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Caren_Benedikt_klein 

Frau Benedikt, „Die Feinde der Tuchhändlerin“, ein historischer Roman, ist ihr erstes Buch. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Wie wohl jedes Kind habe ich die Geschichten geliebt, die meine Oma mir vorgelesen hat. Wenn mir das Ende nicht gefiel, habe ich einfach einen neuen Schluss erfunden. Als ich dann schreiben konnte, begann ich, mir kleine Helden zu erschaffen, die in meiner Fantasie die verrücktesten Abenteuer zu bestehen hatten. Dabei musste ich mir eigentlich gar nichts ausdenken. Die Figuren waren einfach in meinem Kopf, und ich habe nur aufgeschrieben, was ihnen gerade passierte. Als ich größer wurde, so etwa in der Pubertät, hörte ich damit auf. Erst viel später, als ich meine eigenen Kinder bekam, begann ich, Kurzgeschichten für sie zu schreiben, in denen sie selbst die Helden waren. Vor etwa vier Jahren spukte dann ein Jugendbuch in meinem Kopf, von dem ich meiner Familie erzählte. Mein Mann meinte nur: „Schreib es auf!“, was ich dann auch tat. Auf Drängen meiner Familie schickte ich das fertige Manuskript an drei Agenturen, wovon mir zwei einen Vertrag anboten. Abgeschlossen habe ich dann bei Dr. Michael Wenzel von der Agentur Editio Dialog. So fing alles an.


Als Schauplatz für Ihren Debütroman haben Sie die Stadt Worms gewählt. Aus welchem Grund - haben Sie zu dieser Stadt einen bestimmten Bezug?

Worms habe ich zum ersten Mal als Kind besucht und seither hat mich die faszinierende Stadt nicht mehr losgelassen. Es ist eine sehr alte Stadt, die bereits 5000 v. Chr besiedelt wurde. Im Mittelalter, der Epoche meines Romans, erlangte Worms als Handelsstadt eine große Bedeutung, vor allem durch seine hervorragende Lage direkt am Rhein. Das berühmte Nibelungenlied ist übrigens in jener Zeit entstanden und die meisten Szenen spielen in und um Worms.
Durch die Recherche bin ich immer tiefer in die Geschichte eingetaucht, habe über die spannende Entwicklung zur Reichsstadt gelesen und den Kampfeswillen der damaligen Menschen bewundert, die durch Mut und Tatkraft ihrer Stadt zur Blüte verholfen hatten. All das passt sehr zu meiner Protagonistin, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren Weg geht und dabei stets das Wohl ihres Gesindes im Blick hat. Wenn man durch die alten Gassen geht, spürt man auch heute Stein für Stein die Geschichte. Ein wunderbarer Ort, um meine Heldin, die Tuchhändlerin Constanze, wirken zu lassen.


Warum schreiben Sie historische Romane, haben Sie eine Vorliebe für eine bestimmte Epoche oder war das 13. Jahrhundert, in dem Ihr Roman spielt, eher durch Zufall gewählt?

Ich lese selbst sehr gern historische Romane. Obwohl ich zum Beispiel nicht im Mittelalter hätte leben mögen, finde ich doch den täglichen Überlebenskampf, den die Menschen damals zu bewältigen hatten, beeindruckend. Dass “Die Feinde der Tuchhändlerin“ im 13. Jahrhundert spielt, hat mit der Entwicklung der Stadt Worms zu tun. Es war eine Zeit des Umbruchs und der Neugestaltung. 1184 gewährte Kaiser Friedrich Barbarossa Worms das Freiheitsrecht und somit die Gründung einer Reichsstadt, was zu Streitigkeiten zwischen Bischof und Stadtrat um die Herrschaftsansprüche führte. Alle Umbrüche und modernen Entwicklungen im Mittelalter spiegeln sich also in der Stadtgeschichte und somit auch im Leben meiner Protagonistin.


Wie lange haben Sie an Ihrem ersten Roman geschrieben und was sagt Ihre Familie, wenn Sie sich zum Schreiben zurückziehen? Haben Sie Ihre Lieben unterstützt oder mussten Sie sich Ihre Schreibzeit quasi „stehlen“?

Meine Familie unterstützt mich – und wie! Genau genommen hätte ich ja ohne sie auch nie mit dem Schreiben angefangen und mich erst recht nicht bei einer Agentur beworben. Ich hatte nie den Plan, Autorin zu werden. Meine Familie war es, die mich immer wieder über Zweifel hinweg getragen hat. Natürlich ist es auch mal schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Ich habe schließlich drei Kinder, einen Mann, einen Bürojob, arbeite nebenher als freie Journalistin. Da wird es manchmal schon ziemlich knapp mit der Zeit. Aber das Schreiben macht mich glücklich, und das weiß meine Familie. Mit einer guten Planung klappt das alles. Die reine Schreibzeit für das Buch dürfte etwa vier Monate betragen haben. Hier sind natürlich die Recherchezeiten nicht eingerechnet. Dann folgte das Lektorat durch meine Agentur und die anschließende Überarbeitung durch mich.


Wie sind Sie in Ihrem Buch ausgerechnet auf den Tuchhandel gekommen und wie haben Sie Ihre Figuren zum Leben erweckt? Haben Ihre Darsteller eine Anlehnung an reale Personen oder entsprangen alle der reinen Phantasie?

Als ich anfing, mir über den historischen Roman Gedanken zu machen, hatte ich sehr schnell meine Protagonistin Constanze vor Augen. Ich glaube schon, dass sie auch ein bisschen was von mir hat, noch mehr aber von meiner Oma. Und die war Schneiderin. Stoffe und die Entstehung von besonderen Kleidungsstücken sind eng mit meiner Kindheit verbunden, und das war letztlich Inspiration für meinen Roman. Ich habe den Tuchhandel und das Schneidern miteinander verknüpft. Auch wenn meine Großmutter Vorbild für Constanze war, so hat sich meine Heldin wie auch andere Figuren während des Schreibens wie selbstständig entwickelt. Da ist nicht immer alles von mir geplant. Und das ist für mich mit das Schönste am Schreiben.


Ihr Buch ist ja zurzeit nur über den Club Bertelsmann und über Zeilenreich zu bekommen. Ist es geplant, das Buch noch weiter in den Handel zu bringen und wie schwer war es für Sie überhaupt einen Verlag zu finden?

Für die Handelsausgabe wird derzeit ein Verlag gesucht. Die Club-Hardcoverausgabe ist aber in den Filialen und dem Internetshop von Zeilenreich auch für alle Kunden erhältlich, die nicht Mitglied des Club Bertelsmann sind. Ich kann mich bei der Suche nach einem Verlagspartner ganz entspannt zurücklehnen und alles getrost meiner Club-Lektorin, Frau Iris Grädler, überlassen. Sie war es auch, die mir die einmalige Chance gegeben hat, „Die Feinde der Tuchhändlerin“ als Club Premiere zu veröffentlichen. Ich freue mich, dass die Verkaufszahlen des Buches unsere Erwartungen weit übertroffen haben. Die Zusammenarbeit war von Anfang bis Ende eine reine Freude und ist es auch jetzt noch. Meinen ersten Roman als Premiere im Club Bertelsmann zu wissen, war für mich wie der berühmte Sechser im Lotto. Offen gesagt, war ich total überrascht, als mein Agent mir von dem Angebot berichtete. Er hatte es mehreren Verlagen angeboten, und noch weitere waren am Kauf interessiert. Doch allein die Tatsache, die Chance für die Club Premiere zu bekommen, hat mich jubilieren lassen.


Natürlich möchten wir jetzt nach dem gelungenen Start mit der Tuchhändlerin noch wissen, ob Sie bereits an einem neuen Buch schreiben und wenn ja, verraten Sie uns schon etwas über den Inhalt?

Ja tatsächlich – der Start war mehr als gelungen. Das hat mich enorm motiviert, gleich den nächsten historischen Roman zu schreiben. Dieser wird im Bremen um 1365 spielen, in der spannenden Zeit des Zwistes zwischen Erzbischof, Rat und Volk, der in dem legendären Bannerlauf seinen Höhepunkt fand. Es wird wieder eine weibliche Protagonistin geben, die ihren eigenen Weg finden und dafür kämpfen muss. Und sie ist Verrat und Intrigen ausgesetzt.


Als Autorin werden Sie bestimmt selber gerne lesen. Welche Bücher, Autoren oder Genre bevorzugen Sie da?

Historische Romane, wie „Die Säulen der Erde“ und „Die Tore der Welt“ von Ken Follett. Aber auch gern mal einen Krimi. Hier favorisiere ich derzeit Simon Beckett mit seinen David Hunter Krimis. Um „up to date“ zu sein, lese ich aber auch regelmäßig die Jugendbücher meiner Kinder, um mich mit ihnen darüber auszutauschen und immer auch ein bisschen in ihrer Welt zu sein.


Frau Benedikt, ich möchte mich im Namen der Leser-Welt ganz herzlich für das Interview bedanken. Wir warten gespannt auf ein neues Buch von Ihnen und wünschen Ihnen noch weiterhin viel Schaffenskraft und Kreativität!

Sehr gern! Ich danke Ihnen für Ihr Interesse! Seit Veröffentlichung meines Buches habe ich von den unterschiedlichsten Seiten so viel Zuspruch, manchmal aber auch Kritik erhalten. Beides tat mir gut. Und mein nächstes Buch wird bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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