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Hallo Herr Bellem. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Zunächst eine immer wieder beliebte Frage: Wie sind Sie zum Schreiben von Romanen gekommen?

Das war ein schleichender Prozess. Irgendwann mit zwölf habe ich mit dem Spielen von Pen & Paper Rollenspielen begonnen. Ziemlich früh stellte sich da heraus, dass ich den Spielleiter geben muss. Damals wollte ich unbedingt nur Spieler sein – ging aber nicht...Naja, ich fand Gefallen am Geschichtenerzählen und die vorgefertigten Abenteuer reichten mir einfach nicht. Ich fing an Spielabende zu improvisieren oder auch mal ein Abenteuer zu schreiben. Und dann wurde ich ehrgeizig und begann einen ersten Roman. Nach zwei Seiten war es auch wieder vorbei. Damals hatte ich zwar schon die nötigen Ideen, aber noch lange nicht die nötige Disziplin.

Als ich sechzehn oder siebzehn war kam Wolfgang Hohlbein nach Sandhausen und las in der Bücherei unter meiner Schule. Das hat mich damals sehr beeindruckt und ließ den Wunsch zu Schreiben wieder neu wachsen.
Um 2001 rum packte es mich aber endgültig. Ich erinnerte mich an viele der alten Ideen von damals und übertrug sie in eine Welt, die ich mir in den letzten Jahren ausgedacht hatte. „Tharador“ war geboren. Wobei der erste Roman mich fast vier Jahre Arbeit kostete.


Was fasziniert Sie am Schreiben?

Das ist schwer zu sagen. Es ist wie ein riesiger Abenteuerspielplatz, der nur mir gehört. Und mit jedem Buch lasse ich andere Leute darin spielen *g*
Aber eigentlich will ich das gar nicht übermäßig glorifizieren. Warum ergreifen Leute einen bestimmten Beruf? Es macht mir einfach riesigen Spaß Geschichten zu schreiben.


Ihr erster veröffentlichter Roman ist „Tharador - Die Chroniken des Paladins (1)“. Welche Hindernisse mussten Sie überwinden, bis das Manuskript von einem Verlag angenommen wurde?

Das größte Hindernis war die Fertigstellung. Danach habe ich ziemlich viele Anfängerfehler gemacht. Ich habe den Text weder lektoriert noch korrigiert und direkt an zwei große Verlage geschickt. Nach den Standardabsagen war ich so frustriert, dass ich das Buch im Selbstverlag herausgebracht habe. Das war 2004. Aber das ganze nagte unheimlich an mir und war einfach unbefriedigend. Ich bin ein ziemlich ehrgeiziger Mensch und wollte nicht so einfach aufgeben. 2006 hatte ich den Roman komplett überarbeitet und die Exposés für die beiden Fortsetzungen. Damit wendete ich mich an Otherworld und wurde genommen. Erst viel später habe ich begriffen, welch unglaubliches Glück es war, eine Neuauflage von einem bereits erschienenen Buch zu bekommen. Und seitdem läuft es ganz gut an. Ein Schritt nach dem anderen eben.


Was war es für ein Gefühl, als Sie das erste Mal Ihr eigenes Buch gedruckt in den Händen gehalten haben?

Einfach großartig. Den Karton mit den Belegexemplaren zu öffnen, den Duft der unberührten Bücher in der Nase zu spüren – das war ganz fantastisch. Ich habe einen kleinen Tick. Von jedem meiner Romane behalte ich zwei Exemplare für mich. Eines für die Lesungen, das andere kommt ins Regal und wird dort quasi konserviert. Und in dieses Buch schreibe ich mir auch selbst eine Widmung. Dabei geht es nur um die Gefühle in dem Moment des ersten Zusammentreffens von Autor und Werk. Sehr persönliche Gedanken und Gefühle. Aber wenn ich in zwanzig oder vierzig Jahren zurückblicke, kann ich mich vielleicht besser erinnern. Und ich denke, ein wenig Sentimentalität ist da auch gestattet.


Sie lassen sich von der Agentur Schmidt & Abrahams vertreten. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen? Aus welchem Grund halten Sie es für sinnvoll, sich als Autor von einer Agentur vertreten zu lassen?

Zur Zusammenarbeit kam es ganz lapidar durch eine Bewerbung. Ich reichte eine neue Romanidee ein und eine Leseprobe. Die gefiel und ich traf mich mit Frau Schmidt zu einem persönlichen Gespräch und wurde dann schließlich unter Vertrag genommen.
Die Entscheidung, mich von einer Agentur vertreten zu lassen, habe ich nie bereut. Verlage werden von Manuskripten überschwemmt, hört man immer wieder. Und Agenten stehen in ganz anderem Kontakt mit den Lektoraten. Außerdem sind das alles Zeitkiller mit denen ich mich gar nicht befassen möchte. Und nicht zuletzt kann man über die Agentur nützliche Tipps erhalten, was momentan in den Lektoraten gefragt ist. Gerade wenn man mehrere Ideen in der Schublade hat, kann einem das unnötige Arbeit ersparen.


Im Mai erscheint „Das Buch Karand – Die Chroniken des Paladins (3)“. Verraten Sie uns, worum es in diesem Band geht?

Uh, das ist eine knifflige Frage. Ich würde gerne schon sehr ausgedehnt über das Buch sprechen, aber das geht leider nicht. Nach dem Finale des zweiten Bandes sind die restlichen „Helden“ in einem ziemlich desolaten Zustand. Und ohne Tharador scheint es beinah unmöglich, das Buch Karand zu vernichten. Der dritte Band wird sich wieder anders lesen, als die beiden Vorgänger. Man wird dem Text anmerken, dass ich als Autor weiter gereift bin und es wird wieder die ein oder andere Überraschung geben. Aber diesmal ist das Ende wirklich ein Schlusspunkt.


Wie lange haben Sie an dem Roman gearbeitet?

Inklusive der Planung, ca. ein Jahr. Ich könnte schneller sein, aber nebenbei fordert das Studium noch einen großen Teil meiner Zeit.


Wie lernen Sie Ihre Figuren kennen? Erstellen Sie eine Art Checkliste? Interviewen Sie Ihre Figuren?

Das ist unterschiedlich. Ich führe keine Interviews, wobei das vielleicht gar keine schlechte Idee ist. Vielmehr lege ich grundlegende Charaktereigenschaften und Ziele fest. Dann ein passendes Äußeres und ich überlege mir, wie intelligent die Figur sein soll. Mit diesen Eckdaten kann man dann gut arbeiten.


Sie arbeiten sicher bereits an dem nächsten Roman. Worauf können sich Ihre Fans freuen?

Ich fürchte, darüber darf ich noch viel weniger sagen. Noch steht das Cover nicht fest und auch der Klappentext nicht. Aber ich verrate mal soviel: Es werden sich einige Elemente darin wiederfinden, die man momentan als „Dark Fantasy“ oder „Dunkle Spannung“ bezeichnet. Der ganze Text wird deutlich düsterer werden und deutlich vielschichtigere Charaktere präsentieren.
Auf temporeiche Kämpfe kann und werde ich aber nicht verzichten.


Haben Sie bestimmte Rituale, die Sie beim Schreiben einhalten, beispielsweise eine feste Schreibzeit oder eine festgelegte Seitenzahl pro Tag?

Eigentlich nicht. Ich schreibe, wann ich immer ich die Zeit dafür finde, aber pro Tag mindestens zwei Stunden. Dann schaffe ich knapp 6 Seiten oder 1.500 Worte. Manchmal höre ich diverse Soundtracks dabei, manchmal bevorzuge ich komplette Stille. Die Tageszeit spielt auch eine untergeordnete Rolle – nur ausgeschlafen muss ich sein.


Planen Sie Ihre Romane erst bis ins kleinste Detail, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen oder schreiben Sie einfach drauflos?

Ich plane ca. 80%. Ich weiß, wie die Geschichte enden wird und kenne die Schlüsselstellen der Handlung. Aber ich bleibe offen für Geistesblitze. Ein zu enges Korsett würde mich behindern, ein zu lockeres aber auch, da der Geschichte dann der Fokus abhanden kommen könnte.


Wie kann man sich einen Tag in Ihrem Leben vorstellen, wenn Sie an einem Roman arbeiten?

Da ich recht anfällig für Ablenkungen bin, brauche ich immer mal eine Stunde „Vorlauf“. In dieser Zeit surfe ich im Internet, poste in Foren oder schreibe in meinen Weblog, den ich leider ein wenig stiefmütterlich behandle. In dieser Zeit versuche ich auch vorausschauend alle möglichen Ablenkungen auszumerzen, sodass ich wirklich eine bis zwei Stunden konzentriert arbeiten kann. Das gelingt leider nicht immer. Vor allem im Moment, denn da ist ein kleiner Bernersennen Welpe, der eben nicht versteht, dass ich mal nicht mit ihm spielen kann. Und man kann ihm das auch wirklich nicht abschlagen *lacht*


Wie gehen Sie mit Kritik an Ihren Werken um?

Das war vor allem zu Beginn sehr schwierig. Da fühlte ich mich gerne mal direkt angegriffen. Heute lese ich solche Kritiken ganz anders. Als erstes interessiert mich, ob der Kritiker die Aussage des Textes, die ich intendierte, verstanden hat. Sollte das der Fall sein, lese ich die Kritik sehr aufmerksam und überlege, ob ich die Kritikpunkte nachvollzieren kann. Kam meine Aussage gar nicht an, dann versuche ich herauszufinden, warum das so ist. In beiden Fällen KANN eine Kritik mir helfen mich zu verbessern. Manchmal muss man aber auch einfach sagen, dass sie voller Subjektivität sind und dann leider ziemlich unbrauchbar.


Was lesen Sie selbst gerne?

Fantasy und Science Fiction. Aber auch gute Krimis und Thriller.


Haben Sie neben Ihrem Studium und dem Schreiben von Romanen noch Zeit für Familie und Hobbies?

Ja, die Zeit nehme ich mir natürlich. Den Welpen habe ich ja schon erwähnt, aber auch die Zeit mit meiner Partnerin ist mir überaus wichtig. Da tanke ich Kraft, kann abschalten und kriege den Kopf frei. Aber mir geht es da leider wie vielen anderen Menschen auch: Vierundzwanzig Stunden sind einfach zu wenig Zeit an einem Tag.


Gibt es etwas, dass Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Sich selbst treu bleiben, ist mit das schwierigste, aber auch erreichenswerteste Ziel im Leben.
Und natürlich bin ich nicht traurig, wenn man meine Bücher kauft *g*


Ich danke Ihnen für das Interview.

Und ich danke für das entgegengebrachte Interesse.

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