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„Die Bibliothek ist der Ort, der dem Paradies am nächsten kommt.“ Jacques Bonnet

Jacques Bonnet ist bekennender Bibliomane. Er besitzt mehrere Zehntausend Bücher, seine ganze Wohnung ist eine Bibliothek. Aber wie sortiert man eine solche Menge an Werken? Mit welchen Lesetechniken schafft man es, sich ihren Inhalt einzuprägen? Und zu welchem Ort sollte man seinen vielseitigen Geliebten auf keinen Fall den Zutritt gestatten?

Ein echtes Liebhaberstück und eine faszinierende Reise durch die Welt der Bücher.

 

  Autor: Jacques Bonnet
Verlag: Droemer
Erschienen: 05.10.2009
ISBN: 978-3-426-27516-0
Seitenzahl: 160 Seiten


Die Idee, Stil und Sprache
Jacques Bonnet entführt in der sehr persönlichen Ich-Form in seine Welt der Bücher. Dabei zeugt sein Schreibstil von einem ausgereiften Sprachverständnis – die Worte sind wohlgewählt, der Satzbau entspringt nicht immer dem Alltagsgebrauch und doch liest sich das Buch gut. Die Sprache ist bildlich und dank schöner Vergleiche und Metaphern auch bildreich. Man sollte jedoch nicht vor Fremdworten zurückschrecken, denn diese tauchen regelmäßig auf.

Bonnet las alles, was irgendwo gedruckt stand, statt – wie andere Kinder – mit dem Ball zu spielen. Und so gleicht sein Wohnraum heutzutage vielmehr einer großen Bibliothek, die in manchen Zeiten selbst vor der Küche oder gar dem Badezimmer nicht halt gemacht hat. Der einzige bücherfreie Platz war (und ist?) hinter dem Bett, um nicht – wie 1888 der Komponist Charles Valentin Alkan – von den Regalen erschlagen zu werden. Ich selbst sehe es an meinen eigenen Büchern: sie breiten sich aus – heimlich, still und leise erobern sie immer mehr Fläche für sich … So wird es sicherlich vielen Lesern dieses Büchleins gehen: Man wird sich selbst darin finden, wenn auch vielleicht nicht in einer derartig ausgeprägten Form wie Bonnet oder manch andere Menschen, die er im Laufe des Buches samt ihrer Bücherleidenschaft erwähnt und auch zitiert. Der Leser wird die beruhigende Gewissheit erlangen, dass er bei weitem nicht allein mit seinem ‚Tick‘ ist.
Bonnet geht auf einige Probleme ein, denen sich derjenige, der sich von seinen Büchern nicht trennen mag, zwangsläufig gegenüber sieht: Wie behält man den Überblick? Wie ordnet man seine vielseitigen Geliebten? Bonnet führt verschiedene Ordnungssysteme samt der auftretenden Schwierigkeiten auf und gibt schließlich eine Empfehlung ab – nach der einem jedoch mehr der Kopf schwirrt, als dass man Klarheit bekommen hat. Und doch ist es eine Freude, über die Probleme eines Menschen, der mehrere 10.000 Bücher besitzt, zu lesen – es ist erstaunlich, über was man sich dabei alles Gedanken machen kann. So wurden mir bei der Lektüre des Büchleins Probleme aufgezeigt, die mir wohl nicht einmal im Traum eingefallen wären, und ich dachte für mich, dass ich doch eigentlich ganz normal bin …

Trotz meiner Begeisterung für dieses Büchlein, dass mich das eine oder andere Mal zum Lachen gebracht hat, muss ich auch ein wenig Kritik äußern, denn manchmal fällt es schwer, den Ausführungen Bonnets zu folgen – zumindest, wenn man nicht über eine dermaßen umfangreiche Kenntnis der Literatur verfügt (bei Bonnet hat man das Gefühl, er kenne jedes Buch, jeden Autor und wisse alles Wissenswerte darüber). Doch ob es nun für den Leser interessant ist zu erfahren, welche Kunstbände der Autor genau gegenüber stehen hat, wenn er an seinem Computer sitzt, ist sicherlich Geschmackssache. Auch greift er teilweise auf mehr oder minder lange Aufzählungen verschiedener Autoren und derer Werke zurück, die bisweilen ermüdend zu lesen sind. Man hat das Gefühl, Bonnet verliere sich beizeiten in seinen Ausführungen, wobei er dermaßen ins Detail geht, dass ihm ein Leser, der sich beispielsweise im Bereich der Kunstbücher nicht so gut oder gar nicht auskennt, Schwierigkeiten hat, ihm zu folgen und sich gar ein wenig langweilt.

Doch was ist dieses Büchlein nun? Eine Frage, die ich nach wie vor nicht beantworten kann. Es ist ein Stück weit eine Biographie, es ist auch ein wenig ein Sachbuch, es mutet stellenweise wie ein Roman an – letztendlich kann ich nur sagen: Es ist ein Buch über die Liebe zu Büchern, ein Buch für Büchernarren und Bibliomane. Daher habe ich mich für die Kategorie „Geschenkbuch“ entschieden, denn jeder Mensch, der Bücher liebt, wird sich über dieses Büchlein freuen!


Aufmachung des Buches
Das kleine, gebundene Büchlein kommt in einer schönen und überaus passenden Gestaltung daher. Der cremefarbene Hintergrund ist marmoriert, was dem hochglänzenden Buchumschlag einen zusätzlichen edlen Touch verleiht. Der gemütliche Sessel und die Bücherstapel daneben laden zum Schmökern ein und zeigen sogleich, worum es in dem Büchlein geht. Eine gelungene Aufmachung, der lediglich ein Lesebändchen fehlt.


Fazit
Für jeden Büchernarren und Bibliomanen trotz der angeführten Kritikpunkte ein empfehlenswertes Buch, das sich zudem wunderbar als Geschenk für eben jene Zielgruppe eignet. Während der Lektüre spürt man das beruhigende Gefühl, nicht allein mit seinem ‚Tick‘ zu sein und kann sich an den Ausführungen Bonnets erfreuen.


4 Sterne


Hinweise

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