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FRIEDENSFÜRSTIN Paris, 23. November 1407. Ein Mord auf offener Straße verändert das Leben von drei Frauen entscheidend. Königin Isabel, als bayerische Prinzessin fremd in Frankreich, verliert ihren besten Freund. Margaud, Flüchtling vom Lande, wird unversehens zur Gegnerin der königlichen Politik. Christine de Pizan, als emanzipierter »Blaustrumpf« verspottet, verstrickt sich in eine aussichtslose Liebe. Die Königin von Frankreich steht vor einer fundamentalen Entscheidung. Muss sie zur Verräterin an ihrem eigenen Land werden, um es retten zu können?

 

 Koeniglicher Verrat


Autor: Conelia Naumann
Verlag: Gmeiner Verlag
Erschienen: 3. August 2016
ISBN: 978-3839219126
Seitenzahl: 500 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Frankreich Anfang des 15. Jahrhunderts: Die Bevölkerung leidet unter den Auswirkungen des immer noch andauernden  „Hundertjährigen Krieges“ mit England. König Karl VI.  ist durch ständig wiederkehrende Anfälle von geistiger Umnachtung oft monatelang regierungsunfähig. Eine Tragödie, denn er ist eigentlich ein kluger und guter Herrscher. In einem seiner lichten Momente macht er seine Gemahlin, Königin Isabel, zur Regentin und ernennt seinen Bruder, den Herzog von Orleans, zu ihrem Berater. Damit löst er eine Familienfehde aus, denn sein mächtiger Cousin Johann „Ohnefurcht“, der Herzog von Burgund, will selbst die Macht an sich reißen. Dabei schreckt er auch vor Mord nicht zurück und stürzt das Land in einen Bürgerkrieg. Die Königin sieht keinen anderen Weg zum Frieden, als sich mit dem Erzfeind England zu verbünden.
Cornelia Naumann erzählt in diesem Roman interessant und spannend das bewegte Leben der Königin Isabel, genannt Isabeau de Bavière, vor dem sehr authentisch gezeichneten Hintergrund der französischen Geschichte.


Stil und Sprache
Der Roman beginnt im Jahre 1407 in Paris.
Margaud, ein Mädchen vom Land, flieht vor einer erzwungenen Ehe und hofft in der großen Stadt Zuflucht und eine Stellung zu finden.
Christine de Pizan, eine verarmte Witwe, verdient ihren Unterhalt durch das Schreiben und Kopieren von Büchern für reiche Edelleute, die daran interessiert sind und sich diesen Luxus leisten können.
Königin Isabel von Frankreich erwartet in wenigen Tagen ihr 12. Kind und macht sich Sorgen um ihren Gatten, König Karl VI., der zum wiederholten Male durch einen Anfall von Geisteskrankheit an der Regierung gehindert ist.
Der Leser erlebt die Handlung wechselweise aus der Sicht dieser drei grundverschiedenen Frauen – zeitweise auch der des Königs -  und damit auch zwangsläufig an den unterschiedlichsten Schauplätzen. Im Falle von Margaud und Christine schreitet die Erzählung mit einigen Zeitsprüngen, jedoch chronologisch fort, während die Geschichte des Königspaares in mehreren Rückblenden bis zu ihrer Hochzeit im Jahr 1385 zurück geht und noch einige weitere wichtige Ereignisse ihrer Ehe und Regierung schildert. Da diese Abschnitte stets mit Datum und Ortsangaben versehen sind, kann man dem Verlauf aber problemlos folgen. Die Sprache ist sehr ausdrucksstark und liest sich leicht und flüssig.
Die schwere Krankheit Karls VI. hatte tragische Folgen für Frankreich. Bereits der langjährige Krieg mit England hat das Land verarmen lassen, nun führen die machthungrigen Adeligen auch noch einen Bürgerkrieg. Leidtragend ist das Volk, das für die hohen Kosten schuftet und hungert. Es kommt zu Aufständen, die in Paris blutig niedergeschlagen werden und in die „Caboche“ verstrickt ist, der Mann, in den Margaud sich verliebt. Die Autorin erklärt die geschichtlichen Zusammenhänge sehr gut verständlich und hält sich dabei nahe an den tatsächlichen historischen Ereignissen, die sie sehr geschickt mit den fiktiven Elementen verbindet.


Figuren
Elisabeth von Bayern-Ingolstadt (1370-1435), genannt Isabeau de Bavière, hat in der Geschichte den wohl schändlichsten Ruf aller französischen Königinnen. Sie wurde als Hure, schlechte Mutter und Verräterin an ihrem Volk beschimpft. Aber war sie das wirklich?
In diesem Roman zeigt die Autorin ein völlig anderes Bild von ihr. Als Fünfzehnjährige wird sie mit dem nur wenig älteren Karl von Frankreich verheiratet und nach den Überlieferungen ist es bei beiden „Liebe auf den ersten Blick“. Sieben Jahre nach der Hochzeit bricht Karls Wahnsinn aus, aber auch wenn er während seiner Anfälle seine Frau nicht mehr erkennt, in den Phasen seiner Gesundheit und Regierungsfähigkeit führen sie eine gute Ehe. In 20 Jahren kommen 12 Kinder zur Welt und Karl ernennt Isabel zur Regentin für die Zeiten seiner - so genannten - „Abwesenheit“ und drückt ihr dadurch sein Vertrauen aus. Ihre Bemühungen um Frieden für das geplagte Land bringen sie in Konflikt mit den rivalisierenden Parteien des hohen Adels und letztendlich im Volk um ihren guten Ruf.
Cornelia Naumann schildert Isabels Schicksal sehr einfühlsam und nachvollziehbar, der Leser kann sich gut in ihre Situation hinein versetzen und Interesse und Anteilnahme für sie entwickeln.
Christine de Pizan war die erste weibliche Philosophin Frankreichs und schrieb mehrere Bücher, darunter „Das Buch der Königin“ und „Das Buch von der Stadt der Frauen“, in dem sie sich gegen „das Unrecht“ wendet, das Männer über die Frauen verbreitet haben. Einigen Kapiteln des Romans sind einzelne Zitate aus Christines Werken vorangestellt.
Auch die weiteren historischen Figuren sind sehr glaubwürdig und treffend beschrieben. Es handelt sich in der Hauptsache um engste Blutsverwandte, die verfeindeten Herzöge von Orleans und Burgund sind Cousins und auch der englische König Heinrich V. stammt vom französischen Königshaus ab und gründet darauf seinen Anspruch auf dessen Krone.


Aufmachung des Buches
Das Taschenbuch zeigt vorn einen Ausschnitt – und auf beiden Innendeckeln das Gesamtbild – aus dem „Buch für die Königin“, welches Christine de Pizan für Isabel von Frankreich (Bayern) schrieb und ihr soeben überreicht. Damit gehören Abbildung und Inhalt wirklich zusammen und man bekommt eine gute Vorstellung von der Kleidung und Umgebung dieser französischen Königin und ihrer Damen.
Das Personenverzeichnis enthält überwiegend historische Namen, fiktive Figuren sind kursiv gedruckt.
Die einzelnen Kapitel sind datiert und mit Ortsnamen versehen, ein Großteil auch mit dem Namen der jeweiligen Hauptfigur. Die Handlung umfasst den Zeitraum von 1385 bis 1422, jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern teilweise in Rückblenden.
Ein kurzes Nachwort der Autorin zu Königin Isabel und Christine de Pizan beschliesst das Buch.


Fazit
Cornelia Naumann schildert Königin Isabeau de Bavière in einem ganz neuen Licht. Nicht als Verräterin, die Frankreich an den Erzfeind England „verkaufte“, sondern als Regentin, die Frieden für das erschöpfte Land wollte und deshalb ein Bündnis mit Heinrich V. schloss.
In ihrem Nachwort schreibt sie, dass ihr Roman – Zitat: „kein Versuch einer Rehabilitation sein soll ..“ Das möchte sie den Historikern überlassen.

Aber in seinem Buch „Die französischen Königinnen“ (2001) nennt der Autor Gerd Treffer Königin Isabeau von Frankreich bereits „die verleumdete Bayernfürstin“ und stellt ihr selbst ein ganz anderes Zeugnis über ihr Leben und Handeln aus, als die bisherige Geschichtsschreibung.
 
Ich persönlich halte Isabeau nicht für die "böse" Königin, als die sie meist dargestellt wird. Ihr Schicksal hat mich sehr berührt und nachdenklich gemacht. "Königlicher Verrat" ist ein wirklich schöner historischer Roman, den ich sehr gern weiter empfehle.

 

4 5 Sterne


Hinweise
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