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Claudia Brendler


Claudia Brendler kennt man vor allem als Teil des Musik-Comedy-Duos Queens of Spleens. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin, Comedian und Musikerin in Frankfurt. „Eiertanz“ ist ihr erster Roman, der bei Droemer-Knaur im März 2012 erschienen ist.


Liebe Frau Brendler, ich danke Ihnen herzlich, dass Sie sich Zeit für ein Interview nehmen! Wie genau sind Sie eigentlich zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich schon als Kind. Ich konnte schon sehr früh lesen und die ersten Buchstaben kritzeln und schnell wurden Bücher und eigene kleine Geschichten ein großer Teil meines Lebens. Aufgehört mit dem Schreiben habe ich vorübergehend während des Musikstudiums, aber dann bald gemerkt, dass es nicht ohne geht.


Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht gerade schreiben?

Musik hören oder selbst spielen, lesen, mir Cartoons anschauen, Zwangssport, möglichst draußen, denn beim Schreiben bewegt man sich doch sehr wenig. Reisen – dies sehr gern und oft, aber meist mit Schreiben verbunden. Zeit mit meinem Freund und Freunden verbringen.


Was macht Ihnen mehr Spaß, die Arbeit als Comedian, Musikerin oder Autorin?

Im Moment macht mir die Arbeit als Autorin am meisten Spaß, die ja durch die Arbeit an komischen Büchern oder Stücken auch stark mit der Arbeit als Comedian verknüpft ist. Musik ist mir auch beim Schreiben sehr wichtig, das fängt beim Sprachrhythmus und der Melodie der Sätze an, auch höre ich mitunter bestimmte Musik beim Schreiben, und stelle mir Musik zu einzelnen Szenen vor. Bei Lesungen spiele ich Gitarre, um diese musikalische Stimmung der Szenen wiederzugeben, auch, um sie lustig zu untermalen.


Haben Sie einen bestimmten Platz/Ort, an dem Sie besonders gut schreiben können? Oder gar Schreibrituale (jeden Tag xy Seiten schreiben beispielsweise)?

Sich eine bestimmte Seitenzahl pro Tag vorzunehmen, ist mitunter sehr angebracht, gerade, wenn die Zeit drängt. Dann bin ich froh, wenn ich an einem guten Tag ein paar Seiten mehr schaffe, weil es nicht immer so fließt und ich auch oft Zeit brauche, den Plot noch einmal zu überdenken. Besondere Plätze habe ich nicht, gerade auf Reisen schreibe ich überall und unter den seltsamsten Umständen, aber es gibt Tageszeiten, an denen ich kreativer bin, bei mir der frühe Morgen, die nutze ich aus. Und da ich weiß, dass ich nachmittags meine überkritische Phase habe, versuche ich, zwischen 15 und 18 Uhr nicht alles zu löschen, was mir vielleicht am nächsten Morgen wieder gefällt.


Wie schafft man es Ihrer Meinung nach, einen Verlag von sich zu begeistern?

Durch disziplinierte und professionelle Arbeit. Und durch eine gute Agentur. Aber erst kommt die Arbeit, die tägliche Arbeit am Text, der Austausch mit anderen Schreibenden, das Zulassen von Kritik, das Lernen von anderen, in Workshops/Kursen, Studium oder mit einem Mentor/Mentorin.


Wie lange haben Sie an „Eiertanz“ gearbeitet?

Ein Jahr. Allerdings gab es in diesem Jahr sehr intensive Zeiten, in denen ich Tag und Nacht sozusagen in diesem Roman gelebt habe.


Wie viel von Ihnen steckt in der Hauptfigur Gina?

Weniger als man meinen könnte. An eigenen Erfahrungen ist höchstens meine Angst vor Kühen oder Ballettunterricht in der Kindheit eingeflossen, der mir allerdings weniger verhasst war als Gina. Die Arbeit in der Comedybranche ist mir natürlich vertraut, durch eigenen Kontakt mit den Agenturen, so weiß ich, was Gina in der Lachschmiede zu tun hat. Ansonsten habe ich für sie und ihre Persönlichkeit/ihre Verhaltensweisen relativ viel recherchiert oder beobachtet. Ich bin nämlich ein vollkommen anderer Typ als Gina und von dieser Art zupackender Tüchtigkeit – auch wenn sie nicht immer gut ausgeht! – in praktischen Dingen weit entfernt. Auch zu den jagenden Männern und den weiblichen Rehen habe ich eine etwas gelassenere Einstellung.


Kann man eigentlich als „Hessin“ einen Roman über die bayrischen Landsleute schreiben?

Da ich mich sehr oft in Bayern aufhalte, auch auf Gastspielen, den Dialekt liebe und die Gegend gut kenne, würde ich in meinem Fall einmal vorsichtig ja sagen. Allerdings war auch hier sehr viel Recherche nötig, ebenfalls zwei Schreib-Aufenthalte in einem kleinen bayerischen Ort, wo mir viele Ideen zu Details kamen.


Hatten Sie eine professionelle „Übersetzungshilfe“ fürs Bayrische?

Anfangs nicht, da ich mit Bayerisch einigermaßen vertraut bin und viel in Mundartwörterbüchern und Texten gestöbert habe. Aber dann haben wir beschlossen, dass ein bayerischer Sprachcoach alles überprüfen sollte und ich habe einen Autorenkollegen gefragt. Seine Arbeit war wunderbar, sehr hilfreich, äußerst sprachsensibel und hat ganz viel gebracht – gerade was die geschriebene Aussprache betrifft oder typische Formulierungen. Da hob i wieda gemerkt, dass i a Preissin bin, kruzifixnoamoi!


Planen Sie aktuell bestimmte neue Romanprojekte? Wenn ja, wollen Sie ein wenig darüber verraten?

Im Moment schreibe ich die Fortsetzung vom Eiertanz. Die Leser werden auf viele bekannte Neuenthaler treffen, aber natürlich kommen auch neue Figuren ins Spiel, und wie, olala! Es geht um verruchte Skandale und eine bayerisch-französische Amour fou. Französisches Savoir vivre trifft bayerisches Mia san Mia.


Als Autorin lesen Sie bestimmt selber gerne, oder? Wenn ja welche Bücher, Autoren oder Genres mögen Sie am meisten?

Ich lese natürlich viel in meinem Bereich, dem Komischen, auch Chicklit und Regio. Wobei meine Lieblinge im Komischen auch und vor allem Cartoonisten/Schriftsteller wie Robert Gernhard und F.K. Wächter sind. Ansonsten lese ich querbeet, auch viel „ernste“ Literatur, sehr gerne Road-Novels und relativ viel Lyrik.


Vervollständigen Sie bitten den Satz: „Schreiben ist für mich …“

... Alltag, Freude und auch mal Haareraufen.


Und zum Schluss: Gibt es noch etwas, dass Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Lasst uns alle mit freiem Geist und möglichst wenig Vorurteilen lesen, immer wieder Freude an der Sprache haben ... und Geduld mit weniger zugänglichen Texten ;) Schön ist, dass es diese Seiten und diesen regen Austausch darüber gibt!

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