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Ein windumtostes Kloster, verlassen in den Bergen der Sierra Nevada: Dies scheint Odd Thomas nach dem gewaltsamen Tod seiner Freundin der ideale Zufluchtsort zu sein. Hier will er wieder Ruhe finden. Doch dann verschwindet ein Mönch spurlos und Bodachs tauchen auf, bösartige Schattenwesen und Vorboten blutiger Katastrophen.

 

  Autor: Dean Koontz
Verlag: Heyne
Erschienen: 11/2008
ISBN: 978-3-453-26584-4
Seitenzahl: 399 Seiten 


Die Grundidee der Handlung
Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin („Die Anbetung“) und der blutigen Entführung seines besten Freundes („Seelenlos“) fühlt sich Odd Thomas tödlich erschöpft. Er kann nicht mehr zu seinem einfachen Job als Schnellimbisskoch zurückkehren. Um endlich Ruhe zu finden, schließt er sich den Brüdern von St. Bartholomew an, einem einsamen Kloster in der Sierra Nevada.
Doch schon bald holen ihn seine übersinnlichen Fähigkeiten wieder ein: Er sieht Bodachs auf dem Gelände, unheimliche Schattenwesen, die nur er wahrnehmen kann. Sie sammeln sich überall dort, wo menschlichen Tragödien bevorstehen, denn sie nähren sich von Todesangst und Verzweifelung. Panisch sucht Odd nach Anzeichen der drohenden Gefahr. Besonders bang ist es ihm um die behinderten Kinder, die im Kloster gepflegt werden: Gerade sie werden von den Bodachs gierig umschwärmt.
Kurz darauf verschwindet ein Mönch spurlos. Und Odd wird von einer Gestalt im Mönchshabit angegriffen, die die reine Bosheit ausstrahlt. Der Kampf gegen das Böse erscheint aussichtslos ...


Stil und Sprache
Das Buch ist, wie auch schon die beiden Vorgänger, in der Ich-Form aus Sicht von Odd Thomas erzählt. Er verfasst ein Manuskript, weil er damit die Geschehnisse besser verarbeiten kann. Wer Odd Thomas kennt, weiß, dass es da eine ganze Menge zu verarbeiten gibt, denn irgendwie zieht Odd merkwürdige Geschehnisse magisch an. Auch dieser Roman schildert einen Tag im Leben von Odd. Er beginnt gegen Mitternacht und ist in der folgenden Nacht gegen 23 Uhr beendet. In diesen knapp 24 Stunden bleibt dem Leser kaum Zeit um Atem holen. Die Geschehnisse überschlagen sich förmlich.
Wie immer beschreibt Koontz alles sehr ausführlich. So bekommt der Leser einen umfassenden Eindruck. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Odd auf seinen ersten Schnee wartet, schließlich kommt er aus einem Wüstenkaff und da hat man mit Schnee nicht viel am Hut.

Viele wichtige Wendungen tauchen nach längeren Beschreibungen einer ganz anderen Sache in einem kleinen Nebensatz auf. Da empfiehlt es sich als Leser, auch wirklich jeden Satz bis ganz zum Ende zu lesen, sonst hat man unter Umständen die Leiche, die mal eben ganz am Schluss des Kapitels erwähnt wird, überlesen.
Zwischendurch gibt es immer mal wieder kurze Rückblicke auf die Geschehnisse in den beiden vorherigen Büchern. Diese Rückblicke sind notwendig, um die eine oder andere Handlungs- und Denkweise von Odd zu verstehen.

An mehreren Stellen werden zeitliche Bezüge eingebaut. So weiß der Leser, wie viel Zeit nach dem ersten und auch nach dem zweiten. Buch vergangen ist. Solche Zeithinweise finde ich immer ganz hilfreich, um die Entwicklung der Protagonisten zu verstehen und besser verfolgen zu können.
Trotz des Grauens, das sich vor unserem inneren Auge entwickelt, kommt der Humor nicht zu kurz. Es gibt viele Szenen, bei denen ich Schmunzeln musste. Das liegt natürlich in erster Linie an den treffenden Beschreibungen, die es einfach machen, sich in die Situation hinein zu versetzen. Zum anderen aber auch an den gelungenen Dialogen. Es ist einfach klasse zu lesen, in welchem moralischen Dilemma sich die Mönche befinden. Auf der einen Seite wollen sie natürlich die Kinder beschützen, aber darf man dafür jemandem mit dem Baseballschläger den Schädel einschlagen? Auch der Vorschlag, mit dem Baseballschläger nur die Kniescheiben der Angreifer zu zertrümmern, findet nicht die ungeteilte Zustimmung aller Mönche, denn das ist ebenfalls keine besonders christliche Handlung.

Einen kleinen Minuspunkt gibt es für die Auflösung des Ganzen. Das wurde mir stellenweise etwas zu wissenschaftlich, spätestens als der Quantenschaum ins Spiel kommt, konnte ich der Sache nicht mehr ganz folgen. Die Beweggründe des Täters sind jedoch gut nachvollziehbar dargestellt und es verbleiben keine losen Enden.


Figuren
Gleich zu Beginn gibt der Autor eine großzügige Einführung in die Person Odd Thomas. Es gibt ausführliche Erläuterungen zu seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten. Zum einen sieht er die Toten und manchmal kann er ihnen helfen, wenn sie auf dieser Welt noch etwas zu erledigen haben. Und er sieht Bodachs, die Schattenwesen, die sich von Leid und Unheil zu ernähren scheinen und immer da auftauchen, wo sich größere Katastrophen ereignen werden. Diese Fähigkeiten werden dem Leser in wohldosierten Häppchen nahe gebracht. Wir leiden mit Odd, der zwar weiß, dass etwas Schreckliches passieren wird, der aber nicht weiß, was es ist und wann es geschieht. Genau wie Odd machen wir uns Sorgen um die vielen behinderten Kinder, die in dem Kloster betreut werden.

Es gibt viele wunderbare Nebenfiguren, die alle so beschrieben werden, dass der Leser sich sofort mit ihnen identifizieren kann. Es ist spannend zu lesen, was so der eine oder andere Mönch getrieben hat, bevor das Wort Gottes an ihn erging.
Auch bei den Nonnen, die sich um die Kinder kümmern, gibt es interessante Gestalten. Meine eindeutige Favoritin ist Schwester Miriam, die ein Tattoo auf der Innenseite ihrer Unterlippe hat. Wie es dazu kam, soll hier jetzt aber nicht verraten werden.

Da die Geschichte nicht in Odds Heimatort Pico Mundo spielt, fehlen natürlich die von dort vertrauten Charaktere. Einzig Elvis ist wieder mit dabei.


Aufmachung des Buches
Bisher gibt es dieses Buch nur als gebundene Ausgabe. Das Cover ist überwiegend schwarz gehalten, in der Mitte zeichnet sich eine grüne Stelle ab. Dort steht in weißen Buchstaben der Buchtitel, darüber in gelblichen Buchstaben der Name des Autors. Auf diese Buchstaben in der Mitte kriechen von oben und unten jeweils ein Insekt mit riesigen ausladenden Scheren zu. Diese Insekten haben mehr mit dem Wiedererkennungsfaktor der Dean Koontz Bücher als mit dem Inhalt zu tun.

Der Titel „Schattenacht“ ist wieder nicht so richtig passend, aber auf jeden Fall passender als die Titel der beiden vorherigen Bücher mit Odd Thomas. Schließlich handelt dieses Buch ja hauptsächlich von den Bodachs, den Schattenwesen. Mir stellt sich wieder die Frage, warum nicht der Titel des Originals beibehalten wurde: „Brother Odd“.

Das Buch ist in 56 ziemlich gleichlange Kapitel eingeteilt.


Fazit
Für alle Fans von Dean Koontz im Allgemeinen und von Odd Thomas im Speziellen ist dieses Buch ein Muss. Es ist wieder einmal ein „richtiger“ Koontz, was man ja von dem 2. Teil der Odd Serie nicht gerade sagen konnte.
Auch wer die vorherigen Bücher nicht kennt, wird an diesem Buch seinen Spaß haben. Die Spannung bleibt auf relativ gleichem Niveau bis zur Auflösung erhalten und die mit vielen liebevollen Details ausgestatteten Personen wachsen beim Lesen ans Herz.
Ich erwarte mit Spannung den nächsten Band, in dem Odd von einem neuen, doch sehr prominenten Charakter begleitet wird. Wer das ist, wird natürlich an dieser Stelle nicht verraten.


4 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de

Backlist:
Band 1: Die Anbetung
Band 2: Seelenlos

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