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Vergesst Brokkoli, Wellness und Joggen!

Denn die wahren Gründe für ein lebenslanges Glück liegen woanders, das haben die Autoren in einer weltweit einzigartigen Studie herausgefunden. Charakter, das soziale Umfeld und Herausforderungen in der Arbeit führen zu lang anhaltender Gesundheit. Das Buch enttarnt auf lockere und verständliche Weise weitverbreitete Mythen und zeigt anhand von Selbsttests und Beispielen neue und erfolgreiche Strategien auf, um gesund zu bleiben und glücklich alt zu werden.

„Die neuen Rezepte für lebenslanges Glück.“ Brigitte

„Dieses wunderbare Buch erklärt, warum manche gesund alt werden, während andere krank werden und früh sterben. Jeder, der daran interessiert ist, gesund ein hohes Alter zu erreichen, sollte es lesen.“ Elisabeth Loftus, Professorin für Sozioökologie. University of California

 

Die Long-Life Formel 

Originaltitel: The Longevity Project
Autor: Howard S. Friedman, Leslie Martin
Übersetzer: Andreas Nohl
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-407-85939-6
Seitenzahl: 317 Seiten

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Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
Das vorliegende Buch ist eine neue US-amerikanische Studie, die sich auf Daten stützt, die bereits seit 8 Jahrzehnten von den Teilnehmern der sogenannten Terman-Studie gewonnen werden. Für die Ursprungsstudie wählte der Psychologe und Eugeniker (!) Lewis Terman zu Beginn der 20er Jahre 1.528 als hochbegabt eingestufte Schülerinnen und Schüler von verschiedenen Schulen im kalifornischen San Francisco aus. 80 Jahre später werteten Friedman uns seine Kollegen die Daten im Bezug auf die Lebenserwartung aus und versuchten, Rückschlüsse daraus zu ziehen, welche Bedingungen sich positiv und welche sich negativ auf die Lebenserwartung auswirkten. „Die Long-Life-Formel“ ist also eine Zusammenfassung der Studienergebnisse (in gut lesbarer Form), verbunden mit Fragebögen, die einen Selbsttest ermöglichen und Hinweisen, um die eigene Lebensspanne zu verlängern.

Das Buch ist interessant und gut verständlich geschrieben. Die Erkenntnisse werden anhand von konkreten Studienteilnehmern erläutert, was sehr anschaulich ist. Auch die Selbsttests sind für jeden verständlich – die Auswertung schließt sich immer unmittelbar an. Woran ich mich allerdings ziemlich gestoßen habe, ist der Inhalt. Die „Terminatoren“ (Auswerter) ignorieren nämlich zahlreiche Zusammenhänge. Die wichtigsten Faktoren, die sich auf die Lebensspanne auswirken, sind der „Longevity Project“-Studie zufolge etwa diese hier:

  • Klugheit, Beständigkeit und Disziplin verlängern das Leben

  • Scheidung der Eltern verkürzt das Leben um bis zu 5 Jahre (während der Tod eines Elternteils fast keinen Einfluss auf die Lebensspanne hat)

  • eigene Scheidung(en) verkürzen in bestimmten Fällen das Leben (z.B. bei Männern)

  • Sport spielt nicht die Rolle, die man meint – jeder ist ein anderer Bewegunstyp und analog ist auch nicht alles für jeden gut

  • Erfolg in einem harten und angesehenen Beruf verlängern das Leben, während die Fähigkeit „Fünfe grade sein“ zu lassen, es verkürzt

  • Freunde, Familie und soziale Netzwerke wirken sich positiv auf die Lebensspanne aus

  • eine Polypille, in der „alle guten Dinge“ drinstecken, würde nicht viel bringen

Friedman selbst fasst die wichtigsten Punkte auf Seite 229 zusammen: „Diszipliniertheit und Gewissenhaftigkeit, gute Ehe, gesunde Verhaltensweisen und harte Arbeit in einem erfolgreichen Beruf“ - wobei mit der guten Ehe sowohl die eigene als auch die der Eltern gemeint ist. Komplett ausgeklammert bleibt z.B. die Ernährung, die sehr wohl eine wichtige Rolle spielt. Gerade in den USA wird mit gesunder Ernährung meist eine kalorienreduzierte Ernährungsweise – mit Süßstoff statt Zucker – propagiert. Dass aber Süßstoffe in solchen Mengen gesundheitsschädlich sind, ist längst nachgewiesen.

Zudem lebten die Studienteilnehmer in einer völlig anderen Zeit – die Lebensbedingungen haben sich in den vergangenen 80 Jahren massiv verändert. Insbesondere bei den Frauen wirkt sich dies sehr stark aus. Als die Ursprungsstudie gestartet wurde, errangen die Frauen gerade mal das Wahlrecht. Viele Berufe, die heute mittlerweile von Frauen ausgeübt werden, waren damals fest in männlicher Hand. Auch die Quote an weiblichen Rauchern, Trinkern und Drogenkonsumentinnen hat sich dramatisch geändert. Zudem muss man als deutscher Leser berücksichtigen, dass die gesellschaftliche Struktur in den USA eine andere als bei uns ist – und auch die kulturell bedingte Werteordnung ist nicht dieselbe. In den USA spielt z.B. die Möglichkeit des Einzelnen „sein Glück zu machen“ eine so große Rolle, dass dieser „pursuit for happiness“ sogar in der Verfassung festgelegt ist. Und diese kulturell bedingten Denkweisen hat nunmal auch jeder amerikanische Wissenschaftler verinnerlicht. Das verstellt oft den Blick.

Häufig hat man hier das Gefühl, dass die Auswerter ziemlich im Trüben fischen. Friedman und seine Kollegen ziehen zwar interessante Schlüsse, aber ob es auch die richtigen sind, ist fraglich – vielfach drängt sich der Verdacht auf, dass einiges ausgeklammert bleiben muss, etwa der bereits erwähnte Blick durch die kulturelle Brille: Natürlich ist es in den USA naheliegend festzustellen, dass die besonders hart arbeitenden Teilnehmer älter wurden und Stress in der Arbeit das Leben verlängert. Es gibt kaum eine derart ausgeprägte Leistungsgesellschaft wie in den USA. Entsprechende Zitate sind etwa:

  • „Der Erfolgsdruck bringt Sie nicht um, er macht Sie stärker.“ (S. 194)
  • „Dirigenten, Firmenvorstände und Chefs aller Art leben in der Regel länger als ihre Untergebenen.“ (S. 196)
  • „Nicht die glücklichsten oder die entspanntesten älteren Teilnehmer lebten am längsten, sondern diejenigen, die sich am meisten für das Erreichen ihrer Ziele engagierten.“ (S. 206)
  • „Ehrgeiz war kein Problem, und Fünfe gerade sein lassen war nicht gesund.“ (S. 283)

Auch viele weitere Punkte sind vielleicht auf die Bedingungen in den USA anwendbar, aber nicht auf die Voraussetzungen, von denen man hier in Deutschland ausgehen kann. Wir haben z.B. ein anderes – sozialeres und in vielerlei Hinsicht besseres – Gesundheitssystem als die Amerikaner.
Trotzdem liefert die Studie zahlreiche interessante Denkanstöße, was den eigenen Lebensstil angeht. Das Buch eignet sich für alle Leser/innen, die an Lebensstilforschung und an einem langen Leben interessiert sind – und das dürften wohl ziemlich viele sein.


Aufmachung des Buches
Das Buch ist fest gebunden. Auf dem elfenbeinfarbenen Cover sind Titel, Untertitel und die Autorennamen, sowie die Abbildung eines Elefanten, der für seine Langlebigkeit bekannt ist, zu sehen. Ich finde es gut, dass die Aufmachung nicht zu reißerisch daher kommt.


Fazit
Die Long-Life-Formel liefert viele interessante Denkanstöße, klammert aber definitiv zu viele Aspekte aus. Eine spannende und in vielerlei Hinsicht auch erhellende Lektüre ist das Buch aber auf jeden Fall.


alt


Hinweise
Rezension von Sigrid Grün


Dieses Buch kaufen bei: amazon.dealt

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