Smaller Default Larger

Die Hand an der Wiege

Die Arme auf dem Rücken gefesselt, ein rostiger Eisenhaken statt der linken Hand, so liegt die Tote in ihrem Grab. Als Dr. Ruth Galloway unter dem Gemäuer einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigtsten Mörderin von Norfolk gefunden zu haben. Zahlreiche Schauermärchen ranken sich um „Mother Hook“, die Kinder bei sich aufgenommen und dann getötet haben soll. Doch während der Untersuchung der Knochen kommen der forensischen Archäologin Zweifel an ihrer Schuld. Zur gleichen Zeit verschwindet ein Kind aus der Nachbarschaft. Offenbar will jemand mit allen Mitteln ein jahrhundertealtes Geheimnis hüten …

 

Engelskinder 

Originaltitel: The Outcast Dead
Autor: Elly Griffiths
Übersetzer: Tanja Handels
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 07/2017
ISBN: 978-3805250962
Seitenzahl: 384 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe


Die Grundidee der Handlung
Dr. Ruth Galloway macht bei einer Routinegrabung eine aufsehenerregende Entdeckung: Knochen, bei denen es sich um die menschlichen Überreste von Jemima Green handeln könnte, die vor 150 Jahren eine der gefürchtetsten mutmaßlichen Mörderinnen gewesen sein soll. Darauf wird ein TV-Team aufmerksam und Ruth soll bei den Dreharbeiten zu „Mordende Frauen“ mitwirken. Währenddessen hat DCI Nelson den schwersten Fall seiner Karriere zu lösen: Ein Kind ist gestorben und es stellt sich nicht nur heraus, dass es erstickt wurde, es ist auch bereits das dritte Kind der Familie, das unter ungeklärten Umständen stirbt. Und dann verschwindet ein weiteres Kind …

Elly Griffiths hat eigentlich drei Fälle zu ihrem neuesten Krimi um die forensische Archäologin verwoben und so ergibt sich auch zunächst kein roter Faden in ihrer Handlung. Dennoch entfaltet die Geschichte ihren ganz eigenen Sog, einfach deshalb, weil sie eine Art „Nachhausekommen“ zu lieben alten Bekannten darstellt.


Stil und Sprache
Alles beginnt mit Ruth, ihrer aktuellen Ausgrabung und einem ökumenischen Gottesdienst. So ist man als Leser sofort wieder mittendrin in Ruths Welt, begleitet sie zur Grabung und nach der Arbeit nach Hause. Das schafft eine unverwechselbare Atmosphäre, die zusammen mit den einzigartigen Charakteren diesen Krimi ausmacht. Dabei ist die Mischung aus (in diesem Fall ausgedachten) historischen Ereignissen und aktuellen Morden eine zusätzliche Spezialität dieser Reihe, die sich außerdem noch einiger (angedeuteter) mystischer Elemente bedient. Diese – wie zum Beispiel Cathbads sechster Sinn, immer zu wissen, was in King’s Lynn vor sich geht – werden aber immer mit einem Augenzwinkern an die Leserschaft gebracht, so dass nichts in eine allzu esoterische Richtung abdriften kann.

Spannung gibt es neben viel Atmosphäre natürlich auch und spätestens ab der Hälfte der rund 380 Seiten kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen. Ein dramatisches Finale ist aber noch nicht ganz das Ende der Geschichte, es gibt auch danach noch einiges zu regeln – aber das soll jeder Fan der Reihe bitte selbst lesen.


Figuren
Dr. Ruth Galloway hat sich mit ihrem Leben als berufstätige, alleinerziehende Mutter arrangiert und ist manchmal sogar glücklich. Dass sie mit dem Vater ihrer Tochter, DCI Nelson, jemals zusammenleben wird, glaubt sie nicht mehr, aber will sie das überhaupt? Tatsächlich begegnet sie am Filmset dem Historiker Frank, den sie überaus sympathisch findet. Aber wie sieht er das? Und was sagt Nelson dazu? Ruth steht wieder einmal zwischen zwei Männern, meistert ihre Situation aber wie immer: pragmatisch und souverän, auch wenn sie tief innen drin oft unsicher ist. Sie ist eben eine ganz normale Frau Anfang 40, mit allen Sorgen und Problemen, wie sie jeder von uns aus eigener Erfahrung kennt.

Aber sie ist natürlich nicht die einzige liebgewonnene Figur, da sind auch noch DCI Nelson, seine Mitarbeiter Judy und Clough, Ruths alter Freund Cathbad, seines Zeichens Druide und einige andere mehr. Hatte ich nach dem letzten Fall die Befürchtung, dass Cathbad mit seinem Wegzug aus King’s Lynn auch seine Präsenz in der Serie verlieren würde, so ist dies nach der Lektüre dieses Falles zum Glück nicht der Fall. Er und auch alle anderen Charaktere machen einen ausgesprochen lebendigen Eindruck, man hat als Leser fast das Gefühl, sie müssten tatsächlich in einer englischen Kleinstadt leben und nur darauf warten, dass ein neuer Fall zu lösen ist.


Aufmachung des Buches
Das gebundene Buch zeigt auf dem Schutzumschlag eine weite Landschaft mit einem uralten Friedhof, die Kreuze und Grabsteine sind mit Moos überwuchert. Das Lesebändchen nimmt die blassgrünen Farbtöne des Covers wieder auf und komplettiert die gut zum Inhalt passende Aufmachung. Innen gibt es 37 Kapitel und einen Epilog, der ein halbes Jahr nach dem aktuellen Fall spielt.


Fazit
Für mich der bisher beste Band der Reihe, eine perfekte Mischung zwischen Kriminalfall und Roman um die forensische Archäologin und ihre unkonventionelle „Familie“.


4 5 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de oder deinem Buchhändler vor Ort

Backlist:
Fall 1: Totenpfad
Fall 2: Knochenhaus
Fall 3: Gezeitengrab
Fall 4: Aller Heiligen Fluch
Fall 5: Rabenkönig

  • Keine Kommentare gefunden

Partnerprogramm

amazon

Mit einem Einkauf bei amazon über diesen Banner unterstützt du unsere Arbeit an der Leser-Welt. Vielen Dank dafür!

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Für deinen Blog:

leser-welt.de wird überprüft von der Initiative-S