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In den Wäldern von Schonen im südlichen Schweden kommt es zu einem entsetzlichen Verbrechen. Ein kleines Mädchen wird ermordet, als es friedlich spielend im Sandkasten sitzt. Ein familiärer Hintergrund? Doch zwei Tage später der zweite Kindermord, diesmal in der Nähe von Stockholm. Was verbindet die beiden Fälle? Schnell fällt der Verdacht auf eine rassistische Gruppierung, die beide Elternpaare zuvor offen bedroht hat. Aber ist es wirklich so einfach? Und warum tauchen gerade jetzt Hinweise auf einen alten, nie geklärten Mord an einer hochschwangeren Edelprostituierten auf? Olivia Rönning, eine junge ehrgeizige Polizistin, und Tom Stilton, ein einst berühmter Kommissar, sind aus jeweils ganz persönlichen Gründen an der Aufklärung dieser Verbrechen interessiert. Sie kommen einer Geschichte aus auf die Spur, wie sie verquerer und abscheulicher nicht sein könnte…

 

Die Stroemung 

Originaltitel: Svart Gryning
Autor: Cilla & Rolf Börjlind
Übersetzer: Christel Hildebrandt
Verlag: btb
Erschienen: 03/2016
ISBN: 978-3442753956
Seitenzahl: 528 Seiten

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Die Grundidee der Handlung
Olivia Rönning tut Streifendienst in Höganäs. Widerwillig und einsam in einer männerdominierten Dienststelle und noch vier lange Monate liegen vor ihr. Ein rätselhafter Mord an einem kleinen Mädchen reißt sie aus ihrem trostlosen Alltag, sie wird Teil des Ermittlerteams, das lange keine heiße Spur hat. Dann geschieht ein weiterer Mord an einem kleinen Jungen, dieses Mal in der Nähe von Stockholm – kann es sich um denselben Täter handeln? Und warum bringt jemand unschuldige Kinder um?

Olivia ist aber nicht die einzige, die an der Aufklärung der Morde ein Interesse hat. Auch Tom Stilton taucht wieder auf, als ihm Hinweise auf den einzigen ungelösten Fall seiner Polizistenlaufbahn zugespielt werden. Tatsächlich scheint es sogar einen Zusammenhang zwischen den Kindermorden und Toms altem Fall zu geben …

Cilla und Rolf Börjlind haben sich erneut eine komplexe Geschichte ausgedacht, die sich zu Beginn nur sehr langsam vor dem Leser entfaltet, aber nach und nach immer überraschender wird. Zum Ende hin wird es mir dann mit den ungewöhnlichen Zufällen und unterschwelligen Zusammenhängen dann doch etwas zu viel, man könnte fast meinen, Schweden sei eine einzige kleine Insel, auf der jeder jeden kennt und über sieben Ecken alle miteinander verwandt sind. Die doch etwas übertriebene Konstruktion am Schluss tut der Spannung aber insgesamt keinen Abbruch.


Stil und Sprache
Wie schon in den Vorgängerbänden gibt es zu Beginn einen kurzen Prolog, der im Jahr 2005 spielt und den man als Leser beinahe sofort wieder vergisst. Danach beginnt alles mit Olivia in der Gegenwart, sie hat auch insgesamt die größten Erzählanteile. Aber auch andere Figuren kommen zu Wort, allen voran Tom Stilton, auch Mette Olsäter, Olivias beinahe mütterliche Freundin, und ein unbekannter Mann, in dem man schnell den Täter erkennen kann. Letzterer hat nur kurze Passagen und heizt nur gelegentlich die Spannung etwas an.

Das braucht es auch, denn es dauert ein bisschen, bis die Handlung so richtig in Gang kommt, auch weil alle Beteiligten nicht unerhebliche private Rucksäcke mit sich herumschleppen. Diese privaten Randgeschichten bremsen zwar alles etwas aus, bringen andererseits aber auch eine Tiefe in diese Krimiserie, die viele ähnliche Reihen vermissen lassen. Hinzu kommt eine erschreckend aktuelle Hintergrundgeschichte, die das Gespür der Autoren für brisante Stoffe wieder einmal sehr deutlich werden lässt.

Gegen Ende hin wird es auch noch richtig schnell und spannend, so dass man vor allem auf den letzten 100 Seiten das Buch kaum aus der Hand legen mag. Mir persönlich sind nur die persönlichen Verstrickungen am Ende einen Tick drüber, das hätte nicht sein müssen.


Figuren
Olivia Rönning wirkt dieses Mal von Anfang an etwas gefestigter, weniger labil als in den Vorbänden. Das macht es leichter, ihren Charakter zu erfassen und in Beziehung zu setzen zu den übrigen Beteiligten, vor allem Mette Olsäter und Tom Stilton. Sie alle sind komplexe Persönlichkeiten mit vielen kleinen Eigenheiten und man hat als Leser sofort das Gefühl, alte Bekannte wiederzutreffen.

Es gibt aber natürlich auch jede Menge neue Verdächtige, Zeugen und sonstige Beteiligte. Nicht alle davon sind so facettenreich dargestellt wie die Protagonisten. Es gibt doch einige eher plakativ und eindimensional angelegte Figuren, vor allem Barbro Eklind sticht da etwas heraus. Aber alles in allem agieren hier durchaus lebensnah gezeichnete Charaktere, denen man ein paar bediente Klischees durchaus verzeiht.


Aufmachung des Buches
Das gebundene Buch mit Lesebändchen zeigt auf dem Titel ein leeres Boot auf stürmischer See. Dieses Motiv passt zwar unter bestimmten Aspekten durchaus zum Inhalt, soll aber wohl vor allem an die Motive der beiden ersten Bände anknüpfen. Innen sind die Kapitel recht lang und nicht nummeriert oder überschrieben, ansonsten gibt es keine Besonderheiten.


Fazit
Eine hochaktuelle Geschichte, verknüpft mit einer alten Schuld, das Ganze spannend in Szene gesetzt. Auf jeden Fall eine ganz besondere schwedische Krimireihe. Lesen!


4 5 Sterne


Hinweise
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Backlist:
Band 1: Die Springflut
Band 2: Die dritte Stimme

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