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Für Abby ist es die schönste Zeit des Jahres: Jeden Sommer verbringt sie mit ihrer Familie die Ferien im Nationalpark Acadia. Doch diesmal wird die Idylle überschattet. Der zur Unterhaltung engagierte Magier Juspinn fasziniert die Feriengäste nicht nur mit seiner Show – er scheint sie zu manipulieren. Mit Schrecken muss Abby feststellen, wie sich ihre Familie und Freunde mehr und mehr zum Schlechten verändern. Besonders ihre Schwester Virginia ist auf einmal wie von Sinnen. Abby selbst spürt nicht nur die Anziehungskraft des Fremden, sondern auch die Gefahr, die von ihm ausgeht. Juspinn scheint auf der Suche zu sein – nach etwas, das nur sie ihm geben kann.

 

Anima 

Autor: Kim Kestner 
Verlag: Arena
Erschienen: 02/2016
ISBN: 978-3-401-60252-3
Seitenzahl: 473 Seiten


Die Grundidee der Handlung
Abby ist eine Seele von Mensch. Ein Engel im wahrsten Sinne des Wortes. Sie genießt die uneingeschränkte Liebe ihrer Eltern und ist ein Sonnenscheinchen der ganz besonderen Güte. Als sie im alljährlichen Urlaub in Acadia dem geheimnisvollen und überirdisch schönen Juspinn begegnet, beginnt ihre heile Welt zu bröckeln – denn Juspinn hat etwas an sich, dass die Menschen in seiner Nähe außer Kontrolle geraten lässt. Abby´s Faszination wird von Stunde zu Stunde größer und dennoch gibt es einen kleinen Teil in ihr, der sie zur Vorsicht mahnt. Und wie sich herausstellt, absolut zu Recht. Doch wird es Abby gelingen, sich dem zu stellen, was das Schicksal für sie vorgesehen hat? Und wichtiger noch: Kann sie das Böse besiegen?

Mit einem unglaublich abwechslungsreichen und großartigen Wortschatz hat Kim Kestner mit ihrem Jugendbuch Anima einen herrlich zu lesenden Roman in Szene gesetzt.


Stil und Sprache
Der Roman beginnt mit einem Prolog, der den Leser schon erahnen lässt, dass hier nicht unbedingt nur Friede, Freude und eitel Sonnenschein auf einen warten. Aus der Ich-Perspektive von Abby und gelegentlich auch von Juspinn heraus geht es dann in eine Geschichte hinein, die sich zum Teil in einem Nationalpark abspielt, wo gleich klar wird: Es liegt etwas in der Luft. Die Autorin spielt mit Gegensätzen, wie sie heftiger nicht sein könnten. Ist Abby der Sonnenschein und das strahlende Gemüt der Familie Dupont, so ist ihre Schwester Virginia das genaue Gegenteil. Die beiden streiten und zanken sich wie andere Geschwister auch, nur dass hier der Ton und das Agieren um einiges heftiger und brutaler ausfallen als normal.

Kim Kestner hat Anima in zwei Teile gegliedert. Im Ersten geht es um die Ereignisse in Acadia und die Figuren lernen sich praktisch kennen. Im zweiten Teil legt die Autorin dann fast eine Kehrtwende hin, was sowohl den Tonfall als auch das Verhalten ihrer beiden Hauptfiguren angeht, und präsentiert dem gebannten Leserauge nicht nur atemberaubende Szenen und Schauplätze, sie zeigt auch eine fast schon humorige Version von Gottes Gegenspieler. Man hat fast das Gefühl, da wird sich ein bisschen lustig über Reichtum, Prunk und so manche Gesellschaft gemacht. Und die berühmte Ballszene aus dem Film Eyes Wide Shut sieht man doch gleich mit ganz anderen Augen, wenn man sich die Szene zwischen Juspinn und Abby dazu durchliest.

Die Autorin hat eine sehr große Palette an Stimmungen, Worten und Wissen, die geschickt miteinander verwoben sind. Ihre Sprache ist klar, herrlich bildhaft und sogar ein paar Fremdsprachen werden aufgeführt. Dass diese mittels Fußnoten übersetzt werden, empfand ich allerdings als extrem störend. Der Lesefluss wurde dadurch gestört und das soll nicht sein.


Figuren
Zu Beginn der Handlung und bis etwa der Hälfte, löst die Autorin durch die starke Überzeichnung ihrer Figuren beim Leser die größten Emotionen aus – und fertigt ein Bild, das nicht unbedingt jedem gefallen wird.  

Virginia ist das klassische Biest in Schönheit verpackt, die den Leser bis aufs Blut reizt. Durch sie bekommt der Begriff „blondes Gift“ eine ganz neue Bedeutung. Sie hat mich zuerst befremdet, dann angewidert und zum Ende ihres Erscheinens dann nur noch abgestoßen. Bei so mancher Szene mit ihr fragt man sich unweigerlich, worauf sich ihre maßlose Eifersucht auf ihre Schwester eigentlich begründet. Ihr Hass, das schlampenhafte Verhalten gegenüber jedem männlichen Wesen und ihre Ignoranz, wenn es um die erzieherische Autorität ihrer Eltern geht, sind mörderisch gut dargestellt und zugleich schamlos und eiskalt.

Abby hingegen könnte man schon nach wenigen Seiten am liebsten anschreien, nur damit sie aufwacht. Ihr Zwang hinter allem und jedem herzuräumen, offene Behälter zu schließen und ständig irgendetwas zu zählen, das war schon unglaublich. Sie ist extrem unterwürfig, lässt sich von ihrer Schwester schikanieren und terrorisieren und trägt ihr dann praktisch noch die Schuhe hinterher. Das war schon keine überdeutliche Veranschaulichung von Schwarz und Weiß mehr – das war eine zur Schaustellung von reinstem, blendendem Weiß gegen tiefstes und schwärzestes Schwarz.

Kim Kestner hat durch diese übertriebene Darstellung ihrer Figuren gleich von Anfang an ein unglaublich spannendes und faszinierendes Bild erstellt, bei dem man sich als Leser schon des Öfteren dem Gedanken gegenübersieht, dass man die eine oder andere Figur am liebsten packen, schütteln oder gar gegen die nächste Wand klatschen möchte. Da ist ein Hass, eine Feindseligkeit und eine immense Rivalität zu spüren, die - zugegeben - stellenweise etwas befremdlich und sehr heftig herüberkommt, aber doch Sinn macht und in die Geschichte passt.


Aufmachung des Buches
Das Buch ist schwarz gebunden, hat ein rotes Leseband und einen toll gestalteten Schutzumschlag. Der sieht in real noch besser aus, als auf der Verlagsseite. Schwarz, Weiß und Rot sind die Hauptfarben. Das Yin Yang Zeichen ist mittels eines dunklen Flügels und eines Weißen auf fantastische Art umgesetzt sowie herausgeprägt. Hält man das Buch leicht schräg, glänzen der Buchtitel und die beiden Schwingen und der Diamant funkelt herrlich. Das gibt der Gestaltung das gewisse Etwas. Auch der Buchrücken ist so gestaltet. Auf der Rückseite steht in weißer Schrift eine kleine Übersicht, um was es im Roman geht. Direkt darunter eine kleinere Ausgabe der beiden Flügelschwingen. Wirklich äußerst gelungen!


Fazit
Der Roman entlässt seinen Leser mit einem emotionalen Mix allererster Güte. Einerseits wie betäubt und baff, andererseits erstaunt. Klingt widersprüchlich, aber zumindest mir ging es so. Anima ist kein Roman, den man mal einfach so nebenbei liest. Er verlangt die absolute Aufmerksamkeit seines Lesers und belohnt diesen mit einer besonderen Handlung. Eine ganz klare Leseempfehlung!


4 Sterne


Hinweise
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