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Was würdest du opfern, um deine Familie zu schützen?

Claires Leben ist so, wie sie es sich immer erträumt hat. Mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter lebt sie in der Hafenstadt Brighton. Julian und sie sind ein echtes Team und Bea ihr ganzes Glück. Nichts, glaubt Claire, kann ihre heile Welt erschüttern. Doch dann stößt sie eines Tages zufällig auf E-Mails. Sie sind an Julian adressiert, und die Botschaft ist eindeutig: Ihr Mann, der als Staatsanwalt arbeitet, soll eine wichtige Information preisgeben, sonst geschieht Bea etwas Schreckliches. Claire ist außer sich, dass Julian ihr nichts von der Erpressung erzählt hat. Dass er sich weiter vor ihr verschließt. Den Drohungen nicht nachgeben will. Und dann ist plötzlich Bea fort.

 

Beim Leben_meines_Kindes 

Originaltitel: Where the Truth Lies
Autor: Julie Corbin
Übersetzer: Sabine Schlimm
Verlag: rowohlt
Erschienen: 03/2012
ISBN: 978-3499257421
Seitenzahl: 448 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Claire ist selbst Anwältin und weiß daher genau, wie schwierig die Arbeit ihres Mannes ist. Als er wegen eines brisanten Falls verreisen muss, hat sie daher volles Verständnis. Aber dann stellt sie fest, dass er ihr offenbar verschwiegen hat, dass er wegen genau dieses Falls erpresst wird. Claire kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass ihr Mann seine Arbeit offenbar über die Sicherheit ihrer Familie stellt und ist vollkommen außer sich, hat sie doch auch noch andere Sorgen: ihre schwerkranke Schwester zieht bei ihnen ein, Beas Kindergärtnerin benimmt sich ausgesprochen merkwürdig und die türkische Köchin Sezen hat offenbar auch ein Geheimnis. Claire versucht, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, weiß aber gar nicht, gegen wen sie da eigentlich antritt …

Allein die Idee, ein gefährlicher Krimineller könnte so brutal in das Leben der eigenen Familie eindringen, lässt einen schon schaudern. Was Julie Corbin daraus macht, kann leider nur teilweise überzeugen, einige Längen und manchmal etwas konstruiert wirkende Zusammenhänge lassen die an sich gute Idee verblassen.


Stil und Sprache
Julie Corbin konzentriert sich vollkommen auf ihre zentrale Figur, die in ihrem Mutter-Dasein völlig aufgehende Claire. Ausschließlich aus ihrer Sicht in der Ich-Form erzählt diese die Geschichte, die Gegenwartsform erzeugt beim Leser das Gefühl von Unmittelbarkeit und gibt dem Geschehen – zumindest anfangs - Tempo. Sehr ausführlich berichtet Claire, dabei geht sie sehr intensiv auf ihre Empfindungen und Ängste ein, was zu Beginn nicht weiter störend ist, aber gegen Ende schon etwas übertrieben wirkt.
Auch der Aufbau der Geschichte ist nicht hundertprozentig gelungen, hier laufen einfach zu viele Menschen durchs Bild, die etwas zu verbergen haben. Lange spekuliert Claire ohne irgendwelche Beweise vor sich hin, dann geht alles plötzlich Schlag auf Schlag und auf den letzten 30 Seiten werden mal eben alle Schicksale entschieden - nein, so geht das nicht! Hier hat wirklich jeder und jede etwas zu verbergen und dabei sind dann auch so einige Dinge extrem weit hergeholt, so viele Zufälle auf einmal wirken dann doch etwas unglaubwürdig.

Stilistisch ist „Beim Leben meines Kindes“ weder besonders gut noch besonders schlecht geraten. Flüssig zu lesen ist es allemal und die Autorin bemüht sich, einige schöne Bilder im Kopf ihrer Leser zu erzeugen, aber das ist es auch schon. Als leichte Lektüre gut geeignet, hatte ich nach dem Debüt der Autorin (Dann schweige für immer) schon etwas mehr erwartet.


Figuren
Wie schon erwähnt, liegt der Focus der Handlung auf Claire, die ausschließlich aus ihrer Sicht die Ereignisse schildert. Sie ist eine Frau, die ihr Leben aus eigenem Antrieb völlig umgekrempelt hat: War sie zunächst als Anwältin lange erfolgreich, so hat sie sich irgendwann ganz auf ihre Rolle als Mutter konzentriert und geht darin völlig auf. Die kleine Bea ist ihr Ein und Alles und die Arbeit ihres Mannes Julian interessiert sie nur am Rande. Diese Haltung kann ich persönlich nicht ganz nachvollziehen, insbesondere ist mir nicht begreiflich, warum Claire sich selbst und ihr ganzes Leben so sehr reduziert. Aber das wird sicher jeder anders beurteilen, sympathisch ist sie trotzdem und in ihrer Art gut dargestellt. Man kann als Leser ihre Gefühle gut nachempfinden, fühlt sich ihr nahe und kann ihre Motivation verstehen.

Auch die Nebenfiguren kommen alle zu ihrem Recht, von Claires weiterer Familie über Julians Kollegen, den Polizisten Mac bis hin zur Kindergärtnerin, der Köchin der Familie und weiteren Freunden und Bekannten. Sie alle sind präzise beschrieben und werden vor dem inneren Auge des Lesers sofort lebendig.


Aufmachung des Buches
Das Taschenbuch zeigt auf dem ganz in verschiedenen Brauntönen gehaltenen Cover einen Holzsteg, der auf ein Gewässer hinausführt. Eine Möwe fliegt auf den Betrachter zu und vermittelt zusammen mit dem angedeuteten Sonnenuntergang eine eher romantische Atmosphäre. Innen gibt es 21 relativ lange Kapitel, die wiederum in kürzere Abschnitte untergliedert sind.


Fazit
„Beim Leben meines Kindes“ schildert eindringlich, wie leicht eine heile Welt ins Wanken geraten kann, wie schnell ein scheinbar sicheres Leben sich ins Gegenteil verkehren kann. Für echte Thriller-Freunde sicher weniger geeignet, für alle anderen durchaus lesenswert.


3 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.dealt

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