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Lieber Herr Fröhlich, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen!
War Hörbuchsprecher schon immer ein angestrebter Beruf von Ihnen oder hat sich das eher zufällig ergeben?

Eher zufällig vor zehn Jahren. Das Einlesen eines Hörbuches ist Teil der Arbeit des Hörspielers, es war eine Frage der Zeit, dass man mich irgendwann gefragt hat.


Sie sind Schauspieler und Synchronsprecher. Sind dies Voraussetzungen, um Hörbuchsprecher zu werden? Oder ist es ‚lediglich‘ von Vorteil, wenn man auf diesem Wege Erfahrungen gesammelt hat?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Arbeit als Synchronsprecher erfordert die Fähigkeit, sich in bestimmte Rollen hineinzufühlen und sich dem Timing eines anderen Schauspielers anzupassen, man kopiert eher. Beim Lesen eines Hörbuchs ist man in der Gestaltung freier.


Sie vertonen nicht nur komplette Hörbücher, sondern schlüpfen beispielsweise seit drei Jahrzehnten in dem Hörspiel „Die drei ???“ in die Rolle von Bob Andrews. Was macht Ihnen mehr Spaß: eine Rolle in einem Hörspiel zu übernehmen oder einem kompletten Buch Ihre Stimme zu leihen?

Schwer zu sagen. Ein komplettes Buch zu lesen ist mit Sicherheit sehr viel anstrengender.


Identifizieren Sie sich nach nunmehr 30 Jahren „Die drei ???“ immer noch mit der jugendlichen Rolle des Bob Andrews?

Ich finde Bob als Figur ziemlich eindimensional. Mir ist sein wahrer Charakter bis heute nicht richtig klar. In bestimmten Situationen kann ich Charaktereigenschaften von mir mit ins Spiel bringen, aber identifizieren konnte ich mich noch nie mit ihm. Das ist nicht so einfach bei einer Figur, die innerhalb von 30 Jahren nur um maximal 4 Jahre gealtert ist.
 

Von Ende Oktober bis Mitte November konnten tausende Fans zum 30-jährigen Jubiläum „Die drei ??? und der seltsame Wecker“ live erleben. Wie haben Sie die Tournee empfunden?

Als ein großes Geschenk, nach über 30 Jahren noch so umjubelt zu werden.


Was hat den Ausschlag gegeben, für die Tournee die Story, „Die drei ??? und der seltsame Wecker“ auszuwählen?

Interessant bei der Auswahl für eine Folge, die sich als Live-Hörspiel tauglich erweist, war bei „Die drei ??? und der seltsame Wecker“ definitiv die Tatsache, dass es thematisch auch um ein Hörspiel im Hörspiel geht. Außerdem durfte es nicht zu viele Nebenrollen geben – und es sollte definitiv eine Klassiker-Folge sein.


Was muss bedacht werden, wenn ein Hörspiel live auf die Bühne kommt? Das ist sicherlich etwas ganz anderes, als im Tonstudio in ein Mikrophon zu sprechen …

Dass alles vor Publikum passiert. Zusätzlich hat man natürlich im Hinterkopf, dass das Ganze die Zuschauer 150 Minuten unterhalten soll. Man muss ein wenig mehr auf die Tube drücken, wenn man die Leute in der letzen Reihe noch erreichen will.


Dürfen sich die Fans auch in Zukunft auf weitere Live-Auftritte von „Die drei ???“ freuen?

Ich hätte nichts dagegen. Aber erst in ein paar Jahren. Unabhängig davon wird es am 21. August 2010 noch eine letzte Vorstellung von „Die drei ??? und der seltsame Wecker“ in der Berliner Waldbühne geben.


Nun noch ein paar Fragen eher allgemeiner Natur rund um die Arbeit eines Hörbuchsprechers:
Wie stellen Sie sich auf die Figuren ein? Woher wissen Sie, wie jede einzelne klingen muss, damit sie authentisch rüber kommt?

Ich mache mir vorher ein paar Gedanken zur Gestaltung. In Absprache mit der Regie wird das ausprobiert, bis alle zufrieden sind.


Ist es für Sie schwer, weibliche Rollen überzeugend zu sprechen?

Für mich als Mann sicherlich. Der Trick ist, nicht zu übertreiben – sonst zieht man die Figuren schnell ins Lächerliche.


Spannung entsteht zu einem großen Teil durch das richtige Setzen von Pausen. Doch woher wissen Sie, wann eine Pause gesetzt werden und wie lang diese sein muss?

Ich notiere mir grundsätzlich nie Pausen im Text. Ich lese den Text eigentlich eher wie eine Partitur – die Pausen ergeben sich aus dem Inhalt beim Lesen.


Wie wichtig sind Körperhaltung, Mimik und Gestik beim Sprechen eines Hörbuchs/-spiels?

Der Körpereinsatz ist beim Lesen enorm wichtig. Soll eine Person tief und dickleibig klingen, sacke ich vor dem Mikro oft etwas zusammen und schiebe den Unterkiefer nach vorne. Wirkt sie eher dünn und langgliedrig, richte ich mich auf und mache den Hals lang – auch unterschiedliche Sprechtempi sind zum Beispiel bei Dialogen von Vorteil, damit der Hörer die einzelnen Figuren auseinanderhalten kann.


Kann ein Hörbuchsprecher theoretisch jedes Hörbuch vertonen oder passen Stoff und Sprecher auch mal nicht zusammen? Wonach wählen Sie die Hörbücher aus, denen Sie letztendlich mit Ihrer Stimme Leben einhauchen?

Natürlich gibt es Fehlbesetzungen. Ich habe auch schon Hörbücher eingelesen, bei denen ich mich eher unwohl gefühlt habe – das passiert. Optimal ist es, wenn ich mir meine Stoffe selber aussuche – wie mit meiner ‚edition handverlesen‘. Am liebsten sind mir intelligente Ich-Erzählungen mit ironischem Unterton.


Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem Autor bei der Umsetzung eines Buches zum Hörbuch/-spiel?

Das ist beim Hörspiel eigentlich selten der Fall. Der Regisseur ist da viel wichtiger.


Wann ist ein Hörbuch in Ihren Augen gelungen?

Wenn Geschichte und Sprecher so fesseln, dass der Zuhörer im Auto auf dem Nachhauseweg noch mal um den Block fährt, um weiterzuhören.


Welches Hörbuch/-spiel, an dem Sie mitgewirkt haben, gefällt Ihnen am besten? Oder haben Sie gar keinen Favoriten?

Favoriten habe ich keine. Ich mag „Doppler“ von Erlend Loe sehr gerne.


Welche Produktion war die bisher Aufwendigste, Schwierigste?

Die Aufwendigste war wohl „Eragon“, die Schwierigste wird wohl „Blindband“ von Gilbert Adair werden – eine inszenierte Lesung, ähnlich einem Hörspiel, bei der ich alle Rollen übernehme. Die Aufnahmen finden erst noch statt.


Als Sprecher dürfte es sehr problematisch sein, wenn sich eine dicke Erkältung eingeschlichen hat. Mussten Sie Aufnahmen deswegen auch schon verschieben?

Das ist auch schon passiert. Bei manchen Synchronarbeiten. Bei Hörbuchproduktionen kann es hin und wieder ganz charmant sein, wenn man etwas erkältet klingt – bloß sollte immer die Nase frei sein.
Da hilft dann nur noch Ratiopharm.


Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Interview!

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