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Der Polizist Will liest in Los Angeles eine junge Frau auf, die nicht weiß, wer sie ist. Er hilft ihr und versucht, ihre Identität herauszufinden. Bald meldet sich Alex Rivers, der berühmte Schauspieler, und identifiziert sie als seine schwangere Frau Cassie. Als er ihr den liebevollen Ehemann vorspielt, kehren in ihr bedrohliche Erinnerungen an die Beziehung mit ihm zurück ...

 

Auf den zweiten Blick 

Originaltitel: Picture Perfect 
Autor: Jodi Picoult
Übersetzer: Christoph Göhler
Verlag: Piper
Erschienen: Mai 2009
ISBN: 978-3492263115
Seitenzahl: 448 Seiten


Die Grundidee der Handlung
Eine junge Frau namens Cassie wird auf einem Friedhof bewusstlos aufgefunden. Als sie wieder zu sich findet, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Der zuvorkommende und hilfsbereite Polizist Will, der Halbblutindianer ist, gewährt ihr so lange Unterschlupf, bis ihr Ehemann sie abholt. Dieser ist der berühmte Filmstar Alex Rivers. Als Cassie wieder mit ihrem Ehemann zuhause ist, wundert sie sich über den Luxus. Doch schon bald gewöhnt sie sich an ihr Leben. Sie denkt oft über Gründe nach, warum sie weggelaufen sein könnte, doch ihr fallen die Antworten darauf nicht ein. Alex Rivers ist ein Ehemann, wie man sich ihn nur vorstellen kann. Die Ehe scheint perfekt zu sein. Doch die Idylle trügt. Im Laufe der Zeit bröckelt die perfekte Ehe und allmählich erinnert sie sich an ihre wahre dunkle, problembehaftete Beziehung zu Alex und an den grausamen Grund ihrer Flucht.

Der Roman „Auf den zweiten Blick“ führt uns in eine fremde Welt - in die Welt der Indianer. Das Buch besteht aus drei Teilen. Es beginnt in der Gegenwart 1993, dann wird zurück in die vergangenen Jahre 1989-1993 geblickt und der dritte Teil berichtet wieder von der Gegenwart und dem Jahr 1993, in dem die Erzählung schließlich auch endet. Der Leser erfährt einerseits etwas über Indianer, zum anderen ist das Hauptthema des Buches häusliche Gewalt, die durch das Buch erfahrbar dargestellt wird. Bis zum Ende bleibt die Geschichte spannend und es lüften sich nach und nach Ereignisse aus der Vergangenheit von der Protagonistin Cassie.


Stil und Sprache
Jodi Picoult schreibt wie gewohnt in einer sehr flüssigen, metaphorischen Sprache. Dieser Stil ist angenehm zu lesen und lässt den Leser in eine andere Welt abtauchen. Detailgetreu beschreibt die Autorin die verschiedenen Facetten von Gewalt. Dabei gelingt es ihr, das Thema von zwei Seiten zu betrachten. Jodi Picoult verurteilt nicht, stattdessen beleuchtet sie das Thema auf eine objektive Art und Weise, sodass sie dem Leser keine Denk- und Meinungsbildung vorgibt, sondern ihn selbst entscheiden lässt, was er für richtig oder falsch hält. Des Weiteren erfährt der Leser ebenso Hintergrundwissen über die Indianer, über deren Lebensweise und Geschichte.
Beachtenswert ist ebenfalls, dass Jodi Picoult sich - wie auch in ihren anderen Büchern - nicht nur auf eine Perspektive beschränkt. Sie lässt die Handlung aus der Sicht vieler verschiedener Personen darstellen. So schafft sie es, dass sich der Leser in jede Figur hineinversetzen und sich möglicherweise auch mit ihr identifizieren kann. Die Spannung, die die Autorin bereits zu Beginn des Buches aufbaut, hält bis zu den letzten Seiten an. Man weiß bis zum Schluss nicht, wie der Roman endet.


Figuren
Die Hauptpersonen des Buches sind zum einen die Protagonistin Cassie, ihr Ehemann Alex Rivers sowie der Polizist Will. Eine Nebenrolle spielt die Indianerfamilie von Will. Vor allem im dritten Teil des Buches erfährt der Leser mehr über den Halbblutindianer und dessen Familie.
Die Autorin schafft es durch ihre einfühlsame Schreibweise, Mitgefühl für Cassie zu wecken. Sie beschreibt hervorragend die Gefühlslage der Protagonistin, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Missbrauch und der überaus großen Liebe zu ihrem Ehemann. Ebenso schafft Jodi Picoult es, den Ehemann Alex nicht zu verteufeln, sondern auch in ihm einen charmanten Mann zu sehen, der nicht nur eine böse Seite hat, sondern auch seine guten. Der Charakter des Ehemannes ist somit schwankend. In einer Situation ist er lieb und freundlich, und in dem Augenblick darauf ist er wütend und gewalttätig. Der Leser entwickelt im Laufe des Buches immer größere Sympathien für den zuvorkommenden, netten und hilfsbereiten Polizisten Will, der sich rührend um Cassie kümmert, und bei dem sie auch Zuflucht findet. Man glaubt der sympathischen Protagonistin ihre Ängste und bewundert ihre Kraft und ihren Willen, nach unzähligen gewalttätigen Übergriffen ihres Mannes erstmal immer noch bei ihm zu bleiben.

Aufmachung des Buches
Bei dem Buch „Auf den zweiten Blick“ handelt es sich um ein Taschenbuch. Das Cover ist in dunklen Blautönen gehalten, die schon auf eine kalte und eher düstere Geschichte hinweisen. Auf dem Titelbild ist eine Frau in einem türkisen Kleid abgebildet, doch den Kopf sieht man nicht. Dies könnte für die Scham der betroffenen Frauen stehen, die sich zum Thema „häusliche Gewalt“ nicht äußern möchten oder die dieses grausame Thema verschweigen. 


Fazit
„Auf den zweiten Blick" ist ein empfehlens- und lesenswertes Buch, welches das Thema Missbrauch und Gewalt einfühlend darstellt. Meiner Meinung nach gibt es viele Frauen, die von diesem Thema betroffen sind, aber sich nicht trauen, darüber zu sprechen. Dieses Buch zeigt deutlich diese Problematik auf und könnte möglicherweise Betroffenen helfen, besser mit diesem grausamen Thema umzugehen und sich Hilfe zu beschaffen. Mir gefällt besonders, dass das Buch nicht nur schwarz-weiß zeichnet, sondern das Thema von verschiedenen Seiten betrachtet, sodass der Leser ein wenig Verständnis für Täter und Opfer bekommt.


4 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

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