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Janine_Sander_2011_klein


Hallo Frau Sander. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen. Stellen Sie sich doch einmal kurz selbst unseren Lesern vor.

Hallo. Vor Selbstbeschreibungen drücke ich mich gerne [lacht], darum an dieser Stelle auch nur ganz kurz: Ich bin 26 und wohne in Berlin. Auf DeviantArt und Animexx findet man mich unter dem Nick "MrsRabbit". Und nach jahrelangem Widerstand bin ich inzwischen auch bei facebook angemeldet.


Sie zeichnen sich für die Illustrationen in Katja Kobers „Harlekin“-Roman verantwortlich. Wie kamen Sie dazu und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

Mit dem Cursed Side Verlag, bei dem "Harlekin" erschienen ist, hatte ich vorher schon recht engen Kontakt und auch bereits für den Verlag gearbeitet. Bei einer Unterhaltung mit der zuständigen Redakteurin kamen wir auf mögliche Projekte zu sprechen. Einen Manga zu zeichnen trau ich mir bisher erzähltechnisch und auch auf Grund fehlender Zeit nicht zu. Hingegen war ich für Illustrationen zu einem Buch sofort zu begeistern. Ins Gespräch kam daraufhin ein mögliches Buch von Katja. Und da ich bereits von ihren Online-Geschichten ein riesiger Fan war und noch immer bin, musste ich gar nicht groß überlegen. Ich war sofort Feuer und Flamme für das Projekt.
Die Zusammenarbeit war äußerst angenehm. Katja macht es einem wirklich leicht, sich die Charaktere vorzustellen und sich in diese hinein zu versetzen. Auch in die Szenen, die iffllustriert wurden, konnte ich mich recht schnell hineindenken. Ich muss zugeben, ich mag sämtliche Charaktere in dem Buch sehr gerne. Selbst Abel konnte machen was er wollte, ich find ihn trotzdem toll. Für das Zeichnen war das wiederum sehr angenehm. Wenn man eine Person nicht so mag, dann zeichnet man sie auch nicht gern.


Wenn ein Buch von Ihnen illustriert wurde, ist es sicherlich auch irgendwie Ihr Buch und nicht nur das des Autors. Was für ein Gefühl ist es, ein solches Buch gedruckt in den Händen zu halten?

Schwere Frage. Für mich ist es irgendwie Katjas Buch. Es sind ihre Charaktere, ihre Geschichten und ihre Ideen. Zudem haben neben uns beiden auch noch einige andere Leute an dem Buch mitgearbeitet. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mit den Illustrationen daran Janine_Sander_2_kleinmitwirken durfte und diese dann im fertigen Buch zu sehen. Aber anders als bei meinen eigenen Charakteren, die ich entwickle und zeichne, steckt bei den Charakteren von "Harlekin" eigentlich fast nichts von mir drin. Beim Aussehen bin ich natürlich schon auf eigene Vorlieben eingegangen, aber sonst hab ich mich ganz nach Katjas Vorstellungen gerichtet. Auch bei den illustrierten Szenen habe ich versucht mir vorzustellen, was von der Autorin beschrieben wird und wie sie sich das Ganze vorstellt. Hier und da hat man als Zeichner schon ein wenig freie Hand, weil ja nie alles bis ins Kleinste beschrieben wird bzw. einige wenige Bilder skizziert wurden, bevor die Szene überhaupt geschrieben war. Ich denke, allen Beteiligten wird es ähnlich gehen wie mir, wir sind sehr froh, dass wir Katja bei dem Projekt zur Seite stehen konnten und auch mit dem Endprodukt sind wir sehr zufrieden. Es steckt doch eine Menge Arbeit - und vor allem einige sehr lange Nächte - von uns allen drin. Am Ende ist man dann mehr stolz darauf, dass man es geschafft und es bis zum Schluss bestmöglich durchgezogen hat. Ein schönes Gefühl ist es natürlich trotzdem, das fertige Buch in den Händen zu halten. Wenn da nur nicht diese ganzen Kleinigkeiten wären, die ich gern noch mal ändern würde [lacht].


Was fasziniert Sie generell am Zeichnen?

Ich klau' mir an dieser Stelle einmal einen Satz von Katja und passe ihn etwas an [lacht]: Es könnte passieren, dass ich platze, wenn ich nicht zeichne. Jeder braucht wohl irgendwie eine Möglichkeit um sich auszudrücken. Ob nun durch Schreiben, Zeichnen, Musik, Sport oder andere Dinge. Ich kann eigentlich nichts wirklich gut, außer Zeichnen. Das habe ich als Kind schon sehr gerne gemacht. Mit Worten kann ich mich nicht sonderlich gut ausdrücken, also packe ich das, was ich fühle, in Bilder. Okay, wenn ich nun etwas von jemand anderem illustriere, sind es dann wohl eher meine Vorstellung von den fremden Ideen und Gedanken, aber auch das ist irgendwo eine Art sich auszudrücken. Ähnlich wie bei einem Schauspieler, der in die Rolle einer vorgegebenen Person schlüpft und diese auf seine Art interpretiert.
Zugegeben, wenn ich zu lange an einem Bild sitze, dann verfluche ich das Zeichnen viel und gerne. Aber davon loskommen tu ich auch nicht [lacht].


Was bedeuten Ihnen Ihre Zeichnungen?

Irgendwo sind sie ein Teil von mir. Wie eben schon beschrieben, fließt immer etwas Persönliches mit in das Bild - na gut, fast immer. Und es fällt mir extrem schwer mich von den Bildern zu trennen. Eigentlich verschenke ich Originale auch nur dann, wenn die dargestellten Charaktere der beschenkten Person gehören und ich von Anfang an mit der Einstellung an das Werk gegangen bin, dass ich dieses Bild für die entsprechende Person zeichne.


Wie und mit welchen Materialien arbeiten Sie?

Am liebsten mit dem Bleistift. Ansonsten das Medium, auf das ich gerade Lust habe oder welches am besten zum Motiv passen würde. Sprich: Aquarell, PC, Buntstifte (wobei ich diese wirklich schon sehr lange nicht mehr benutzt habe, sollte ich ändern) und Copics. Ölfarben habe ich auch, bisher aber noch nicht das richtige Motiv gefunden, um diese einmal auszuprobieren. Früher habe ich viel und gerne mit Kugelschreibern skizziert. Ich glaube, das sollte ich auch mal wieder aufgreifen. Der Vorteil ist hier, dass man nicht radieren kann.


Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht gerade zeichnen?

Schlafen. Vor allem im Winter liebe ich es, mich in ein kuschliges, warmes Bett mit einer großen Decke einzurollen und zu schlafen oder zu lesen.


Sie arbeiten nicht hauptberuflich als Illustratorin. Ist das Zeichnen eine Art Ausgleich zu Ihrer eigentlichen Arbeit?

Das Zeichnen war zuerst da und diente eigentlich schon immer als Ventil. Ein wirklicher Ausgleich ist es nicht, da es ebenfalls eine Menge Arbeit macht, vor allem aber kurz vor Deadlines sehr an einem zerrt und oft stresst. Wenn man abends K.O. nach Hause kommt und dann noch ein paar Stunden zeichnet, bleibt nicht mehr viel Zeit zum Entspannen. Eigentlich habe ich nur einen normalen Beruf, weil ich Miete, Strom und Essen bezahlen muss. Vom Zeichnen könnte ich nicht leben. Leider nimmt die Arbeit immer mehr von meiner Zeit ein, so dass ich kaum noch zum Zeichnen komme ...


Als Illustratorin lesen Sie bestimmt selber gerne, oder? Wenn ja, welche Bücher, Autoren oder Genres mögen Sie am meisten?

Wenn es die Zeit zulässt, lese ich sehr gerne Fantasy und Boys Love-Romane. Letzteres gibt es in Deutschland leider viel zu wenig, so dass ich hier auf Mangas und Geschichten von Hobbyautoren im Internet ausweiche. Die Werke von Tolkien habe ich sehr gerne gelesen, auch wenn es für jemanden wie mich mit einem schlechten Namensgedächtnis manchmal recht problematisch war. Im Mangabereich lese ich gerne Sachen von Clamp, Yamane Ayano und Hirotaka Kisaragi.


Sie werden auch den demnächst erscheinenden Roman „Vorsicht Nachsicht“ von A.C. Lelis illustrieren. Können Sie unseren Lesern darüber schon ein wenig verraten? Unterscheidet sich die Arbeit an diesem Projekt von der an „Harlekin“?

Janine_Sander_3_kleinDa sich mein Versuch, die Geschichte von Lelis kurz zusammen zu fassen, äußerst langweilig anhören würde, lass ich es an dieser Stelle lieber sein. Will ja auch noch nicht zu viel verraten. Wer ihre bisherigen Geschichten kennt, wird auch diese sehr mögen.
Der größte Unterschied bei diesem Projekt ist eigentlich, dass "Vorsicht Nachsicht" schon komplett als Manuskript vorliegt. Bei "Harlekin" wurde parallel noch an der Geschichte geschrieben, während ich gezeichnet habe. Leider durfte ich trotzdem erst die Hälfte vom neuen Buch lesen ... Den Rest bekomme ich nach und nach, wenn ich brav zeichne. Da weiß jemand, wie er mich motivieren muss [lacht].
Ansonsten sind Charaktere, Geschichte und Erzählstil sehr unterschiedlich. Lelis' Geschichte richtet sich mehr an Leser ab Anfang 20 und aufwärts. Es wird deutlich mehr Sex geben und die Charaktere werden auch erwachsener und weniger süß aussehen. Bisher bin ich mit dem Zeichnen noch nicht allzu weit, kann also sonst nicht viel zu der Arbeit an dem Projekt sagen. Aber ich mag Lelis' Geschichten sehr und bin demnach äußerst gespannt, was noch auf mich zukommt.


Gibt es etwas, dass Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Vielleicht den Mangafans eine Kleinigkeit: Lest mehr Bücher. Die beißen nicht!


Ich danke Ihnen für das Interview.


Hinweise
Weitere Zeichnungen von Janine Sander gibt es hier.

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