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Carina_Bargmann_klein


Hallo Frau Bargmann. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen.
Sie schreiben seit Ihrem 10. Lebensjahr, mit 15 hatten Sie bereits zwei große Fantasy-Romane verfasst und wurden wenig später von einer Literaturagentur als Nachwuchstalent entdeckt. Doch wie sind Sie zum Schreiben von Romanen gekommen? Immerhin handelt es sich dabei nicht unbedingt um ein alltägliches Hobby einer Jugendlichen …

Ich habe einfach irgendwann angefangen und nicht mehr aufhören können. Ich habe immer viele Geschichten im Kopf gehabt und gerne erzählt. Irgendwann habe ich mir nicht mehr alles merken und es auch nicht einfach so schnell erzählen können, also habe ich sie aufgeschrieben und Freunden zum Lesen gegeben. Mir ist immer wichtig gewesen, dass ich jemanden mit den Texten unterhalten kann.


„Sayuri“ ist Ihr Debütroman, den Sie mit 17 Jahren geschrieben haben. Was war es für ein Gefühl, einen Verlagsvertrag zu bekommen und später das erste eigene Buch in den Händen zu halten?

Ein kaum beschreibares Gefühl. Ich habe mich immer wieder riesig gefreut, bei der Vertagsunterzeichnung, bei der Abgabe des Buches, bei der Veröffentlichung. Eigentlich kann ich es jetzt noch nicht ganz fassen. Es ist ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass das Buch jetzt bei uns in der Buchhandlung steht, vielleicht gerade gekauft und gelesen wird. Es freut mich einfach riesig, dass es „Sayuri“ als Buch und auch als Hörbuch gibt und dass ich aus meiner Umgebung und auch im Internet so viel positives Feedback erhalte.


„Sayuri“ ist eine Geschichte mit viel Tiefe und atmosphärischer Dichte. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Roman gekommen?

Den Charakter Sayuri hatte ich für mich schon vor längerer Zeit entworfen. Mit dem Verlag zusammen ist dann die Geschichte um diesen Charakter entstanden. Es ist sehr schnell für mich klar gewesen, dass sie in oder um eine Wüste herum spielen sollte. Dann ist Marje und als Gegenpart und Ergänzung zu ihr Kiyoshi entstanden. Die Geschichte hat eine ganze Weile gebraucht, bis ihre Handlung stimmig gewesen ist.


Die Handlung in „Sayuri“ ist komplex, die Figuren haben durchweg Substanz und einen eigenen Charakter. Haben Sie alles zuvor bereits bis ins Detail geplant oder hat sich die Geschichte erst beim Schreiben entwickelt?

Es ist schon sehr viel vorher geplant gewesen. Bei meinen ersten Geschichten habe ich drauf losgeschrieben, inzwischen würde das nicht mehr funktionieren. Ich muss schon sehr viel planen und aufeinander abstimmen. Die Charaktere zum Beispiel habe ich sehr früh entworfen und die Handlung entsteht aus diesen Charakteren heraus. Es ist mir ganz wichtig, dass die Handlungen der Charaktere funktionieren und stimmen. Beim Schreiben entwickelt sich meistens die Spannung noch ein bisschen und das Tempo. Manchmal stelle ich dann fest, dass es zu langweilig geworden wäre, wenn ich die Geschichte aufgeschrieben hätte, wie ich sie geplottet hatte. Atmosphäre und Stimmung, Umgebung und Äußeres entstehen erst beim Schreiben in ihrer Ausführlichkeit. Dazu mache ich mir vorher Stichpunkte und entwerfe die Welt und die Charaktere, aber das Zusammenspiel kommt erst dann zustande.


Ein wichtiger – um nicht zu sagen ausschlaggebender – Aspekt in Ihrem Roman ist das Wasser. Wie sind Sie darauf gekommen?

Eher zufällig. Ich habe nicht bewusst über Kriege und Wasserknappheit in unserer Welt nachgedacht und mir dann gedacht. „Hey, das wäre doch DIE Geschichte“. Allerdings beschäftige ich mich grundsätzlich gerne mit Themen wie der Wasserknappheit oder der Klimaerwärmung. Das ist mir wichtig. Ebenso wie das Moralproblem in „Sayuri“, das ich wesentlich bewusster gewählt habe. Ich will eine Situation aufzeigen, in der mehr oder weniger Wehrlose (in diesem Fall alle 16-Jährigen) für den Lebensstandart der anderen Menschen von einem einzigen (Miro) „geopfert“ werden. Im Buch verschärfe ich das Problem noch, in dem es das Gerücht gibt, die Quelle allen Wassers würde versiegen. Trotzdem versucht niemand eine Lösung zu finden, bei der keiner ums Leben kommt. Und Miro verfolgt auch seine privaten Interessen, von denen man aber nicht sagen kann, dass sie verwerflich wären. Es kommt immer auf die Mittel an.


Wieso schreiben Sie ausgerechnet Fantasy-Romane? Was fasziniert Sie an diesem Genre?

Mich fasziniert, dass ich eine eigene neue fantastische Welt gestalten kann, mit erfundenen Orten, Landschaften und Wesen, mit eigenen Regeln, Beziehungen und Abhängigkeiten und dass ich dabei meine Kreativität mit größtmöglicher Freiheit ausleben kann. Diese Welt muss aber in sich logisch sein. Ich kann Probleme und Missstände ansprechen, die wir aus unserer Welt kennen, ohne dass ich sachlich korrekt bis ins Detail sein muss; im Gegenteil, ich kann sie frei modellieren, meine Charaktere z.B. mit Magie versehen und Lösungen finden lassen, die in der realen Welt nicht denkbar sind. Besonders die Charaktere, die über das Problem nachdenken und sich intensiv damit auseinandersetzen, interessieren mich; ihre persönliche Entwicklung finde ich besonders spannend und liegt mir sehr am Herzen. In „Sayuri“ ist es vor allem Kiyoshi.


„Sayuri“ ist im März auch als Hörbuch erschienen. Haben Sie sich dieses bereits angehört oder haben Sie dies noch vor?

Ich habe schon einmal reingehört. Aber ich bin eine Leseratte, keine Hörbuchhörerin. Anna Thalbach hat das Hörbuch ganz toll gesprochen. Besonders die Wiljar fand ich toll. Aber ich bleibe wohl doch bei meinen Buchstaben.


Aktuell besuchen Sie noch die Schule, in 2011 steht das Abitur an. Haben Sie bereits Pläne für die Zeit danach? Werden Sie der Schriftstellerei treu bleiben?

Ich habe viele Ideen und Pläne und werde einmal sehen, was ich davon realisieren kann. Auf jeden Fall will ich weiterhin schreiben und werde so schnell nicht aufhören.


Wie hat Ihre Familie auf die Veröffentlichung reagiert? Hat sie Ihr Hobby zunächst überhaupt ernst genommen?

Wie ernst meine Familie mein Hobby genommen hat, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Als ich einen Verlag gesucht habe, hat meine Mutter, glaube ich, das erste Mal realisiert, dass mir das wirklich ernst ist. Bis dahin hieß es manchmal auch noch: „Warum sitzt du so lange vor dem Rechner?“. Inzwischen heißt es eher: „Musst du nicht schreiben?“ Meine Familie hat ganz toll auf die Veröffentlichung reagiert und unterstützt mich wahnsinnig gut. Dafür bin ich ihr auch sehr dankbar! Ohne meine Familie hätte ich das nicht geschafft.


Was sagen Ihre Klassenkameraden zu Ihrer schriftstellerischen Tätigkeit?

Nicht viel. Sie akzeptieren es. Manche finden es gut, einige sogar ganz toll, dass freut mich natürlich sehr. Andere interessiert es nicht so sehr. Aber ich bin auch ganz froh, dass ich jetzt nicht komisch angesehen werde, weder im positiven noch im negativen Sinne. Ich bin in der Schule einfach nur eine Schülerin unter vielen. Und ich möchte, dass das auch so bleibt.


Was lesen Sie selbst gerne? Haben Sie Lieblingsautoren?

Ich lese viel im Fantasy-Bereich: Tolkien, Markus Heitz, Bernhard Hennen, Christopher Marzi, Ulrike Schweikert, Cassandra Claire. Aber auch Krimis und historische Romane finde ich immer wieder spannend.


Ich danke Ihnen für das Interview.

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