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Als die Menschen eines Tages ein von Außerirdischen installiertes Teleportationssystem entdecken, beginnt für Privatdetektiv Martin Dugin das Abenteuer seines Lebens: Denn dieses System ermöglicht es, in Sekunden die Abgründe zwischen den Planeten der Galaxis zu überwinden. Eine perfekte Möglichkeit also für jene, die den Zuständen auf der Erde entfliehen wollen – aus welchen Gründen auch immer …

 

  Autor: Sergej Lukianenko
Verlag: Heyne
Erschienen: 02/2007
ISBN: 978-3-453-52233-6
Seitenzahl: 704 Seiten 


Die Grundidee der Handlung
In dem Buch „Spektrum“ geht es um den Privatdetektiv Martin Dugin, der den Auftrag erhält, Irina zu ihren Eltern zurück zu bringen. Doch in welcher der vielen Welten hält sie sich auf? Martin entscheidet sich schließlich für einen Planeten und trifft dort auf Irina, die jedoch kurz darauf vor seinen Augen ermordet wird. Sein Auftrag scheint damit erledigt zu sein, doch dann muss Martin feststellen, dass es nicht nur diese eine Irina gibt. So beginnt für ihn eine Reise von einem Planeten zum anderen, doch seine Hoffnung, Irina unversehrt zur Erde zurück zu bringen, schwindet immer mehr. Zudem muss er sich eingestehen, dass er sich in die junge Frau verliebt hat.

Um von einer Welt in die andere zu gelangen, muss man durch die großen Tore, die von den Schließern bewacht werden. Um durch ein Tor hindurch gelassen zu werden, muss in Form von Geschichten bezahlt werden. Gefällt dem Schließer die Geschichte, darf das Tor durchschritten werden. Damit es keine Verständigungsschwierigkeiten unter den unterschiedlichen Rassen gibt, kann jeder, der durch eines der großen Tore geht, ab diesem Zeitpunkt „Touristisch“ sprechen.

Die Idee verschiedener Welten und dem Wandeln zwischen den Welten ist nicht neu. Dennoch hat Sergej Lukianenko es verstanden, das Ganze in einem etwas anderen Licht darzustellen.


Stil und Sprache
Zunächst befindet sich der Leser im bekannten Russland, um dann feststellen zu müssen, dass außerirdisches Leben völlig normal ist. Dabei zieht der Autor den Leser mit seinem lebendigen Schreibstil in die Geschichte hinein und lässt ihn so schnell nicht mehr hinaus. Stellenweise ist das Buch sehr philosophisch und religiös, wobei diese Ausführungen sich durchaus über mehrere Seiten hinziehen können und damit die Handlung unterbrechen.

Das Buch ist in sieben Teile untergliedert. Dabei entspricht jeder Teil einem Planeten, den der Protagonist Martin Dugin besucht, um Irina zu retten und dem Geheimnis der Schließer auf die Spur zu kommen. Jeder Teil beginnt mit einem Prolog, der viel zu ausführlich die richtige Zubereitung von Essen behandelt, damit dieses den vollen Geschmack entfalten kann. Da der Leser lieber wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, langweilen diese Stellen, die Handlung wird stark ausgebremst.

Ein kleiner Hinweis: Die Russen verwenden gerne Kosenamen; Irina wird von Martin auch Irinka, Ira, Irka oder Irotschka genannt. Da aus dem Zusammenhang heraus klar ist, wer gemeint ist, ist man an keiner Stelle in Bezug auf die vielen unterschiedlichen Namen für ein und dieselbe Person verwirrt.


Figuren
Die Figuren sind gut ausgearbeitet: Sie besitzen ihre eigene Persönlichkeit, ihren eigenen Charme, haben Fehler und Eigenheiten. All dies macht sie authentisch und für den Leser fassbar.

Die Außerirdischen Lebensformen sind gewöhnungsbedürftig, werden jedoch so gut beschrieben und dargestellt, dass man sich schnell zurechtfindet. Gelungen finde ich, dass es auch außerirdische Lebensformen fernab der humanoiden Rassen gibt (z.B. intelligente Einzeller).


Aufmachung des Buches
Das Taschenbuch entspricht optisch den bisher von Sergej Lukianenko erschienenen Büchern. Dies erweckt den Eindruck, all diese Bücher würden einer Reihe angehören. Andererseits ist durch die ähnliche Optik ein hoher Wiedererkennungswert gegeben.

Anmerkung: Leider gibt es in der Übersetzung recht viele Rechtschreib-/Tippfehler


Fazit
Qualitativ reicht „Spektrum“ nicht an die anderen Bücher Sergej Lukianenkos heran. Wer philosophische Bücher mag, wird dieses Buch gerne lesen. Wer jedoch technische SciFi sucht, wird von diesem Buch enttäuscht sein, da die technischen Erfindungen meist nur am Rande erwähnt werden.


3 Sterne


Hinweise
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  • Mit Verlaub, aber ich denke Fr. Trautmann hat hier in ihrem Fazit die Intention Lukianenkos nicht erfasst. Eben dass es sich nicht um sog. "technische" SF handelt macht Spektrum zu etwas besonderem. Die interstellaren Reisen, die sonst einen Großteil der Handlung ausmachen werden durch die "großen Tore" ersetzt, die Geschichten, die Martin Dugin erzählt - besonders die, die akzeptiert werden - passen alle in den Kanon von Martins Reise (allerdings nicht so sehr der physischen, sondern der geistigen). Das Buch ergeht sich in langen Beschreibungen von kulinarischen Freuden. Das Buch ist philosophisch. Das Buch setzt sich mit Religion und dem Wesen/der Existenz Gottes sowie dem Thema Allmacht auseinander. Das alles geschieht jedoch aus der Sicht Martins, eines Durchschnittsbürgers.
    Aber auch die Nebencharaktere haben mehr als nur eine untergeordnete Daseinsberechtigung. Sei es Juri, der Mann vom FSB, der merkwürdigerweise im Laufe der Zeit immer sympatischer wird, oder die Außerirdischen (insbesondere der Geddar und der Dio-Dao Der-der-Freund-fand/Effeff), der Martin eine kurze Weile begleitet, oder auch der nur kurz erscheinende Sheriff einer fremden Welt, sie alle sind dreidimensionale Charaktere, die Martins Charakterentwicklung beeinflussen.
    Und darum geht es in diesem Roman im speziellen: Eine Charakterstudie eines Normalbürgers auf dem Pfad zur Allmacht. Der verwirrende Abschnitt am Ende macht nur allzu klar, was der Autor darüber denkt - und lässt Martin schlussendlich die einzig weise Entscheidung treffen. Wobei man sich als Leser die Frage stellen muss: Hätte ich genauso entschieden? Und: Hätte Martin genauso entschieden, wäre er noch am Anfang seiner Reise gestanden?
    Dankbarerweise lässt Sergej Lukianenko diese Fragen ---- unbeantwortet.
    Was das betrifft ähnelt Martins Entwicklung der des Anton Gorodetzki aus den Wächter-Romanen: Auch Anton macht eine Entwicklung durch, die mehr sein Inneres betrifft. Die Steigerung seiner magischen Kräfte ermöglicht ihm nur, noch mehr zu erleben und - zu verstehen.

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