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Krimiclub 1Begleitend zur Leipziger Buchmesse finden jedes Jahr auch am Abend großartige Lesungen statt. Entsprechend hat man die Qual der Wahl, wie man den Abend verbringen will und ich habe mich dieses Jahr am Freitag, den 18. März 2016, für eine Lesung im Landgericht Leipzig entschieden, die unter dem Titel Krimi-Club angekündigt war. Dabei sollte eine hochkarätige Riege bekannter Krimiautoren lesen, Fragen beantworten und signieren. Für Vorfreude war also gesorgt.

Dank der zentralen Lage des Landgerichts Leipzig war die Anreise zum Glück nicht weiter schwierig und dank der Erfahrungen des letzten Jahres waren wir auch frühzeitig vor Ort und haben auf den Einlass gewartet. Die Veranstaltung sollte um 19 Uhr beginnen und um 18 Uhr begann der Einlass. Schnell zeigte sich, dass die frühe Anreise eine sehr gute Idee war, denn es war noch nicht mal 18:20 Uhr, als die Plätze schon alle belegt waren und die ersten enttäuschten Leute abgewiesen werden mussten. Eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn hatte sich schon ein mehr oder weniger frustrierter Pulk aus Menschen vor dem Eingang gebildet, der diskutierte, ob man nicht doch noch reinkönne. Aber da war nichts zu machen und da wohl nicht nur diese Abendveranstaltung schon lange vor Beginn voll war und wohl bei anderen Terminen sogar plötzlich doch Karten reserviert wurden, obwohl online stand, dass das nicht möglich ist, war das Chaos bei den Abendveranstaltungen der häufigste Kritikpunkt, den ich die nächsten Tage in Gesprächen hörte. Warum man gerade eine Lesung mit so vielen Top-Autoren in einen so kleinen Raum verlegt, hat sich mir auch nicht ganz erschlossen, aber da ich eine der Glücklichen war, die einen Platz bekommen hat, konnte ich mich an der tollen Atmosphäre im Landgericht erfreuen. Die Lesung fand in einem der Gerichtssäle statt und da die Autoren auf einem kleinen Podest saßen, konnte man sie auch weiter hinten sitzend noch problemlos sehen und größtenteils auch hören. Moderiert wurde der Abend von Michael Sahr, der großartig vorbereitet war und unterhaltsam durch den Abend führte.

Den Anfang machte Val McDermid, die ihr neues Buch „Anatomie des Verbrechens" vorstellte. Da es sich dabei nicht um einen Krimi handelt, sondern gewissermaßen um ein Fachbuch, hat der Moderator viele Fragen dazu gestellt, wie es überhaupt zu dem Buch kam und was das Besondere daran ist. Die Antworten der Autorin wurden von der Begleiterin der Autorin ins Deutsche übersetzt, sodass auch Zuschauer, die im Englischen nicht so fit sind, gut unterhalten wurden. Die Autorin musste dann direkt weiter zum nächsten Termin, sodass keine Zeit für eine Signierstunde blieb, aber es waren signierte Bücher vorbereitet, die man kaufen konnte.

Die nächsten beiden Autoren auf dem Podium waren Eric Berg, der „Schattenbucht“ präsentierte, und Petra Hammesfahr, die aus „Fremdes Leben“ vorlas. Beide Autoren haben jeweils einen kurzen Abschnitt gelesen und zusätzlich ein paar Fragen zu sich und ihrem Buch beantwortet. So hat Eric Berg zum Beispiel verraten, dass er schon seit frühester Kindheit geschrieben hat und Petra Hammesfahr, was sie gerade am Thema Amnesie fasziniert hat und dass ihre Romane eigentlich gar keine klassischen Krimis sind. Die vorgelesenen Szenen waren spannend vorgetragen und man merkte beiden Autoren deutlich an, dass sie sowas regelmäßig machen und entsprechend gut vorbereitet sind. Danach hatten die Zuschauer die Gelegenheit, sich die Bücher der beiden signieren zu lassen. Das lief leider ein bisschen unorganisiert ab, denn eigentlich war nur eine Pause angekündigt und gar nicht so ganz klar, ob die Autoren danach nochmal wieder kommen würden. Aber es kam dann wohl doch jeder zur gewünschten Signatur.

Krimiclub 2Die letzte Runde bestritten schließlich Sabine Thiesler, Christian Schünemann & Jelena Volic und Klaus-Peter Wolf. Sabine Thiesler hatte ihren neuen Roman "Und draußen stirbt ein Vogel" dabei. Im Gespräch mit Michael Sahr hat sie verraten, dass die Geschichte – es geht um einen Stalker, der eine Autorin bis zu ihrem einsamen Landhaus in der Toskana folgt – lose auf wahren Begebenheiten beruht. Sie lebte selbst lange in der Toskana und hatte tatsächlich einen Stalker, der immer wieder um das Grundstück herum schlich. Zu den grausamen Zusammentreffen aus dem Buch ist es in der Realität aber zum Glück nie gekommen. Sabine Thiesler las dann eine Szene aus dem letzten Drittel des Romans, wo die Situation gewissermaßen schon eskaliert ist und zog damit das Publikum in ihren Bann.

Das Autoren-Duo Schünemann & Volic präsentierte mit "Pfingstrosenrot" ebenfalls einen Roman, der an einer wahren Begebenheit angelehnt ist – sie haben einen tatsächlichen Mord, der nie aufgeklärt wurde, zum Ausgangspunkt ihres Buches gemacht. Das tatsächliche Ereignis und die politische Situation, die wahrscheinlich dazu führte, war dann auch das Hauptthema der Diskussion mit dem Moderator. Aber auch das Schreiben zu zweit und wie die beiden das trotz der weiten Entfernung hinbekommen, wurde angesprochen.

Den Abschluss des Abends bildete schließlich Klaus-Peter Wolf, der seinen neusten Ostfriesen-Krimi „Ostfriesenschwur" vorgestellt hat. Schon im Gespräch mit Michael Sahr hat der Autor dabei viel Humor bewiesen, aber seine Lesung war dann schließlich mein Highlight des Abends. Mit perfekt verstellter Stimme hat er eine unglaublich lustige Szene gleich nochmal besser rübergebracht und das Publikum lag geradezu vor Lachen unter den Stühlen. Wirklich sehr gelungen und ich hab mir direkt vorgenommen, in die Romane von ihm endlich mal reinzulesen.

Danach konnte man sich von den vier Autoren, die noch auf dem Podium saßen, die Bücher signieren lassen, was zusammen mit denen, die die Bücher noch kaufen mussten, natürlich ein ziemliches Durcheinander erzeugte. Aber auch diesmal wurden – soweit ich das sehen konnte – alle Signaturwünsche erfüllt und die Besucher verließen zufrieden das Landgericht. Es war ein wirklich schöner Abend, der von Michael Sahr abwechslungsreich gestaltet wurde und die Möglichkeit bot, all diese ganz unterschiedlichen Autoren und ihre Werke ein klein wenig kennenzulernen. Und genau dafür ist eine Buchmesse ja da - um die Bücher-Wunschliste aufzufüllen und neue Lieblingsautoren für sich zu entdecken.

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