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Spätestens seit Google Earth ist die Welt bis in den letzten Winkel erforscht und vermessen. Es gibt keine unbekannten Orte mehr, keine unberührten Eilande, nichts mehr zu entdecken – oder etwa doch?

Alastair Bonnett stellt in diesem Buch faszinierende und außergewöhnliche Orte vor, die unsere Vorstellungen von der Welt gehörig durcheinanderbringen. Sie tauchen auf und unter, wie die Inseln im Gangesdelta, verschwinden von Satellitenbildern, wie Sandy Island vor der australischen Küste, oder verstecken sich unter Gebüsch und Gestrüpp, das alle Spuren überwuchert, wie auf der britischen Halbinsel Arne. Unterhaltsam und leichtfüßig werden Orte wie Bir Tawil in Ostafrika beschrieben, die partout keine Nation haben will, oder Orte, die scheinbar zu zwei Nationalstaaten gleichzeitig gehören. Berichtet wird von versteckten Labyrinthen, unterirdischen, verlassenen oder überbauten Städten ebenso wie von ihrer historischen Entwicklung. Lehrreich, aber nicht belehrend führt Bonnett durch geographische Kuriositäten und zeigt, dass auch für den heutigen Menschen das Entdecken nie aufhört.

 

Die seltsamsten Orte 

Originaltitel: Off the Map. Lost Spaces, Invisible Cities, Forgotten Islands, Feral Places, and What They Tell Us About the World.
Autor: Alastair Bonnett
Übersetzer: Andreas Wirthensohn
Verlag: C.H.Beck
Erschienen: Dezember 2015
ISBN: 978-3406674921
Seitenzahl: 296 Seiten

Hier geht's zur Leseprobe


Umsetzung, Verständnis und Zielgruppe
Als ich „Die seltsamsten Orte der Welt“ von Alastair Bonnett das erste Mal in den Händen hielt, dachte ich es wäre eine andere Art Reisebericht oder eine Anleitung zur Suche nach den lustigsten Orten der Welt. Tatsächlich hat der Autor jedoch ein höchst tiefgründiges, stellenweise philosophisches Sachbuch geschrieben und bietet dem Leser darin eben nicht nur kuriose Orte, sondern auch eine Vielzahl von Erklärungen und Hintergründen. Da er dies mit einem angenehmen, leicht zu lesenden Schreibstil tut, ist sein Buch aber kein Fachbuch im langweiligen Sinn, sondern gut verständlich und unterhaltsam.

Inhaltlich ist das Buch in die folgenden Kapitel untergliedert:

  • Verlorengegangene Orte
  • Versteckte Geografien
  • Niemandsländer
  • Geisterstädte
  • Ausnahmeräume
  • Enklaven und abtrünnige Nationen
  • Schwimmende Inseln
  • Vergängliche Orte

In jedem Kapitel werden verschiedene Orte betrachtet, wobei oft zeitgleich auf vergleichbare Gegenden hingewiesen wird. Die ausführliche Beschreibung beinhaltet nicht nur Angaben dazu, was diesen Ort besonders macht und wo er zu finden ist (oder eben gerade auch nicht bei den „verlorengegangenen Orten“), sondern auch viele Details zur Geschichte, der Nutzung und den politischen Hintergründen. Insbesondere letzteres verleiht dem Buch seine ernste Note, denn der Autor beschäftigt sich mit einigen Grenzzonen oder durch Katastrophen unbewohnbar gewordene Gegenden. Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und klagt vor allem die Profitgier, die sowohl Menschen als auch Orte zerstören kann, sehr deutlich an. Seine Worte zum beinahe ausgetrockneten Aralsee zum Beispiel sind so eindringlich, dass man die zerstörte, wahrscheinlich für lange Zeit unbewohnbare Landschaft vor sich sehen kann. Ein anderes sehr eindringliches Beispiel ist die Stadt, die durch die Tschernobyl Katastrophe unbewohnbar wurde und die kranke Natur, die sie langsam zurückerobert. All das ist ein Mahnmal, den Umweltschutz nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und zugleich die Erinnerung, dass die Natur eben doch nicht alle Fehler der Menschen wieder ausbügeln kann. Da diese sehr ernsten Passagen immer wieder durch lustigere oder geradezu absurde Beschreibungen unterbrochen werden, wird das gesamte Buch zum Glück aber nicht schwermütig. So stimmt der Autor nachdenklich, ohne zu deprimieren. Dazu passt auch, dass er immer wieder auf Orte in seiner englischen Heimat Bezug nimmt und so die im Großen betrachtet eher schwer greifbaren Eigenschaften der besonderen Orte nachvollziehbar macht. Trotz einiger beinahe schon zu philosophischen Passagen, die das Buch immer mal wieder ein wenig langatmig machen, ist es so eine beeindruckende Lektüre, die viel mehr bot, als ich erwartet hatte.


Aufmachung des Buches
Der C.H.Beck Verlag hat „Die seltsamsten Orte der Welt“ als Hardcover mit Schutzumschlag herausgebracht. Der Schutzumschlag hat eine besondere Textur, die sich sehr angenehm anfasst und dem Buch eine edle Erscheinung verpasst. Das Cover zeigt eine Zeichnung, die sich zwar nicht auf einen konkreten der vorgestellten Orte bezieht, aber sehr gut zu seltsamen Orten im Allgemeinen passt und die eine oder andere Anspielung auf den Inhalt enthält. Auch im Buchinneren finden sich an den Kapitelanfängen immer mal solche Zeichnungen wieder. Fotos der angesprochenen Orte fehlen, aber dafür wurden - falls vorhanden - die Koordinaten ergänzt, sodass man genau nachvollziehen kann, worauf sich der Autor bezieht.


Fazit
Alastair Bonnett hat mich mit seinem Sachbuch „Die seltsamsten Orte der Welt“ sehr positiv überrascht. Abwechslungsreich und oftmals philosophisch beschreibt er die verschiedensten Orte, Gegenden und Geschichten der Welt und hält dem Leser dabei gleichzeitig den Spiegel vor, indem er zeigt wie eng unsere Umgebung eigentlich mit unserem Wesen verbunden ist. Ein wirklich beeindruckendes Buch!

 

4 Sterne


Hinweise
Dieses Buch kaufen bei: amazon.de oder deinem Buchhändler vor Ort

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