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Martin Benner befindet sich in der Hand von Unterweltboss Lucifer, der ihm den Auftrag erteilt, Mio zu finden - den Sohn der Serienmörderin Sara Texas. Wohl fühlt sich Benner damit nicht, schließlich arbeitet er nun für denjenigen, der Sara solche Angst einjagte, dass sie von einer Brücke gesprungen ist. Doch damit nicht genug: Jemand ist dabei, Benner zwei Morde anzuhängen, und er hat keine Ahnung, wer das ist. Als Benner von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt wird, begreift er, dass er nicht durch Zufall in die ganze Geschichte geraten ist, sondern dabei eine wichtige Rolle spielt.

 

Bruderluege HB 

Originaltitel: Mios Blues
Autor: Kristina Ohlsson
Übersetzer: Susanne Dahlmann
Sprecher: Uve Teschner und Gabriele Blum
Verlag: Random House Audio / Audible
Erschienen: 06/2017
ASIN: B0714KYHN9
Spieldauer: 639 Minuten, Hörbuch-Download; ungekürzte Lesung


Die Grundidee der Handlung
Nachdem Martin Benner in "Schwesterherz" vorrangig mit der Aufklärung der Umstände, die zu Sara Tells Tod geführt haben, beschäftigt war, geht es nun um Saras Sohn Mio. Benner weiß, dass er ohne Mio keine Ruhe vor Lucifer, dem großen Unbekannten, haben wird. Und Lucifer hat nun wahrhaft bereits bewiesen, welch langen Arm er besitzt. Also beginnen der Anwalt Martin und seine Freundin Lucy mit der Suche nach Mio. Die gestaltet sich allerdings schwierig, bevor sie überhaupt beginnt. Ist es möglich, dass es von einem verschwundenen Kind, noch dazu einem der prominentesten Vermisstenfälle Schwedens, nicht ein einziges Foto gibt? Kaum vorstellbar. Und doch: Wen immer die beiden fragen, ein Foto ist nicht aufzufinden. Doch dann meldet sich plötzlich eine anonyme Zeugin, die Mios Entführung beobachtet haben will, mit einem geradezu ungeheuerlichen Verdacht: Eine der Kindergärtnerinnen sei am Tag von Mios Verschwinden einfach mit ihm hinausspaziert. Wenig später ist die Zeugin tot. Als dann auch noch Fredrik Ohlander stirbt und eine dritte Leiche in Benners Kofferraum entdeckt wird, steht eines fest: Es wird eng für ihn und ohne "Mitwisser" bei der Polizei geht so etwas nicht. Doch wie soll er sich aus der Lage befreien und vor allem, wem kann er noch vertrauen? Benner beschließt, ein riskantes Spiel zu spielen und alles auf eine Karte zu setzen.

Was für eine Fortsetzung. War "Schwesterherz" schon ein besonderer Thriller, so ist "Bruderlüge" nicht weniger außergewöhnlich. Zwar werden dem "Spinnennetz" dieses Falles zunächst weitere Fäden hinzugefügt statt vorhandene Fäden entwirrt und doch beeindruckt auch "Bruderlüge" mit einer Komplexität, die ihresgleichen sucht, ohne zu verwirren. Wieder treten bislang unbekannte Personen in die Handlung ein und scheinbar liegen immer mehr Puzzleteile auf dem Tisch. Einige dieser Puzzleteile haben einen vagen Bezug zu Benners amerikanischer Vergangenheit als Polizist. Kann das sein? Schließlich ist all das viele Jahre her und er selbst hat alles dafür getan, diesen Teil seines Lebens zu vergessen. Doch schließlich wird ihm klar: Will er verstehen, warum er alles andere als zufällig in dieses Desaster hereingeraten ist, wird er sich den Dämonen der Vergangenheit stellen müssen. Was er dadurch heraufbeschwört, übersteigt eigentlich die Kraft eines Menschen. Martin Benner am Rande des Abgrunds. Wieder einmal legt Kristina Ohlsson einen Thriller vor, der voller unvorhersehbarer Wendungen ist, in dem eine Vielzahl von Personen mitspielt, deren Verbindung erst nach und nach deutlich wird, aber auch einen Thriller, in dem keine der Figuren den Rest Menschlichkeit verliert. Mich überzeugt auch dieses Buch. Gelungen ist auch, dass der Protagonist Martin Benner in diesem Band deutlich weniger selbstgefällig wirkt, ohne an Selbstbewusstsein, Überzeugungskraft und Überzeugung zu verlieren. So hätte die Romanfigur durchaus Potenzial, obwohl die Geschichte nun abgeschlossen ist.


Darstellung des Hörbuchs
Das Hörbuch wird gelesen von Uve Teschner, der wie schon in Teil eins die Rolle des Martin Benner übernimmt. Durch den Tod von Frederick Ohlander im Verlauf der Geschichte, die erneut retrospektiv als Interview erzählt wird, übernimmt diesmal Gabriele Blum als Journalistin Karin Vikking den zweiten Part. Interessant ist, wie unterschiedlich die beiden Sprecher ihre Journalistenrolle interpretieren. Während Richard Barenberg alias Frederick Ohlander am Anfang forsch und ungezügelt zum "Kern der Sache" vordringen will und erst nach und nach begreift, wie komplex die Sache wirklich ist, tastet sich Karin Vikking alias Gabriele Blum behutsam und gefühlvoll vor. Sie möchte offenbar nicht nur den "Kern", sondern auch die "Emotion" dieser Geschichte aufspüren. Auch wenn diese deutlich unterschiedliche Interpretation der Rolle für den ein oder anderen Hörer Klischees oder doch zumindest Geschlechterstereotypen verkörpern mag, so passt sie doch perfekt zum Fortlauf der Geschichte. Denn auch Uve Teschner spricht Martin Benner anders. Im ersten Teil noch oft großspurig bis arrogant, wirkt Benner nun geläutert und irgendwie froh, noch am Leben zu sein: Nur selten blitzt der dauernde Schwerenöter aus Teil eins noch auf. Eine Wandlung, die dem Protagonisten guttut und die Herr Teschner wunderbar einfängt. Das ist eine besondere Herausforderung, weil die Retrospektiven immer mal wieder den "früheren" Martin Benner erforderlich machen, der nur selten Gefühle zeigt. Wieder eine großartige Sprecherleistung von beiden, die die Atmosphäre des Buches perfekt trifft und mich von der ersten bis zur letzten Sekunde begeistert hat.


Aufmachung des Hörbuchs
Die ungekürzte Version dieses Hörbuchs ist exklusiv im Hörbuch-Download bei Audible erhältlich. Die Datei hat in bester Audio-Qualität eine Größe von 589 Megabyte und ist in 102 Tracks unterteilt, die sich selbstverständlich jederzeit einzeln ansteuern lassen. Das Covermotiv ist diesmal die Rückansicht einer männlichen Gestalt, die zielstrebig eine Brücke entlangläuft. An beiden Seiten der Brücke und an ihrem Ende befinden sich jeweils Geländer. Von der Brücke aus schaut man auf unruhiges Wasser, der Himmel ist wolkenverhangen und düster. Selbstverständlich findet sich auch hier wieder der "exklusiv" Vermerk in  der unteren rechten Ecke des Covers. Am oberen Rand des Covers zentriert findet sich in schwarzer Schriftfarbe der Name der Autorin, deutlich abgesetzt darunter in rot der Buchtitel, wobei das "D" wirkt, als würde es auseinander brechen.


Fazit
Extraklasse. Schade, dass es das mit Martin Benner schon gewesen sein soll. Der Thriller hält das Niveau seines Vorgängers und Personen, Motive und Auflösung sind glaubwürdig, lassen den Hörer aber etwas ratlos zurück, angesichts der dunklen Seiten menschlicher Existenz, die hier offenbart werden.


5 Sterne


Hinweise
Dieses Hörbuch kaufen bei: amazon.de oder deinem Buchhändler vor Ort

Backlist:
Teil 1: Schwesterherz

 

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