kein Schreiner. Diesen Beruf muss man erst lernen. So ist es auch beim Schreiben. Das mag hart klingen, aber wir bekommen oft wunderbare Ideen eingereicht, die leider sehr mangelhaft umgesetzt sind. Autorennetzwerke können da sehr hilfreich sein. Die Meinung von Bekannten und Freunden ist überhaupt nicht brauchbar. Menschen aus der Branche sollten sich den Text anschauen, bevor man ihn einem Verlag anbietet. Und ganz wichtig: Lesen Sie die Konkurrenz! Oft hören wir: Ich habe einen Vampirroman geschrieben, aber selbst noch keinen gelesen, weil ich mich nicht beeinflussen lassen wollte.
Das ist die falsche Einstellung. Um zu wissen, was beliebt ist, welche Ideen schon mal da waren, wie andere Autoren ihre Fantasy-Welt aufbauen, muss man die Konkurrenz gelesen haben. Neue, frische Ideen sind gefragt! Die kann man nicht entwickeln, wenn man die alten nicht kennt.


Ich danke Ihnen für das Interview.

Es war mir eine Freude.


Die Homepage des Verlages erreichen Sie unter: http://www.sieben-verlag.de/

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