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Als Dev Santos eine bewusstlose Frau vor seiner Tür findet, ist er überzeugt, eine Spionin der Medialen vor sich zu haben. Katya hat ihr Gedächtnis verloren. Sie weiß nur noch, dass sie den Auftrag hat, Dev zu ermorden. Doch je näher sie dem verschlossenen Mann kommt, desto stärker fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Können Dev und Katya gemeinsam der tödlichen Falle entfliehen und den Drahtzieher des Komplotts ausfindig machen?

 

Ruf_der_Vergangenheit 

Originaltitel: Blaze of Memory
Autor: Nalini Singh
Übersetzer: Nora Lachmann
Verlag: LYX
Erschienen: März 2011
ISBN: 978-3-8025-8402-2
Seitenzahl: 416 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Devraj Santos ist der Direktor der Shine-Stiftung, einer Einrichtung, die sich um die Verlassenen kümmert. Die Verlassenen sind Mediale, die dem Medialnetz abtrünnig geworden sind, bevor Silentium durchgehend eingeführt wurde - das Programm, das die Medialen zu gefühllosen Robotern machen sollte. Allein durch seine Position ist er bereits ein beliebtes Angriffsziel. Ekaterina Haas ist eine Mediale, die gefoltert und gebrochen wurde nur mit dem Ziel, Dev zu töten. Doch sie bricht vor seiner Türschwelle zusammen. Katya, wie sie von nun an genannt werden will, hat große Lücken in ihrer Erinnerung, was Devs beschützerische Seite anspricht. Während er weiß, dass er ihr nicht trauen darf, fühlt er sich doch immer mehr zu ihr hingezogen. Gleichzeitig wird das Leben der Verlassenen gefährlich, denn der Grund, weshalb Silentium damals durchgeführt wurde, tritt bei ihnen nun auf: Sie werden von ihren psychischen Fähigkeiten überwältigt und gleiten in den Wahnsinn ab, da sie zu viel fühlen. Dev ist verzweifelt auf der Suche nach einem Heilmittel, während Katya sich immer tiefer in sein Leben einschleicht. Schon bald bewundert sie ihn und will ihn gar nicht mehr töten, aber in ihr tickt eine Zeitbombe, denn der, der sie gebrochen hat, hat psychische Fesseln in ihr hinterlassen, die sie jederzeit zu einer Mörderin machen können.


Stil und Sprache
Zwischen die Haupthandlung um Dev und Katya flechtet Nalini Singh diesmal kurze Abschnitte, in denen Briefe einer Frau gezeigt werden, die den Beginn von Silentium miterlebt hat, und die Entscheidungen, die sie daraufhin treffen musste. Außerdem folgen kurze, verwirrende Protokolle einer Station, die erst im Lauf der Geschichte Sinn ergeben. Gerade dieses Puzzle macht das Buch aber sehr spannend. Vor allem das Aha-Erlebnis befriedigt ungemein.

Die dramatischen Entwicklungen in der Beziehung zwischen Katya und Dev gehen zutiefst ans Herz, was dazu führen kann, dass der Leser Taschentücher griffbereit haben sollte. Die innige Zuneigung zwischen den Mitgliedern der Gestaltwandlerrudel oder das Auftreten von kleinen Kindern, die einfach zu goldig sind, berührt vor allem Leser, die der Reihe seit Beginn folgen. Mitunter steckt hinter den nun frei und fröhlich agierenden Figuren eine dramatische Geschichte. Im direkten Gegensatz dazu liegen die Szenen, die bei den Medialen spielen und die sich durch kühles Taktieren und rationales Abwägen auszeichnen. Macht wird groß geschrieben, während die Gestaltwandler sich von ihren Gefühlen leiten lassen. Dadurch wird der Unterschied der Verlassenen zu den Medialen klar, denn sie handeln eher wie die Gestaltwandler und viel emotionaler als die Medialen. Sehr schön wurde gelöst, dass die Medialen, die Silentium einführten, das Überleben ihrer Rasse im Sinn hatten und daher nicht komplett als Böse eingestuft werden können. Obwohl die Seiten der Konflikte klar sind, zeigt sich auch, dass es Grauzonen gibt, die Singh mit ihren Erzählungen großartig auslotet.


Figuren
Devraj Santos' Fähigkeiten, eine so große Organisation zu leiten und die Verantwortung für die Verlassenen, die auf seinen Schultern ruht, hat schon früh dazu geführt, dass er seine angeborene Affinität zu Metall kultiviert hat. Er zieht die Kühle von Eisen an sich und benutzt sie, um sich gefühlloser zu machen. Seine traumatische Kindheit flackert zwischendurch auf, hält ihn aber nicht davon ab, ein vollwertiger Mann zu sein, der es gewohnt ist, harte Entscheidungen zu treffen. Seine Zuneigung zu Katya überrascht ihn auf positive Art und bringt eine spielerische Seite an ihm zum Vorschein.
Katya, vormals Ekaterina Haas, war früher Gehilfin in einem Forschungslabor. Ihr Talent liegt in ihrem medizinischen Wissen. Durch die Folter wurde ihr Geist zwar gebrochen, aber bei weitem nicht so sehr, dass sie ihren innersten Wesenskern verloren hätte. Sie besitzt eine innere Stärke, die es ihr erlaubt, weiterzuleben. Als Mediale sollte sie Körperkontakt scheuen, durch die Isolation ihrer Gefangenschaft aber benötigt sie Devs Wärme und sucht diese auch selbst. Die leidenschaftlichen Aufeinandertreffen der beiden zeigen, dass sie sich ebenbürtig sind.

Die Nebenfiguren werden ebenfalls ausgearbeitet und haben Potential, eigene Bücher zu erhalten. Die Gruppe der Medialen erhält nur wenige Szenen, wird darin aber perfekt charakterisiert: machthungrig, skrupellos und emotionslos. Die Verlassenen um Dev zeigen sich viel offener und diskutieren auch über Meinungsverschiedenheiten sehr lebhaft. Besonders schön ist die Idee, dass die Verlassenen im Gegensatz zu den Medialen ein Schattennetz besitzen, in das sie sich psychisch einklinken können und das ziemlich wirr ist. Dies spiegelt ihre Individualität wieder, während das Medialnetz ein strukturiertes Geflecht von Geistern ist.


Aufmachung des Buches
Das Cover ist diesmal ein wenig irreführend, auch wenn es im Stil der bisherigen Reihe angefertigt wurde, denn es geht nicht um einen Gestaltwandler. Der Rücken eines Mannes mit Leopardenmuster an der Schulter steht vor einem wirbelnden goldenen Netz, einem Baum und einer flirrenden Wasserfläche. Der Titel wurde mit glänzendem roten Druck versehen. Auf der Rückseite ist wieder der Rücken zu sehen, allerdings eher im dunkeln Hintergrund, und darüber die Inhaltsangabe. In der vorderen Umschlagklappe befindet sich eine ausführlichere Inhaltsangabe, in der hinteren ein Foto und eine Biografie der Autorin, sowie die richtige Lesereihenfolge. Ein wirbelndes Muster stellt den Hintergrund unter den Klappen dar.


Fazit
Endlich mal wieder ein Buch, das zutiefst berührt und den Leser mitreißt. Die Handlung verlangt nach ein paar Taschentüchern - vor allem am Ende - und ist dabei in eine große Welt eingebunden, von der man nicht genug bekommen kann.


5 Sterne


Hinweise
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Backlist:
Band 2: Jäger der Nacht 
Band 3: Eisige Umarmung
Band 4: Im Feuer der Nacht
Band 5: Gefangener der Sinne
Band 6: Sengende Nähe 

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