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Lieber Herr Strecker, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen!
Am besten fangen wir ganz am Anfang an: Wie sind Sie Hörbuchsprecher geworden?

Jemand von einem Hamburger Hörbuchverlag hat mich am Schauspielhaus Hamburg spielen sehen und mich gefragt, ob ich mal ein Hörbuch aufnehme wollen würde. Das wurde dann „Herr der Diebe“ von Cornelia Funke.


Sie sind Schauspieler. Ist dies eine Voraussetzung, um Hörbuchsprecher zu werden? Oder ist es ‚lediglich‘ von Vorteil, wenn man als Schauspieler Erfahrungen gesammelt hat?

Es geht nicht um Erfahrung sammeln. Ein Schauspieler hat in der Regel eine mindestens dreijährige Stimmausbildung, in der es nicht nur darum geht gut zu klingen, sondern auch Gefäß für eine literarische Vorlage zu sein. Es gibt Naturtalente auf der einen Seite, auf der anderen ist der Markt so hart, dass sich auch Hörbücher verkaufen von Leuten die keine Stimme aber einen Namen haben.


Was ist das Schwierige, die Herausforderung bei der Umsetzung eines Hörbuchs? Wie bereiten Sie sich vor?

Ich lese ein Buch viermal. Einmal auf Inhalt, aus Neugier und für mich, das zweite Mal mach ich mir Notizen und unterstreiche die verschiedenen Stimmen, beim dritten Mal lese ich das komplette Ding laut und übe, beim vierten Mal wird’s aufgenommen.


Wie stellen Sie sich auf die Figuren ein? Woher wissen Sie, wie die einzelne Figur klingen muss, damit sie authentisch rüber kommt?

Manchmal gibt es Hinweise im Text, manchmal gibt es Intuition, manchmal muss ich mir was ausdenken.


Ist es für Sie schwer, weibliche Rollen überzeugend zu sprechen?

Nö.
Kommt natürlich auf den Text an. „Feuchtgebiete“ wäre eher nicht so glaubwürdig.


Spannung bei einem Hörbuch entsteht zu einem großen Teil durch das richtige Setzen von Pausen. Doch woher wissen Sie, wann eine Pause gesetzt werden muss und wie lang diese sein muss?

Weiß ich nicht, fühl ich.


Wie wichtig sind Körperhaltung, Mimik und Gestik beim Sprechen eines Hörbuchs?

Sehr wichtig. Ich bin ein sehr körperlicher Schauspieler. Ich denke z.B. „diese Figur ist so ein Typ, der immer Augenbrauen und Stirn hochzieht, so immer-alles-schon-vorher-gewusst-haben. Allein die Vorstellung macht schon einen gewissen Ton, oder?
Eine Krone auf dem Haupt balancieren, der lange Nacken ... - wieder ein anderer Ton.


Kann ein Hörbuchsprecher theoretisch jedes Hörbuch vertonen oder passen Stoff und Sprecher auch mal nicht zusammen?

Es gibt für Stoffe Idealbesetzungen, und welche, für die andere wirklich besser geeignet sind.


Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem Autor bei der Umsetzung eines Buches zum Hörbuch?

Es gibt keine Zusammenarbeit. Ein Autor erscheint bei einem Verlag, die Hörbuchrechte werden von einem gänzlich anderen Verlag erworben. Es gibt allenfalls Kontakt zwischen beiden Verlagen, aber kaum zwischen Sprecher und Autor. (Ich kann nur für mich sprechen. Und Ausnahme ist natürlich Cornelia Funke, mit der ich mich sehr austausche.)


Wann ist ein Hörbuch in Ihren Augen gelungen?

Wenn der Autor seine eigene Geschichte durchs Hören neu erlebt.


Welches Hörbuch, an dem Sie mitgewirkt haben, gefällt Ihnen am besten? Oder haben Sie gar keinen Favoriten?

"Der Außenseiter“ von Sadie Jones


Welche Hörbuchproduktion war die bisher Aufwendigste, Schwierigste?

Die Tintentrilogie
„Der Joker“ von Marcus Zusack


Was macht Ihnen mehr Spaß: Vor der Kamera zu stehen oder Büchern eine Stimme zu verleihen?

Hörbücher aufnehmen ist sehr einsam. Manchmal mag ich das sehr.
Aber inter-agieren ist doch dass was ich sehr liebe. Egal, ob Kamera oder Bühne


Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Interview!

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