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Dustin Walker ist frisch geschieden und hat die Nase voll von der Liebe. Ginge es nach seiner Familie, würde er gleich nach der nächsten Mrs. Walker Ausschau halten, doch Dustin verbringt seine Zeit lieber in einer Bar mit Pool spielen. So trifft er auf Brandon Stewart, zu dem er sich von der ersten Sekunde an hingezogen fühlt – obwohl Brandon ein Mann ist. Heimlich lässt sich Dustin auf ein sexuelles Abenteuer mit ihm ein, aus dem schnell mehr wird. Und plötzlich muss er sich entscheiden: Soll er sich vor seiner homophoben Familie outen oder dem Mann den Rücken kehren, der sein Herz im Sturm erobert hat?

 

Beziehungshandbuch fuer Geschiedene 

Originaltitel: Rules of Engagement
Autor: L.A. Witt
Übersetzer: Nigel Spokes
Verlag: Cursed Verlag
Erschienen: Juni 2016
ISBN: 978-3-95823-040-8
Seitenzahl: 316 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Unglücklich verheiratet, doch jetzt aus den Fängen seiner Frau befreit, liegt die Familie Dustin in den Ohren, doch endlich Miss Right auszuwählen und glücklich zu werden. Dass dieser seine neu gewonnene Freiheit gar nicht so schlecht findet, merkt er, als er in einer Bar auf Brandon stößt. Von dem talentierten Billiardspieler angezogen, sprühen zwischen den beiden die Funken. Doch wieso hat Dustin so ein Flattern im Bauch in seiner Nähe – bei einem Mann? Aus dem lockeren Verhältnis wird schnell mehr – und es fällt immer schwerer die Gefühle zu verstehen, die beide für einander empfinden. Dustins homophobe Familie macht es nicht einfacher, sich zwischen Brandon oder ihnen zu entscheiden.

Mit einem Buch, das Chemie zwischen den Figuren großschreibt, überzeugt L.A. Witt mit einem gefühlvollen, in Teilen sehr ernsten Buch.


Stil und Sprache
In einem leichten lockeren Ton schafft es die Autorin, den Leser zu fesseln. Sie hält sich nicht mit extrem ausschweifenden Details auf, zugleich werden einem die Szenen gut vor Augen geführt und sprachlich regelrecht aufgerollt. Durchgängig wird in erster Person Präteritum aus Dustins Sicht erzählt, sein Interesse sowohl an Frauen als auch an Männern (bzw. Brandon allein) wird angenehm und nicht störend beschrieben. Die Szenen fühlen sich natürlich an und das Verhalten der Figuren ist nachvollziehbar. Es wird auf Drama insofern verzichtet, dass die Story ihrem eigenen Tempo folgt, gleichzeitig ist der Höhepunkt der Story natürlich die Konfrontation Dustins mit seiner Familie und seinen Gefühlen für Brandon. Dennoch hat man nicht das Gefühl, dass ein Ereignis das nächste jagt, etwas, was den Roman zu einer tollen ruhigeren Unterhaltung macht, ohne dabei langweilig zu wirken. Im Gegenteil, man fokusiert sich beim Lesen dafür umso stärker auf die Figuren.

Das lockere Hin und Her ist schön anzusehen, der Humor kommt bei der Autorin nicht zu kurz und die Wortwahl mancher Begriffe ist gut gewählt, sodass sich die Übersetzung sehr flüssig liest. Die sinnlichen Szenen sind wundervoll. Gefühlvoll und heiß, erotisch und im richtigen Maß spannend. Manche Szenen werden expliziter ausgearbeitet dargestellt, andere sind nur angedeutet, was dazu führt, dass man nicht gelangweilt und genervt ist. Insgesamt ist es ein sehr realitätsnahes Buch, die Konfrontation Dustins mit seiner Familie ist eindrucksvoll und plausibel beschrieben. Zum Teil wünschte man manchen Figuren so einiges, man fängt schnell an zu sympathisieren. Doch dazu gleich mehr.


Figuren
Dustin und Brandon sind zwei sehr unterschiedliche, aber zueinander passende Charaktere. Während Dustin sich noch ein wenig davon loslösen muss, das seine langjährige Ehe ein Ende gefunden hat – ein Umstand, den er per se nicht beklagt – ist Brandon ein glücklicher bisexueller Mann. Beide Männer lernen sich in der Bar kennen und schnell sprühen Funken. Ihr lockeres, gleichzeitig sinnlich aufgeladenes Miteinander während des Billiardspiels ist auch für den Leser eine sehr anregende Szene. Die Chemie zwischen den Figuren stimmt einfach. Mit dem Verlauf der Story lernt man immer besser die Unsicherheiten der Figuren kennen, zudem Seiten, die man so nicht erwartet hätte. Am erstaunlichsten aber ist wohl Dustins Natürlichkeit Brandon gegenüber, obwohl er sich nie als homosexuell bezeichnen würde. Man merkt, dass es insofern nicht wichtig ist, welches Geschlecht man hat, wenn es funkt. Dieses Umstand wird in dem Buch gut rübergebracht, zudem regt es indirekt beim Lesen zum Nachdenken an. Es ist charmant zu sehen, wie beide Männern sich immer besser kennenlernen, sie wirken teilweise nicht mehr so beeindruckend, man verliert allerdings nicht an Achtung vor ihnen. Ganz im Gegenteil, besonders Dustin ist zum Ende des Buches erstaunlich selbstbewusst und bietet seiner Familie Paroli.

Neben Dustin und Brandon sind die auftauchenden Figuren zwar insofern von Relevanz, man kann sie aber auch zu Personengruppen zusammenfassen, die eine Aufgabe übernehmen. So haben wir Dustins Familie, allen voran seine schreckliche Mutter, die ihrem Sohn das Leben schwer macht. Als Furie dargestellt, ist sie eine allgegenwärtige Unruhestifterin. In die gleiche Kerbe schlagend bzw. leider sich in homophoben Äußerungen präsentierend lernen wir Dustins Brüder kennen, besonders Tristan vertritt eine starke Meinung. Sein zweiter Bruder, Rick, scheint etwas nüchterner, doch auch hier merkt man schnell, wie sein Bruder darüber denkt. Es schmerzt zu sehen, wie die Figuren da durch müssen. Insgesamt werden Dustin und Brandon dadurch plastischer, die Nebenfiguren werden es nur bedingt, man nimmt sie leider nicht als etwas anderes wahr als „die Gegenseite“.


Aufmachung des Buches
Eines der Momente – das Billiardspielen – in den Fokus nehmend, sieht man einen jungen Mann, der hochkonzentriert seinen Schuss abgeben will. Das Cover ist sehr eindrücklich, der Fokus ist auf den Mann und den Schriftzug gelegt. Der Titel des Buches passt sehr gut zum Inhalt, gleichzeitig wurde eine Ähnlichkeit zum Originaltitel beibehalten. Als Softcoverbroschur liegt das Buch gut in der Hand, die Buchrückseite ist eher schmucklos und wird nur durch den wiederholten Schriftzug und dem Klappentext vervollständigt. Als Extra gibt es Werbung zu anderen Büchern, sowie eine Minibiographie der Autorin. Die Schrift ist trotz ihrer kleinen Größe vom Bild her sehr angenehm zu lesen, was den Lesefluss erhöht.


Fazit
Figuren, die sich so stark anziehen aber sich auch mal in Bewegungen verlieren, wie Kugeln auf einem Billiardtisch, sind das Markenzeichen von vielen von L.A. Witts Büchern. Brandon und Dustin bilden da keine Ausnahme. Mit einer Chemie zwischen ihnen, die nicht zu leugnen ist, wird der Roman auf eine erstaunlich einfache aber realitätsnahe Art und Weise getragen.


4 5 Sterne


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