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Depression wird entweder verharmlost oder als „Krankheit“ verteufelt – so wird nicht einmal die Hälfte der Depressiven erfolgreich behandelt. Der Autor schlägt einen völlig neuen Weg ein, der den Betroffenen Mut macht, sich aus ihrer depressiven Entwicklung selbst zu befreien. Er verknüpft die persönliche Lebensgeschichte des Einzelnen mit seiner Depression und betont, das sie keine Krankheit ist, sondern ein falsch gelerntes und damit falsch gelebtes Leben, aus dem sich jeder befreien kann.

„Der Psychotherapeut Josef Giger-Bütler unterstützt seine Leser dabei, neue Denkmuster aufzubauen und Veränderungen zu wagen, sich aber nicht zu überfordern.“ STERN Gesund leben

Dr. Josef Giger-Bütler ist Psychotherapeut mit eigener Praxis in Luzern. Seit vielen Jahren ist er auch auf die Therapie und Heilung von Depressionen spezialisiert. Er hat schon drei Bestseller über die Depression geschrieben.

 

Depression ist keine Krankheit 

Autor: Josef Giger-Bütler
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: 2012
ISBN: 978-3-407-85940-2
Seitenzahl: 214 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe


Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
Der Autor ist Psychotherapeut und hat sich insbesondere der Therapie von Depressiven gewidmet. Dabei hat er immer klarer in Erfahrung gebracht, dass es sich bei der Depression nicht um eine Krankheit, die jeden schlagartig „befallen“ kann, handelt, sondern um eine Anpassungsleistung, die eigentlich normal ist. Depressive sind also nicht krank – sie kümmern sich nur nicht genug um sich selbst. Stets sind sie darauf bedacht, für andere da zu sein, nehmen sich aber selbst nicht als wichtig wahr. Die Wurzeln dieses Verhaltens liegen in der Kindheit. Ein Kind nimmt z.B. wahr, dass die Mutter völlig überfordert ist und entwickelt besondere Antennen für ihr Wohlbefinden, um das es schlecht bestellt ist. Es fängt an, sich um alles zu kümmern und vergisst darüber, Kind zu sein und Selbstfürsorge zu lernen. Depressionen sieht man den meisten Menschen zunächst nicht an, was den Leidensdruck zusätzlich erhöht. Trotzdem ist sie schon die ganze Zeit da – und tritt nich erst schlagartig auf, wenn sie nach außen hin sichtbar wird. Dieser Punkt ist lediglich eine natürliche Folge einer depressiven Entwicklung. Doch weil es sich bei der Depression um keine Krankheit, sondern um ein falsch gelerntes Verhaltensmuster (nicht auf sich selbst achten, nur auf andere ausgerichtet sein etc.) handelt, kann man sie auch überwinden. Wie der Ausstieg aussehen kann, beschreibt der Autor zum Schluss. Im Mittelpunkt muss immer der Depressive selbst stehen – er muss lernen, auf sich zu achten und Antennen zu entwickeln, die nach innen gehen und nicht immer nur nach außen. Das ist ein schwieriger Prozess, aber es ist durchaus machbar – und notwendig!

Der Autor beschreibt ausführlich, was es bedeutet depressiv zu sein und erklärt sein Verständnis von Depression. Wichtig dabei ist, dass er durchaus einräumt, dass eine Depression auch häufig mit körperlichen Leiden einhergeht. Eigentlich ist es ja klar, dass man sich nicht über viele Jahre hinweg sich selbst gegenüber schlecht verhalten kann, ohne dass dies körperliche Folgen hat! Weiterhin geht Giger-Bütler darauf ein, was alles keine Depression ist, aber oft dafür gehalten wird. Dies führt zu schlimmen Vorurteilen und zum bekannten Bild des „durchhängenden Depressiven“, der nichts auf die Reihe kriegt. Das ist ein Irrtum! Depressive Menschen sind über weite Strecken sehr viel leistungsfähiger als Menschen, die sich nicht permanent überfordern. In unserer ausgeprägten Leistungsgesellschaft führt das leider zu einer immensen Verschärfung des Problems. Weiterhin erklärt der Autor, welche Rolle die depressiven Muster spielen und wie sie aussehen. Schließlich geht es um die Entwicklung einer Depression – hier erfolgt eine Einteilung in „latente Depression“, „Vormanifestdepression“ und schließlich die „manifeste Depression“. Zuletzt dreht sich alles um den Ausstieg. Wie kann man aus den Mustern ausbrechen? Was sollte sich ändern und im Mittelpunkt stehen?

Josef Giger-Bütler schreibt sehr klar und verständnisvoll – man spürt eine Art Wärme, die von seiner Sprache ausgeht. Hier findet man nicht den nüchternen, kühlen Ton, der sonst in Büchern zum Thema vorherrscht, die auch viel mit dem Faktor Angst arbeiten. Ich fand den Stil auf alle Fälle sehr ansprechend.

Das Buch richtet sich an Menschen, die sich mit dem Thema Depression auseinandersetzen möchten – sei es, weil sie selbst oder jemand aus ihrem Umfeld betroffen ist, oder aus anderen Gründen dafür interessieren. Auch Therapeuten kann man dieses Buch nur ans Herz legen. Ich habe es im Rahmen einer (kulturwissenschaftlichen) Arbeit zum Thema gelesen und es hat mir die Augen geöffnet. Ich habe sehr viel Literatur zum Thema (auch viele Zeitungsartikel, weil ich über den Wandel der Wahrnehmung der Depression in der Öffentlichkeit schreibe) gelesen und kann bestätigen, dass tatsächlich überwiegend mit Angst gearbeitet wird. Von diesen oft reißerisch aufgemachten Artikeln (und auch Büchern zum Thema) hat sich dieses Buch auf sehr angenehme Weise abgehoben.


Aufmachung des Buches
Das Buch ist fest gebunden. Das Cover ist schlicht in Grün- und Gelbtönen gehalten. Zur Farbe Grün fällt einem natürlich gleich Hoffnung ein und auch das Gelb stimmt positiv – so wie dieses Buch! Ich finde es gut, dass hier nicht mit der Darstellung eines „klassischen Depressiven“ mit nach unten hängendem Kopf o.ä. gearbeitet wird. Der Innenteil ist übersichtlich gestaltet. Immer wieder findet man Kästen, in denen essentielle Aussagen noch einmal kurz zusammegefasst werden.


Fazit
Ich fand das Buch sehr gut lesbar und halte es für wichtig, dass hier ein Thema, das in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle spielt, mal auf eine andere, weniger angsteinflößende und vorurteilsbehaftete Weise aufgerollt wird. Ich kann es nur empfehlen!


alt


Hinweise
Rezension von Sigrid Grün


Dieses Buch kaufen bei: amazon.dealt

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