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 Kerstin Rose

Kerstin Rose ist Journalistin und ihr erstes Interior-Buch „ROOMS - Zuhause bei Kreativen" erschien im April 2016 bei der DVA. Auf der Verlagsseite ist zu lesen, dass es "sie fasziniert [..], anderer Leute Lebens- und Wohnkonzepte zu ergründen". Bei der Lektüre von ROOMS lässt sich dies fast hautnah erspüren.


Hallo Frau Rose, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben.
Dies ist Ihr erstes Buch: Ist es die Erfüllung eines langgehegten Wunsches oder haben Sie die Gelegenheit dazu sozusagen beim Schopf gepackt?

Ich habe bereits an einigen Büchern mitgewirkt. Das ist jedoch tatsächlich mein erstes, eigenes Buch. Damit ist ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen, und ich freue mich immer noch!


Wie entstand die Idee, in einem Einrichtungsbuch die Wohnungen kreativer Menschen vorzustellen? Wieso Kreative und nicht z.B. ManagerInnen?

Der Fotograf Christian Schaulin und ich besuchen seit über 10 Jahren überall auf der Welt Menschen Zuhause. Leute aus kreativen Berufen leben sehr häufig auch privat individuell und einfallsreich. Sie haben viele ungewöhnliche Ideen und häufig Lust am Gestalten. All das eint diese Gruppe und macht sie interessant, auch als Buchthema. Ein Phänomen, was zum Beispiel bei Managern eher seltener zu finden ist. Vermutlich haben sie andere Schwerpunkte. Oder lassen einrichten.


Die Überschrift  zu einer der Wohnungen -"irritierend schön"-  inspirierte mich zu der Frage nach welchen Kriterien Sie die Wohnungen aussuchen?

Von rund 100 Wohnungen, die ich mir zumeist auf Fotos, die mir Hausbewohner schicken, vorweg anschaue, entscheiden wir uns in der Regel für 1 bis 2, die wir dann auch fotografieren. Ein Großteil der Arbeit liegt in der Selektion, denn eine Wohnung muss nicht nur einfach schön sein, sondern eine Idee haben, in sich stimmig und überraschend sein. Geld spielt keine Rolle, aber Qualität.


Ich muss gestehen, dass sich mir die Schönheit bei einigen Wohnungen nicht sofort erschloss. Bei einer brauchte es sogar einen dritten Blick. Wie war das bei Ihnen?

Haha, welche war das?
Ich teile nur manchmal den Geschmack der Hausbewohner, erkenne aber das Persönliche und Besondere. Und das reizt mich durchaus. Eine Wohnung erzählt viel über die Menschen, die darin leben, wie sie sind oder wie sie gern sein möchten.


Von Ihnen wurde gewiss auch viel Einsatz verlangt, wohl nicht jede Wohnung/Haus ist einfach mal so mit dem Bus zu erreichen gewesen. Was war denn der abenteuerlichste Fototermin? Und welcher der spannendste?

Für dieses Buch haben wir nur Wohnungen in Europa ausgewählt, die Anreise war in der Regel unkompliziert. Dennoch muss man für diesen Job äußerst flexibel sein, man weiß nie, was man vorfindet. Entspannte Menschen oder etwa solche mit einem hohen Kontrollbedürfnis. Die meisten Leute richten ihre Wohnungen, bevor wir kommen, noch mal besonders schön her. Manchmal aber müssen wir auch erst mal aufräumen, um überhaupt ein Foto machen zu können.
Das absurdeste, was ich je erlebt habe, war eine Reportage in Chile. Als wir nach rund 12500 km endlich ankamen, sogar ziemlich pünktlich, war niemand da. Das Haus lag einsam auf einer Klippe direkt am Pazifik, es stürmte, 10 Meter Wellen klatschten an die Felsen. Weit und breit keine Menschenseele, nur streunende Hunde. So verlassen habe ich mich selten gefühlt. Als wir die Hausbewohner dann schließlich telefonisch erreichten, stellte sich raus, dass sie den Termin schlicht vergessen hatten. In drei Stunden wären sie aber wieder da.  Na toll! Wir haben uns dann erst mal ins Mietauto gelegt und geschlafen. Übrigens war es dann mit den Leuten später noch sehr nett.


Ich stelle mir vor, dass es nicht einfach war, Menschen zu finden, die damit einverstanden waren, Sie einen Blick in ihre Wohnungen werfen zu lassen. Wie gelang es Ihnen sie zu überzeugen und Vertrauen aufzubauen?

In der Regel schauen sich mögliche Kandidaten unserer Arbeit auf meiner Website an und sagen dann zu. Ich habe festgestellt, dass es bei vielen Menschen eine grundsätzliche Entscheidung ist, Einblicke in ihre Wohnung zu gewähren. Oder eben nicht. Ich überrede niemanden, versuche alles, was wir machen, so transparent wie möglich zu halten. Auch das schafft Vertrauen.


Self-Publishing war ein großes Thema auf der letztjährigen Buchmesse in Frankfurt. Hatten Sie auch mal daran gedacht "ROOMS" selbst zu verlegen?

Nein, das ist ein klassischer Bildband. Der braucht Raum und schönes Papier.


Bisher erobern eBooks in erster Linie die Belletristik. Können Sie sich vorstellen „ROOMS“ noch als eBook erscheinen zu lassen? Oder ein zukünftiges Buch?

Nein. Siehe oben


Apropos: Wird es einen Nachfolger von „ROOMS“ geben?

ROOMS ist erfreulicherweise recht erfolgreich, und ich bin mit random house im Gespräch. Wenn ich´s weiß werde ich es Ihnen verraten ...


An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch gerne ein paar eher private Fragen stellen. Welchen Einrichtungsstil bevorzugen Sie selbst? Werden Sie oft nach Einrichtungstipps gefragt?

Ich liebe Üppigkeit, Stofftapeten mit exotischen Mustern, Kristallvasen, Chaisselounges, viele Tischchen, Wandbehänge etc. Aber ich könnte nicht damit leben. Im Gegenteil: Zuhause habe ich es gern klar und leicht, ca. einmal im Jahr miste ich aus. Dinge, die für mich ihre Bedeutung verloren haben, gebe ich weg. Was bleibt, muss mich entzücken/berühren: schöne Stoffe, Leuchten, kleine Sammlungen und Fundstücke, künstlerische Arbeiten. Wenn ich mich jetzt mal gerade hier Zuhause umschaue, gibt es nichts, was ich in einem Einrichtungsladen gekauft habe. Bis auf einen Sessel von Cassina, aber den habe ich gerade, nach 10 Jahren, in grünem Samt überziehen lassen.

Manchmal fragen Freunde nach Einrichtungstipps, die meisten haben jedoch selbst ein gutes Stilempfinden. Einmal durfte ich die Wohnung eines Freundes umgestalten. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und war eine Herausforderung, weil ich wegen des Minibudgets mit den vorhandenen Dingen arbeiten musste.


Eine schon klassische Frage an Belletristik-Autoren ist die nach Schreibritualen- und zeiten; gibt es diese auch bei Ihnen und wenn ja, welche sind das? Ich vermute mal, dass Sie auch Schreibblockaden kennen; verraten Sie uns Ihren Trick diese zu überwinden?

Wahrscheinlich haben Romanautoren viel häufiger Blockaden. Meine Texte sind ja nicht so lang. Dennoch teile ich sie in Zeilen auf, verpflichte mich sozusagen mir selbst gegenüber eine bestimmte Zeilenzahl pro Tag zu schreiben. Das hilft. Meist wird es dann deutlich mehr. Übrigens kann ich überall schreiben, am liebsten jedoch auf der Couch, Füße hoch.


Wer so viel mit Menschen zu tun hat wie Sie, der erlebt bestimmt so allerhand. Gibt es eine Anekdote, die Sie unseren Lesern gerne erzählen würden?

Ich habe früher für ein Magazin eine Serie produziert, wo ich prominente Menschen Zuhause besucht habe. Dort habe ich sehr viele rührende wie erschreckende Momente gehabt. Viele hatten das Bedürfnis, alles zu zeigen: vom Kleiderschrankinhalt bis hin zu ihren Körpernarben. Das wäre mir inzwischen eindeutig zu viel. Die Begegnungen jetzt sind häufig viel unkomplizierter und auf Augenhöhe.


Nachdem Sie nun ein Sachbuch verfasst haben, können Sie sich vorstellen (oder träumen Sie gar davon) einen Roman zu verfassen? Wenn ja, welches Genre schwebt Ihnen vor?

Auf keinen Fall. Dazu fehlt mir die Fantasie.


Welches Buch lesen Sie zurzeit? Würden Sie es empfehlen?

Ich lese gerade "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells, ein Buch über einen verzweifelten jungen Mann, der (hoffentlich) noch zu sich selbst findet. Ich habe es im Urlaub am Forggensee bei Schloss Neuschwanstein in Bayern gekauft, weil es dort in großen Teilen auch spielt. So etwas mag ich. Übrigens gibt es eine wunderbare interaktive Website, wo der Geograf Jens Nommel eine Plattform bietet, auf der Romane und Schauplätze verbunden werden: www.handlungsreisen.de


Ich möchte nun zum Schluss kommen und habe noch eine Frage auf Lager: Welche Frage, die Ihnen noch nie gestellt wurde, würden Sie gerne mal beantworten?

Wie sieht es mit der Gastfreundschaft aus bei Menschen, die Sie besuchen?

Das ist sehr unterschiedlich und im Groben nach Nationalitäten unterscheidbar. Wirklich tolle Gastgeber sind die Italiener. Sie sind kommunikativ und großzügig, ebenso die Belgier. Einmal gab es eine wirklich unangenehme Situation: Bei einem bekannten, wohlhabenden Architekten in Indien waren wir zum Essen bei ihm Zuhause eingeladen. Am Ende mussten wir das Essen bezahlen. -  Seine Frau betrieb einen edlen Catering-Service gleich nebenan und hatte die Preise im Kopf ... In der Regel sind die Begegnungen häufig sehr angenehm, sogar freundschaftlich.

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